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Der Israelit · 1900-01-25 · Heft 8 (25.1.1900) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 8 (25.1.1900)
Date
1900-01-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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154 sein kann, die Organisation der Orthodoxen intact zu halten, daß vielmehr ein sanfter Druck von oben mittelst decretirter Unification das ganze Gebäude des gesetzestreuen Judenthums niederreißen sollte. Eine kleine Episode. In Balassa-Gyarmat, einer großen orthodoxen Gemeinde, wollten die Aerzte und Advocaten einen ungarischen Prediger anstellen. Der im Dienste ergraute Oberrabbiner protestirte gegen dieses Vorhaben. Man hat eben mit den ungarischen Predigern gar traurige Erfahrungen in conservativen Gemeinden gemacht u. es kann einem gesetzestreuen Oberrabiner durchaus nicht gleichgültig sein, wenn von der Kanzel herab seine frommen Bestrebungen illusorisch gemacht werden. Da beeilte sich aber die officiöse Preffe der Kongreßkanzlei, die „intelligenten" und „patriotischen" Mitglieder aufzufordern, aus dem Gemeinde verbande auszutreten und eine separate Kongreßgemeinde zu bilden. Ohne ungarische Predigt kein Judenthum. Als aber der berüchtigte Araber Rabbiner mit der Einsegnung der Mischehen begonnen, hat dieses jüdisch-konfessionelle Organ durchaus nicht für einen zweiten Rabbiner oder für die Spaltung der Gemeinde plaidirt. Der Mann hat eben die Mischehen ungarisch eingesegnet, und das ist ein mildernder Umstand. Dieses frivole Spiel mit der ungarischen Predigt wird ganz besonders in einigen größeren Provinzstädten von Zeit zu Zeit aufgeführt. Das Bestreben der Kongreßler, deren Statut durch die Organisation der Orthodoxen gründlich durchlöchert wurde, soll in den konservativen Gemeinden durch Schmuggel und Verrath zur Geltung kommen. Wo das gesetzestreue Judenthum auf gesunden Füßen gestanden, reformsüchtige und einflußreiche Mitglieder der Gemeinde aber mit der Kongreßpartei liebäugelten, wurde auf Basis eines Kompromisses das orthodoxe Landesstatut in seinem ganzen Umfange angenommen. Im Schoße der Orthodoxen Neologie zu treiben, das ist die Wohllust dieser Herren. Gerade in Neutra war es, als vor 25 Jahren der Ausgleich durch Intervention eines Rabbiner-Kollegiums zu Stande kam und der Fortschrittspartei die Bedingungen der Orthodoxen vorgelegt worden, da meinte der Schriftführer des Schiedsgerichts, der derzeitige Oberrabbiner von Großwardein, daß die Neologen kaum auf diese Grundsätze der Orthodoxen eingehen werden. Der Obmann, Rabbi H. Mannheimer s. A., erwiderte ihm aber: „Mein junger Freund, Sie sind im Jrrthum, die Neologen werden alles unterschreiben und das ist das Traurige an der Sache. Mit der Zeit werden sie die Gewalt an sich reißen und mit schnödem Vertragsbruch die Vergewaltigung der Jereim betreiben." waiospy LrnVor einigen Jahren wurden versuchsweise mehrere Kandidaten aus Neologengemeinden als Oderrabbiner nach Neutra berufen. Die Kultusregierung hat aber die Installation der Betreffenden immer verhindert. „So lange die Gemeinde „orthodox" ist," sagte der Ressortminister, „darf ein neologer Rabbiner nicht angestellt werden." Und so fügte man sich in die Wahl des derzeitigen Oberrabbiners Rabbi M. Katz. Nun wählte die Gemeinde vor zwei Jahren einen Notar und betraute ihn gleichzeitig bei gewissen patriotischen Anlässen ungarische Reden in der Synagoge zu halten. Der Oberrabbiner hat des lieben Friedens willen dagegen keine Einwendung erhoben. Es zeigte sich aber gar bald, daß es den Herren nur um ein bischen Neologie zu thun war, denn gerade die patriotischen Schreihälse bliebe': regelmäßig dem Gottesdienste fern, und die echt orthodoxen Mitglieder der Gemeinde mußten auch bei patriotischen Anlässen den Tempel füllen. Die Neologie will aber trotzdem mit aller Gewalt die Kanzel erobern und betreibt mit wahrem Fanatismus die Anstellling eines separaten Predigers. Diese Herren entblödeten sich auch nicht, dem Oberrabbiner einen „Judaslohn" für diesen Verrath anzubieten, inden: sie ihm versprachen, seinen Sohn als Rabbinats- Verwcser anzustellen, was aber Se. Ehrwürden mit Indignation zurückgewiesen. Nun haben sich die wahren J'reim aufgerafft und haben in einer Massenversammlung gegen diese Vergewaltigung öffentlichen Protest erhoben. Es wurde folgeitde Resolution einstimmig gefaßt: „Die Orthodoxen legen Verwahrung ein gegen die Anstellung eines Predigers, unter welchem Titel immer, weil die Gemeindeverfassung das Betreten der Kanzel Niemandem außer dem Oberrabbiner gestattet. Sie versichern den Oberrabbiner ihrer Anhänglichkeit und Liebe und drücken ihr Mißtrauen dem Vorstande aus, den sie für die Consequenzen jedes Uebergriffes verantwortlich machen." Neutra und M i s k o l z sind abschreckende Wahrzeichen, daß ein friedliches Zusammenleben zwischen Orthodoxen und Neologen auf der Basis r e - ligiöser Gemeinschaft ausgeschlossen ist.!nv' rb'V c;nn ,*\s* Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen Deutschland. Berlin, 21. Jan. (SitzungderRepräsent a n t e n - V e r s a m m l u n g.) Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung mit Verlesung eines Schreiben des Herrn Hermann Landsberger, welcher aus Gesundheitsrücksichten sein Amt als Aeltester-Stellvertreter niederlegt. Dem ausscheidenden Herrn Geheimrath Boas werdet' vom Vorsitzenden Worte des Dankes und der Anerkennung gewidmet. Herr Professor B a g i n s k y theili brieflich mit, daß er seinen Protest gegen die Wahl eines in voriger geheimen Sitzung gewählten Predigers fallen läßt. Herr Gustav L e w i n st e i n hat sich noch einmal an die Versammlung wegen Einführung eines Sonntagsgottesdienstes neben dem Sabbatgottesdienste gewandt. Es erfolgt sodann die Einführung der neugewählten Aeltesten und Aeltesten-Stellvertreter, welche

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