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Der Israelit · 1900-01-29 · Heft 9 (29.1.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 9 (29.1.1900)
Date
1900-01-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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173 huf; sich regte, wenn Vas Gefühl lebendig wurde, daß der jüdischen Gemeinschaft nickt nur Mitleid für den einzelnen Glaubensgenossen, sondernJürsorge für deren Gesamnrthcit zieme, hatte unsre Gesellschaft sich wärme rer Theilnahme zu erfreuen. Das hep bep zu Anfang der zwanziger Jahre, die Blutbeschuldigung von DamaSeus im Jahre lb'4'>. die Berliner Bewegung zu Anfang der achtziger Jahre, die antisemitischen Erfolge Anfangs der neunziger Jahre hauen zu größerer Beach tung unserer Bestrebungen geführt, wie die Jahre 184'd und 1d?<» 71 zu ihrer Beruachlässigung. Und wie bei uns, rvird arrderrvärrs die Verfolgung zur Lehrerin: in den Jahren, die unserer Gesettsehatt Jahre des Auf sebwunges find, findet sie auderrvärts Nachahmer, erstehen die Vereine, die gleich uns die Erziehung der jii difcheu Jugend zum Handwert und Ackerbau als Ziel erstreben. Und duck geben unsere Bestrebungen nicht aus dem Wunsche hervor, den Gegnern einen Anlaß zu Angriffen gegen uns zu nehmen. Nicht unserer Mitbürger lvegen, sondern um unserer selbst willen fördern wir die Ziele unserer Gesellschaft. Jur den Einzelnen gilt das Wort, daß nicht der 'Beruf den Alaun macht, sondern der Mann den Berus. Jür die Gesammtheit ist es aber nicht gleichgültig, nüe sich ihre Glieder auf die einzelnen Berufe vertheilen. Wir führen Niemand dem Handwert zu, der nicht den Wunsch hat, Handwerter zu sein, wir können lvegen der Bärglichkeit unserer Mittel so Mau chem nicht helfen, der den Beruf zu einem tüchtigen Handivertcr in sich fühlt. Selbstständigkeit zu erlverbeu ist für den Slaujrnann fall schwieriger geworden, als für! den Handwerker. Der seßhaft gewordene .Kaufmann findet weniger Gelegenheit zur Anstrengung seiner Körverträfte, als üe der Hausirer hatte. Es ist deßhalb aud Hhgienischen lvie aus ökonomischen Gründen äußerst wünsehenswertb, daß unferc Glaubensgenossen in größerer Za bl als bisher dem Handlverkerstande aip gehören. Wir richten deßhalb au unsere Glaubensgenossen die herzliche Bitte, unferen Bestrebungen wärmere Dheilnahme entgegenzubringen, als bisher. Gilt es doch, gut zu machen, was man Jahrhunderte an uns gesündigt hat. Denen aber, ivelchen das Gottesgeschenk kräftigen Körpers und geschickter Hand zu Dheil lvurde, wollen lvir das Wort der Psalmen lvieder znrusen lönnen: „Wenn drr deiner Hände 'Arbeit genießest, heil dir und wohl dir." Aachen. Das hier erscheinende „Echo der Gegen wart" reprodncirt aus der „Nb.-Wests. Zeitung" folgende 'Notiz: „Bereits vor erwa Jahresfrist lvurde in dem städt ischen Schlachtbos Ausschuß angeregt, ein Ortsstatut zu erlaßen, »velcbes die ans dem städtischen Schlachthof vor zl'nehmenden Schücktungen nach Möglichkeit einsckrän ' teil sollte. Die Siadwerordneten-Versammlung be schloß jedoch, einffuu'ilen von einem derartigeil Borgehen Abstand pi nehmen u. drrrch anderweite Berorduungen und ergänzende Borsehrisieu den beim Schächten hin und wieder vorlommenden Thierquälereien mögliHst vorzubeugen. Wenn sich diese Verordnungen auch durchweg bewährt haben, so ist es doch fraglich, ob nicht doch in absehbarer Zeit ein Ortsstakut der erwähnten Art zur Nothwendigkeit werden wird, da die vorgenommenen Schächtungen zur Zahl der jüdischen Bevölkerung in keinem Verhältnisse stehen. Bei Ochsen beträgt der Prozentsatz der geschachteten Dhiere ungefähr 20 Prozent, bei Rindern schwankt er je nach dem Lebendgewicht zwischen '!A unb 4o Prozent, während er bei den anderen in Betracht kommenden Thicrcn erheblich geringer ist. Vergleicht inan hiermit die Zahl der jüdischen Bevölkerung, welche ungefähr 2 Prozent der gesammten Einwohnerschaft ausmaeht, so erhellt, daß lvohl die vorgenommenen Sehächtungen über die Anforderungen hinausgehen dürften, wenn auch theilwcife eine Erklärung hierfür in der Thatsaehe gefunden werden muß, daß die mdjt geringe Anzahl jüdischer Metzger ihr gesammtes Schlachtvieh schachten lassen, obwohl dic 'Abnehmer nur zum geringsten T heile der jüdischen B e v ö I t e r u u g a i l g e h ö r e n." Wir erblicken in diesen und ähnlichen Acußcrilngen einen fdiiicfiterneu Versuch, die tolerante und gerechte Gesinnung unserer Stadtverordneten - Versammlung zu Uugunsteu der hiesigen jüdischen Einwohner zu beeinflußen. Wenn hier illehr Dhiere geschachtet »verden, als dem Prozentsatz der hiesigen jüdischen Bevölkerung entspricht, so hat der „Israelit" in dem Aufsatz: „Agitation gegen das Schächten" in Nr. 7 die Gründe dafür in unwiderleglicher Weise auseinandergesetzt. Obi wohl dieser Aufsatz nur die Wiener Berhältniße im Auge batte, so gilt dasselbe doch auch für alle Großstädte. Der hier betonte Umstand legt ein erfreuliches Zeugniß für das jüdische Sehlacktverfahren ab, denn es und nickt nur jüdische, sondern auch christliche Metzger, welche hier ihre Schlachtthiere schachten laßen und somit dieser Dödtungsart oor allen anderen den Vorzug geben. Daß auch in Mainz und Spandau in den Ali litärfchlächtereien der Halsschnitt, also die Methode des Sckäehtens, angelvandt rvird, lvurde in jenem 'Aufsätze bereits betont. Auch die Zeugniße der christlieben Aletzger in S\ö!u, Acül Hausen, Frankfurt a. M., bezeugen den l»korzug des Schächtens aris hpgienischen Gründen. Davon aber abgesehen scheint es ungerecht und unmöglich, eine Schlachtmethode, rvelcher alle Kornphäen der Wissenschaft so rvarrn das Wort reden, den Ebristen ^:r untersagen und nur den Juden zu gestatten. 'A:uck scheint es uugerechfertigi, ohne rveiteres von dem Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung auf den Prozentsatz des Fleischkonsums zu schließen, Es rväre z. B. denkbar, daß die 2 Prozent Juden materiell bester situ tri lind, und in J-olge dessen mehr Jleisch konsnmiren. ' als der gleiche Prozentsatz der übrigen Bevölkerung. Will man sie deßhalb in dem Genuß eines Nahrungs mittels beschränken, das in so hohem Grade unentbehrlich ist? Dazu rvird sich sicher leine Behörde bestimmen lasten.

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