Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 8 (25.1.1900)
- Date
- 1900-01-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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143 keiner 40jLhrigen Wirksamkeit als Med. Doctor. AuS diesem Anlasse wurden ihm zahlreiche Gratulationen und Ovationen dargebra' t: Deputationen der Stadtgemeinde, des Cultusvorstandes und des Rabbinates, der Liedertafel, des OrtSschulralheS rc. :c. — Dr. Federer. nahezu 70 Jahre alt, ist ein Jude alten Schlages, wohlwollend, herzensgut, hat stets arme Kranke jeder Konfession unentgeltlich behandelt, war bei Verfassung der Statuten der hiesigen Cultuspemeinde CultuSvorsteher und ist seit vielen Jahren Mitglied der hiesigen Stadtvertretung. TP HD! M. Reiser, Rabbiner. Jerusalem. Das Diskin'sche Waisenhaus hatte im letzten Vierteljahre eine Einnahme von 29,321 Piastern und eine Ausgabe von 2<,230 P. Aeuilleto«. Ex odio fidae. Htptortfrhe <£ v j ä ft l u u fl «) Von Mathias Kisch, Prag. Eine Viertelstunde verging, da klopfte es leise an der Thüre, auf das barsche „Herein" Bonekamps trat, demüthig sich verbeugend, Josel ein. „Warum so spät, Jude?, was bringst Du fiir Nachricht?" schrie er ihn strenge an. „Euer Gnadenleben, ich komme vom Begräbniß Schimeles," war die Antwort. „Ei, begraben haben sie ihn schon, das paßt mir gm. Hast Du Dir das Grab gemerkt?" fragte er weiter. „Versteht sich, Hab' ich es mir gemerkt," antwortete der Gefragte. „Das war gut," setzte der Rath fort, „erzähle ausführlich, was hat sich ereignet." Der Rath setzte sich und hörte den Bericht Josels aufmerksam an. Nachdem dieser geendet hatte, entließ er ihn mit der Mahnung, stets auf der Wacht zu sein und seinen Befehlen rasch Folge zu leisten. Nachdem Josel das Zimmer verlaßen hatte, kleidete sich der Rath schleunigst an und begab sich nach dem Rathhaus, direct zum Polizeimeister. Dieser, über den frühen Besuch des gefürchteten Raths erstaunt und zugleich geehrt, bewillkommte ihn und fragte demnthig um die Ursache dessen hohen Besuches. „Hört, Meister," begann dieser so herablassend, als es ihm möglich war, „heute Nacht hat der Jude Lazar Abeies seinen Sohn Simon, der sich zur heiligen Taufe aubct, in grausamer Weise ermordet." „Was, ein Jude seinen Sohn ermordet?" fragte erstaunt und ungläubig der Polizeimeister, „da wollen wir doch gleich —" „Geduld, Meister," setzte Bonekamp, ihm die Hand auf die Schulter legend, fort. „Ja wohl, er hat ihn ermordet. ich habe Zeugen darauf, doch will ich nicht, daß vor der Hand diese Sache bekannt wird. Was ich von Euch, Meister, verlange, ist, daß Ihr sofort veranlasset, daß dieser Märtyrer, der heute Morgen in aller Eile begraben wurde, heute noch, womöglich am Abend, exhumirt und die Leiche dann in aller Stille in mein Haus gebracht werde, hört Ihr, Meister, ohne jedes Aufsehen'" „Ja wohl, Gnaden Herr Rath, Euer Befehl soll pünktlich ausgeführt werden," entgegnete der Angeredete. „Jedoch was geschieht mit dem elenden Mörder?" forschte er weiter. „Wie gesagt, vor der Hand nichts," befahl kurz der Rath, „das Weitere sollt Ihr in einigen Tagen erfahren, führt meinen Auftrag strikte aus, u. seid meiner Gnade gewiß." Der Polizeimeister verbeugte sich stumm, der Rath reichte ihm die Hand, indem er sagte: „Also heute Abend" und entfernte sich. Gleich darauf berief der Polizeimeister zwei seiner vertrautesten Schergen, begab sich mit ihnen nach dem Judenfriedhof, ließ sich dort vom Todtengräber das frisch zugeworfene Grab zeigen und befahl, dasselbe sofort zu öffnen. Als das geschehen und die Leiche bloß gelegt war, ließ er diese von seinen Leuten herausnehmen und ordnete die rasche Wiederzuschüttung des Grabes an. Dann wurde die Leiche nach der Todtenkammer gebracht und dort einer der Schergen als Posten belassen. Der Todtengräber aber wurde mitgenommen und, damit er nicht plaudere, in den Arrest gebracht. Abends wurde die Leiche des Knaben abgeholt und woblverpackt in das Haus des Rathes gebracht. Dieser harrte bereits in der Hausflur und befahl, selbe in seinen Keller zu tragen. Den nächsten Tag begab sich der Rath Bonekamp in seiner vollen Amtstracht zum Stadthalter und obersten Burggrafen Adolf Wratislaus, Graf v. Sternberg. uni ihm dieses Ereignis; zu melden. Der Pater Guilielmi Duorsky aber begab sich in derselben Angelegenheit zu Herrn Consistorialrath O. Simsonta. Bierundzwanzig Stunden später wurden Lazar Abeles in der Synagoge, während des Abendgottesdienstes, verhaftet, ebenso Löb Kurzhandl, der Bachur. Dann drangen die Schergen in die Wohnung des Abeles und rissen die kranke Lea erbarmungslos aus ihrem Bette. Die Arme konnte nicht gehen, weinte und bat um Gnade. Ohne ihr herzzerreißendes Bitten zu beachten, brachten sie zwei Schergen fort. Auch dem alten Lipme wurden Ketten angelegt, und derselbe abgeführt. Als diese entfernt waren, kam die Reihe an Sarah, die den ganzen Vorgang sprachlos und am ganzen Körper zitternd, mit angesehen hatte. „Hervor Jungfer, aus Deinem Winkel," begann höhnisch einer cher Schergen, sie mit roher Gewalt vor-