Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 8 (25.1.1900)
- Date
- 1900-01-25
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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156 PH. Thorsch in Wien, der Armencommission der Prager isr. Cultusgemeinde, dem Herrn Jg. Riemer in Prag, dem Vorstande des Vereins für geregelien Gottesdienst der Israeliten in Prag, den Zeitungs-Redactionen. Den 2. Dezember 1898, als den Tag des 60jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers, hat auch der Freitisch-Verein festlich begangen. In Anwesenheit des gesammten Vorstandes und zahlreicher Gäste hielt das Vorstandsmitglied Herr Rabbiner Dr. Kisch eine feierliche Ansprache an die versammelten Kostmhmer, welche sodann mit einem Festesten bewirket wurden. Ferner hat der Verein am 30. April 1899 das 70. Geburtsfest des vieljährigen Vorstandsmitgliedes und Geschäftsleiters Herrn Samuel Angel in Anerkennung seiner unvergänglichen Verdienste um den Verein festlich begangen und aus diesem Anlasse aus eigenen Mitteln des Vorstandes und der Speiseinspeetoren 2000 Kronen gesammelt und in Kronenrente dem Verein mit der Bestimmung gewidmet, daß die Interessen jährlich am 30. April an zwei würdige Kcstnehmer vertheilt werden sollen. Den im abgelaufenen Jahre Heimgegangenen Mitgliedern hält der Vorsitzende einen warmen Nachruf. Schließlich wird dem Vorstande das Absolutorinm ertheilt und der Dank ausgesprochen. Bei den hieraus vorgenommenen Wahlen wurden die Herren Dr. Julius Duschenes, Ignaz Qrnstein, Dr. Isidor Petschek, Siegmund Plohn, Ignaz Riemer, Ignaz Schönberger wieder und die Herren Carl Eisler, Max Hirsch und Gotthold Ulitz neugewählt, zu Revisoren wurden berufen die Herren Alois Deutsch, Wilhelin Epstein und Dr. Julius Popper. In der hieraus stattgesundenen constituirenden Vorstandssitzung wurden gewählt: als Präses Herr Dr. N. Robitschek, als erster Präses-Stellvertreter Herr Dr. Julius Duschenes, zugleich als Controleur und Rechnungsfllhrer, als zweiter Präses-Stellvertreter Herr Herrmann Schütz, als Cassier Herr Dr. Isidor Petschet, als Geschäftsleiter Herr S. Angel und Geschästsleiter-Stellvertreter Herr Max Hirsch. > Personalien, -f LobsenÄ. Am 5. Januar starb dahier Frau Josephine B e n j a min, geb. Cohn, Wittwe des Herrn C. Benjamin, vormaligem Vorstand der hiesigen isr. Gemeinde, der vor sechs Jahren in glücklichster Ehe ihr enEissen wurde. Die Heimgegangene hat ein Greifenaller von 86 Jahren erreicht und war in der That rrcr nVy: die Krone ihres Gatten, dessen Andenken sie bis an ikr Lebensende heilig gehalten hat. Nicht minder war sie m; rnKrr der Schmuck ihrer Kinder, ihrer ganzen Familie, von welcher jedes Mitglied mit wahrhafter Verehrung zur frommen Greisin emporblickte. Ihre Wohlthaten, die sic am liebsten in der Stille übte, haben viele Thränen getrocknet, manche Noth gelindert. D. B. DaS Arnmobilien - Geschäft in Frankfurt im Aabre 1899.) Bericht von K. Stern-Simon.) In den Streit, ob das Jahrhundert zu Ende ist oder nicht, mischen wir uns nicht ein, nur soviel soll im Voraus bemerkt se n, daß es in keinem Jahre des 19. Jahrhunderts soviel Umsätze in Immobilien gegeben hat als im verflossenen. Nach den offiziell festgestelltcn Ziffern sind während des Jahres 1899 verkauft worden: Jnsgesammt 1590 Objekte mit einem Werthe von Mk. 106,763.749. Das ist der größte Umsatz des Jahrhunderts und um einen solchen in den „guten alten Zeiten" zu erreichen, gehörten 7—10 Jahre dazu. Ein Rückblick auf die letzien 25 Jahre gibt uns ein kleines Bilo der riesigen Entwicklung in dem Immobiliarbesitz. 1874 1875 1876 1877 1878 1879 1880 Millionen Mark 25 24 27 22 16 161/* 20'/, 1881 1882 1883 1884 1885 1886 1887 „ 23h» 22 23 22 '|, 22 22 26 1888 1889 1890 1891 1892 1893 1894 „ „ 30 51 45 481/a 52 60 46 1895 1896 1897 1898 „ „ 61 62 77 91 Zu den Umsätzen kommen noch einige Millionen für welch ein Währscha'tsgeld nicht erhoben worden ist. sodaß sich der wirkliche Umsatz des Jahres 1899 auf mindestens 120 Millionen beziffern dürste. In die Bewegung und Lebhaftigkeit des Geschäfts hat die Sladtgemein'e wieder kräftig dirtt und indirekt cingegrisfen Auch sonst hat sich im verflossenen Jahre bei den An- und Verkauf.n gezeigt, daß die Lebhaftigkeit im Geschäft nicht auf einer künstlichen Mache, sondern auf durchaus gesunden wirthschastlichcn Verhältnissen basirt. Tie veischiedenen Ursachen, unter welchen die einzelnen Transaktionen zu Staude gekommen sind, können hi r nicht im Einzelnen aufgezählt werden. Sie sind sehr verschiedener Natur; in der Hauptsache ist jedoch beinahe der weitaus größte Thetl der Geschäfte auf den wirklichen Beoarf zurückzuiühren. Die Neigung, ältere Häuser, welche abbruchsfähig sind, durch neue moderne Objekte zu ersetzen, hat auch im letzten Jahre angchalten und wird voraussichtlich noch weitere Fortschritte machen. Man darf ruhig behaupten, daß nach dieser Richtung hin hier in den nächsten Jahren noch Vieles geschehen wird und eS geht wie in allen alten Städten, die sich verjüngen. Die Verhältnisse treiben den Einzelnen wie die Behörden und man kann sagen, das alte Frankfurt wird in dem neuen Jahrhundert fällig. Was da fi üher un erlassen worden ist, mutz die neue Zeit nachholen. Tie Befürchtungen, daß in Folge des theuren Geldstandes die Umsätze im letzten Jahre Noth leiden würden, haben sich nicht bewahrcheitet: Nun soll nicht geleugnet werden, daß in Terrain-Spekulationen nicht so viel wie in den Vorjahren umgegangen ist und hierbei spielt die Geldfrage theilweise eine Nolle. Aber es sind auch noch andere Ursachen vorhanden, welche dem Te> raingeschäft nicht günstig waren. Es dürfte sich an diesen speziellen Verhältnissen auch im neuen Jahre nicht viel ändern. Und es ist auch gar nicht ausgeschlossen, daß das anhaltende theure Geld dem Jmmobiliengeschäft doch etwas schadet. Das Hypolhekengeschäft litt ganz besonders während des ganzen Jahres linier den Geldverhältnissen und es sind noch wenig Aussichten zur Besserung vorhanden. Di« Hnpothekenbanken, Versicherungsgesellschaften, Kassen rc. haben seit Monaten die Beleihungen entweder ganz sistirt, od<r sie nur unter sehr erschwerenden Bedingungen und in engen Grenzen aufrecht erhalten. Der Zinsfuß für erste Hypotheken ist heute 41/* —4,/,,J/0. i