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Der Israelit · 1900-01-25 · Heft 8 (25.1.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 8 (25.1.1900)
Date
1900-01-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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141 uninteressant zu erfahren, daß diesem würdigen Zögling des Budapester Rabbiner-Seminars einmal das Malheur passirte, daß er gelegentlich einer Eheschließung dem Bräutigam die Trauungsformel vorsagte, ven Trauring aber in seinem priesterlichen Eifer der hübschen Braut allein aussetzte. — Auch der Gerichtsrath Dr. A. F o d o r hielt an diesem Abend einen Vortrag über die civilrechtliche Gesetzgebung Moses, in welchem die Toleranz und die Rechtsgleichheit im biblischen Schriftthum hervorgehoben wurde. Die Laien-Vorlesungen erfreuen sich entschieden eines größeren Beifalls beim Publikum. — Die Zöglinge des hiesigen Rabbiner-Seminars rüsten sich zu einer Ovation für den greisen Direetor Moses Bloch, der demnächst seinen 85. Geburtstag feiern wird. 22 Jahre wirkt Rabbiner Bloch in dieser Anstalt und wie Vieles hätte er für die Erweckung des religiösen Geistes und für die Wissenschaft des Juventhums leisten können, wenn er seiner Aufgabe gewachsen wäre und sich nicht als willenloses Spielzeug seinen vermeintlichen Vorgesetzten ausgeliefert hätte. Bloch ist kein Bibelkritiker und kein Epikaures, aber ein Mann ohne jede Thatkraft und ohne Energie. Er hat sehr viele Hatoraus mit seiner Namensfertigung und seinem Amtssiegel bekräftigt, obwohl deren Besitzer nicht im Stande sind, auch nur eine Seite des Talmuds selbstständig zu erfassen, und wieviel mn cnr; haben diese Talmidim im Laufe der Jahre fertig gebracht! Von einzelnen Zöglingen, die als öffentliche Mumorim l'hachiß bekannt sind und der ausschweifendsten Reform fröhnen, gar nicht zu reden. Der Eingeweihte weiß es auch, daß nur jene Zöglinge dieser Anstalt etwas talmudisches Wissen besitzen, die sich ein solches aus den Jeschibos mitgebracht. Wer nicht früher irgend eine Jeschiba besucht hat, blieb ein förmlicher Am-Haarez, obwohl er mit einer „Semicha" aus dem Seminar entlassen wurde. Von einzelnen Zöglingen werden geradezu Wunderdinge erzählt, zu welcher Virtuosität sie es aus dem Gebiete talmudischer Ignoranz gebracht. Und doch ist Bloch unstreitig ein bedeutender Lamdan. Unglücklicherweise oder vielleicht zu seinem Glücke hat er aber nicht die S'chijah, seine Thora auch auf seine Jünger zu verpflanzen. An seinem 85. Geburtstage mag er mit Wehmuth von sich sagen: ns ■:Ttjp^ s Wenn wir aber jenes roth abgestrichene monumentale Gebäude in der ehemaligen Holländergasse betrachten u. in Erwägung ziehen, daß diese Lehrstätte bis heute schon weit mehr als zwei Millionen Kronen jüdisches Geld verschlungen, daß dieses Vermögen quasi von unseren Vätern stammt, drängt sich uns auf ein hartes Wort Der Weisen:!fsn i'rts lyptr jn tp b : nc: ,fsr "j'n^s wpin pdb ,*ic: Aus Ungarn, im Jan. Erst jetzt wird es bekannt, daß die verstorbene Baronin Hirsch auch für eine orthodoxe Institution ein kleines Legat hinterließ. Im Sinne eines bei der orthodoxen Gemeinde in M. Szt. Janos, wo die Baronin begütert war, hinterlegten Stiftungsbriefes, wird die dortige jüdische Volksschule den jährlichen Betrag von 2000 Kronen erhalten. Der Gemeindevorstand hat nun Anstalten getroffen, daß auf den Religionsunterricht besondere Sorgfalt verwendet werde. — Wir sind es gewöhnt, von reichen Neologen zu lesen, daß sie in ihren letztwilligen Verfügungen die Institutionen der fortschrittlichen Cultusgemeinden mit namhaften Beträgen unterstützen. Man hat es aber noch nicht gehört, daß einer unserer Millionäre, der auch interkonfessionelle Stiftungen testirte und mitunter sogar katholische u. lutherische Institute bedachte, auch irgend eine Anstalt mit ausgeprägtem orthodoxen Charakter einmal mit einem kleinen Legate gewürdigt hätte. Auch die Baronin hat in ihrem Testamente ausdrücklich nur die Fortschrittsgemeinden herausgehoben. Da aber in M. Szt. Janos nur eine orthodoxe Gemeinde vorhanden ist, mußte der Berather der edlen Baronin seine neologen Gelüste nolens volens auch einmal unterdrücken. — Vor Jahresfrist gründete Herr Rabbiner S. Ehrenfeld in seiner Gemeinde einen Gemilus chesed-Verein, der die Aufgabe hat, unbemittelten Gemeindemitgliedern aus Nagy-Mihaly und Umgebung zinsenfrei Darlehen bis zur Höhe von 150 Kronen auszufolgen. Im Jahresausweise wird mitgetheilt, daß im ersten Aereinsjahre 235 Personen von dieser Begünstigung Gebrauch machten und daß der materielle Bestand des Vereines auch für die Zukunft gesichert ist. Herr Oberrabbiner Ehrenfeld, ein Enkel des großen Chatam-Szofcr, hat während seiner sechsjährigen Wirksamkeit in dieser Gemeinde sich große Verdienste uni Thora und Aboda erworben. Nun hat er einen glänzenden Beweis geliefert, daß man auch auf dem Gebiete vonGemilus chasodim auf seine geniale Tüchtigkeit und glückliche Thatkraft rechnen darf. Frankreich. Paris, 23. Jan. Emile Zola ist hier Gegenstand einer bemerkenswerthen Ehrung gewesen, welche sich im Sprechzimmer des „Siecle" vollzog. Eine Versammliing von etwa 60 Herren und Damen, worunter alle Führer der Dreyfus-Campagne, überreichte dem Bahnbrecher der Wahrheit in dieser denkwürdigen Affaire eine von Charpentier modellirte große goldene Medaille, deren Kosten durch eine Subseription aufgebracht worden sind. Die Vorderseite zeigt das Profil Zolas, auf der Rückseite liest man: „Die Wahrheit ist unterwegs und nichts wird sie aufhalten. 13. Januar 1898." Aus eine Ansprache des Directors des „Siecle", Aves Guyot, worin in großen Zügen die Rolle geschildert wurde, welche Zola in der Dreyfus-Affaire gespielt, antwortete der Gefeierte in längerer Rede, welche in folgende Worte ausklang: „Dreyfus ist frei, aber Frankreich bleibt krank, weil es sich nicht stark genug glaubt, die ganze Wahrheit und Gerechtigkeit ertragen zu können. Und doch hoffe ich, weil ich an seine Arbeit und die Kraft seines Genius glaube, aber diese Morgenröthe wird vielleicht lange warten lassen. Ich nehme also dankbar diese Medaille in der Hoffnung an, daß ich

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