Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 8 (25.1.1900)
- Date
- 1900-01-25
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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155 mit Ausnahme des Herrn N e t t e r die alten sind. Herr Louis Sachs richtet an dieselben herzliche Worte, welche von Herrn Justizrath Meyer erwiedert werden. Die Vorlage betr. Bescheid des Provinzial-Schulkollegiums in einer Beschwerdesache, wird einer gemischten Kommission, bestehend aus den Herren Senator, M i n d e, Geiger und B l a s ch k e übergeben. Ausführlicher Bericht über den Gang der Verhandlung folgt nach. Herr M. Ludwig R i e g hat zur Erhaltung von neun Gräbern auf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee der Gemeinde 20,000 Mk. letztwillig zugewandt. Die Satzungen der Waisenhauskommission werde'.! mit einigen Aenderungen angenommen, alle anderen Punkte werden in die geheime Sitzung verlegt. E. R. Auö Posen. In Nummer 6 dieser geschätzten Blätter war in einem Bericht von Kopenhagen die Jnstallirung des ersten Rabbiners in Südschweden (Kreis Malmö) geschildert. Der Verfasser jener Zeilen, von dem genaue Kenntnis; der dortigen Verhältnisse vermuthet werden darf, hat sich hierbei jedenfalls nur eines Versehens zu schulden kommen lassen, denn es mußte ihm doch gewiß bekannt sein, daß schon vorher Herr Rabbiner L. Gutmann, z. Z. in Waldenberg, Nm., bereits zwei Jahre dort als Rabbiner und Religionslehrer fungirt hat, und daß er als solcher von der Gemeinde angestellt und von den Behörden anerkannt war. Diese Thatsache können die in dem Artikel vom 11. d. Mts. genannten Herren Rabbiner Dr. Goitein, Kantor Großmann, der Vorstand der Malmöer Gemeinde, sowie die orthodoxen Kreise Kopenhagens, bestätigen, denen es bekannt ist. daß Herr Rabbiner Gutmann die Funktionen eines Rabbiners in streng-religiöser Weise ausübte. Um so verwunderlicher ist es, daß der Herr Einsender jenes Artikels dies ignorirt hat und von der Jnstallirung eines ersten Rabbiners spricht. Da Fakta beweisen, daß es gerade hervorragende Rabbiner gibt, die nicht den Titel Doktor führen und doch anerkannt tüchtige Seelsorger sind, so ist tvohl anzunehmen, daß der Herr Verfasser nicht auf dem irrigen Standpunkte steht, daß nur der Titel Doktor den Rabbiner zu solchem stempelt, sodaß seine Eingangsworte in dem betreffenden Berichte nur aus ein Versehen zurückzuführen sind. Darum rvird es ihm jedenfalls lieb sein, zur Steuer der Wahrheit darauf aufmerksam gemacht worden zu sein, da er die Worte des Herrn Dr. Goitein: a'nrr nai rcsn rs sich gewiß zu eigen geinacht hat. Emeth. Oester r.-Ungar. Monarchie. Prag. Der „Israelitische Freitischverein" hielt hier unter dem Vorsitze des Herrn Präses Dr. R. Robitschck seine 40. ordentliche Generalversammlung im Tempelsitzunassaal in der Geistgaste ab. Dem anläßlich des vierzigjährigen Bestandes dieses humanen Vereins verlesenen Rechenschaftsberichtes ist zu entnehmen, daß das Hauptbestreben des Vereins dahin gerichtet war, den armen Studenten durch Verabreichung einer nahrhaften Mittagskost die Gelegenheit zu bieten, ihren Studien sorgenlos zu obliegen. Als in den fünfziger Jahren durch die Umgestaltung der staatlichen, gesellschaftlichen und confessionellen Verhältniffe der Zudrang zu den neuen Schulen, insbesondere der Zufluß auswärtiger jüdischer Kinder immer größer wurde und als mit dem Verschwinden der schranken des Prager Ghetto die Israeliten sich in allen Theilen der Stadt ansiedelten, da wurde es immer schwieriger, die mit Freikost bedachten jungen Leute an den Familientisch des Wohlthäters zu ziehen. Hieraus ergaben sich Uebelstände und Gefahren für die religiös-sittliche Erziehung der unbemittelten Studierenden von großer Tragweite. Bald erkannten dies sechs edle Männer, deren Namen in dem Jahresberichte genannt werden und von denen nur noch einer — der derzeitige Präses Herr Dr. Nathan Robitschek — unter den Lebenden weilt, und vereinigten sich zur Beseitigung dieser Gefahren dadurch, daß sie bei den wohlthätigen Glaubensgenosten Geld sammelten. uin dafür die bedürftigen Studierenden in einem anständigen Gasthause unter entsprechender Aufsicht zu veAöstigen. Damit war die Grundlage und der Zweck des Vereins gegeben, welcher im Jahre 1869 die behördliche Genehmigung erhielt. Seither haben Tausende jüdischer Knaben dem Vereine allein zu danken, daß sie während ihrer Studien vor Hunger und Noth geschützt blieben, daß sie ihre Ausbildung vollenden und daß sie eine ehrenhafte Stellung in der Gesellschaft, eine Existenz erlangen konnten. Durch diese segensreiche Wirksamkeit ist der israelitische Freitischverein ein wahres Bedürfniß geworden. Bescheiden mußte derselbe anfangen. Nur 1662 Kostportionen konnte er im Schuljahre 1869 60 verabreichen und dem Aufwande von 270 Gulden standen Einnnhmen von blos 216 Gulden gegenüber. Seither hat er sich zu einem der angesehensten Vereine entfaltet. In den 40 Jahren seines Bestandes wurden 892,703 Kostportionen verabreicht und dafür 162,797 Gulden ausgegeben, dabei hat der Verein ein unangreifbares Stammvermögen von 70,076 Gulden in Werthpapieren tmi.> ein disponibles Vermögen von 4198 Gulden angesammelt, Dank der Opferwilligkeit seiner Gönner, aber auch Tank der reichen Sparsamkeit derjenigen Männer, welche in vier Jahrzehnten Mühe, Arbeit und Sorge dem Vereine widmeten. Das angesammelte Vermögen bietet wohl eine gewisse Gewähr dafür, daß der Verein auch in Zukunft erfolgreich Mitwirken wird, die unbemittelten Studierenden zu unterstützen. Allein der Zinsenertrag des Vereinsvermögens reicht lange nicht aus. den Verein, dessen Jahresbedarf 12,000 Gulden übersteigt, auf seiner jetzigen bedeutenden Höhe zu erhalten, vielmehr ist dazu nothwendig, daß dem Vereine nickst bloß seine bisherigen Gönner treu bleiben, sondern daß auch stets neue Gönner gewonnen werden. Sämmtlichen Mitgliedern des Vereins sowie den hochherzigen Spendern wird der Dank ausgesprochen, gar'z besonders der Direetion der Böhmischen Sparcasst. Herrn