Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 8 (25.1.1900)
- Date
- 1900-01-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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t44 ziehend, „Du mußt schon heute mit mir vorlieb nehmen." Unter Lachen und Scherzen wurden ihr die Hände auf den Rücken gebunden und auch sie dann fortgeführt. Der Polizeimeister, der selbst seine Leute ansührte, schloß dann die Thüre, legte einen Siegel an und entfernte sich ebenfalls. Ottokar Bonekamp, der Sarah aufrichtig und innig liebte, verging fast vor Sehnsucht. Alle seine Bemühungen seid vierzehn Tagen, das geliebte Wesen wiederzusehen und zu sprechen, waren vergeblich. Schon manchesmal sagte er sich, daß sie ihn nicht liebe, und nahm sich dann vor, an sie nicht mehr zu denken, aber kurz darauf verflogen diese Vorsätze wieder, er war überzeugt, es müsse etwas ganz Besonderes die Ursache sein, daß Sarah ihn so vernachlässige. Heute war er entschlossen, um welchen Preis immer, mit ihr zu sprechen, und sollte er in ihre Wohnung eindringen. Sehen mußte er sie heute. Kurz vor Abend, früher als immer, begab er sich deshalb nach der Judrrrgasse. Am Platze vor der Kirche zu St. Niklas sah er eine Ansammlung von Menschen und daß von Schergen ein Weib getragen wurde. Unbekümmert ging er weiter zur goldenen Gasse zu. Eine größere Volksmenge hinderte seinen Lauf. Da sah er wieder zwei Schergen, die in ihrer Mitte eine Frauengestalt führten. Neugierig trat er näher. Was war das — träumte er, war es ein Spuck, der vor seine Augen zog — war die Gestalt mit den Händen auf den Rücken gebunden, dessen Strickende der eine Scherge in seiner Hand hielt, nicht Sarah, seine Geliebte, seine theure Sarah? Mit Gewalt die Volksmenge durchdrängend, seinen Degen aus der Scheide ziehend, und den Schergen ein donnerndes „Halt" zurufen, was das Werk eines Momentes. Sarah blickte aus, erkannte Ottokar, flehte weinend „Rettung, Rettung!" mehr konnte sie nicht hervorbringen, Thränen erstickten ihre Stimme. „Wer wagte es, an dieses Mädchen Hand anzulegtN^" fragte er den Schergen. „Es ist eine Judendirne, eine Mörderin," antwortete dieser. „Schweig, Schurke, sonst spalte ich Dir Dein böses Maul," herschte er diesem zu, riß ihm das Strickende aus der Hand, legte den Degen auf des Mädchens Schulter und sprach mit lauter Stimme: „Dieses Mädchen ist durch meinen Degen geehrt und wer sie zu berühren wagt, ist ein Kind des Todes." Hierauf löste er rasch die Bande, nahm die halb ohnmächtige Maid bei der Hand und zog sie mit sich fort. Ehe die Schergen und die Volksmenge sich von ihrem. Erstaunen erholt hatten, waren die Beiden spurlos verschwunden. Als der Rath Bonekamp diesen Vorgang in Erfahrung brachte, und alle seine Nachforschungen nach den Beiden resultatlos blieben, bemächtigte sich seiner eine wahre Verzweiflung. Sein Sinnen, Planen und all seine Mühe waren vergebens, er hatte seinen einzigen Sohn, seinen Leibeserbe verloren, um, wie er überzeugt war, ihn nie wieder zu finden. Die Strafe für Bonekamp war hart, aber gerecht. (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag and Donae**«taerm, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt dnrrtt D. Zf. S t e i n n ck e r, Leipzig, Nohplah Jß. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzele oder deren Raum. Preis ver Zeile im Reelametheil 75 Pfennig. — Directe Francozufendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für s Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3863. Telephon 315. Eine Rücksendung der an die Redaction eingesandten «tanuscripte sinder nicht statt, «ran bittet deshalb, sich von alle« Einsendungen eine Copte zurückzubehalten. Stellensuchende erhalten auf Wunsch die Jnseraten-Beilage vier Wochen lang gratis und franco zugesandt. Evenso stunden wir auf Wnnsch dte Zahlung des JnsertionsbetragS an außer Stelle Befindliche bis «ach Erlangung einer solchen. -nn«tr Leitender Artikel: Rückblick. Z ei tun a sna Zwickten »rid Korrespondenzen Deutschland: Berlin. Reydt. Aus Württemberg. Fürtb. Oesteir.-Ungar. Monarchie: Budapest. Aus Ungarn. Frankreich: Paris. England: London. Rußland: Mttau. — Personalien. — Vermischtes. Feuilleton: Ex odio fidae. (Forts tzung). Anvalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Recht und Religion. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Würzburg. Oefterr.-Ung. Monarchie: Budapest. — Miltheilungen aus den jüd. Armenvereinen und kür dieselben: Vilbel. — Verm schtes. Anvalt der ,Wetten Leitender Artikel: Die Folgen einer Mischehe zwischen orthodoxen und neologen Gemeinden. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Aus Posen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag. — Personalien. Inhalt der dritten Beilage: Judentaufen im Ist. Jahrhundert in Deutschland. Inhalt der vierten Beilage: Ein liebenswürdiger Brief und feine Folgen. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des .Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'fchen Hofbuchdruckerei Actten-Gesellschaft in Mainz. Hier)« vier Beilage«.