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Der Israelit · 1900-01-25 · Heft 8 (25.1.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 8 (25.1.1900)
Date
1900-01-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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140 schiedsrede den Gefühlen der versammelten Gemeinde Ausdruck gab. Ein Sohn dieser nun verödeten Gemeinde, der Kammersänger a. D. Sontheim, wird anläßlich seines 80. Geburtstages der Gegenstand großer Ovationen werden. Das Kgl. Hoftheater trifft Vorbereitungen, um diesen Tag würdig zu feiern, und hofft man, den einst viel Gefeierten noch einmal hören zu dürfen. Sontheim wurde durch die Familie Kaulla, die sein Talent entdeckte, auf die Bühne gebracht. Seine Laufbahn begann dieser Heldentenor in Karlsruhe, von da an war er an unserer Hofbühne thätig. Die zahlreichen Gastspiele des Künstlers vertheilten sich auf die bedeutendsten Bühnen Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz. Herr Kirchenrath Dr. K r o n e r in Stuttgart setzt auch diesen Winter seine Visitation der israelit. Gemeinden fort und kommen heuer die Gemeinden der Rabbinate Mergentheim und Weikersheim an die Reihe. Dem hochwürdigen Herrn werden überall Ovationen entgegengebracht. Fürth. Seit einiger Zeit gefallen sich mehrere Herren aus Nürnberg, die gerne Vorstand spielen, darin, Versammlungen auf Versammlungen einzuberufen, zur Umgestaltung des Armenunterstützungswesens in Bayern. Es wurden schon mehrere Statutenentwürfe gefertigt, die, wenn sie als Entwurf der Oeffentlichkeit kund gegeben worden wären, uns der Mühe enthoben hätten, vor diesem Unternehmen hier öffentlich zu warnen. Es waren wunderbare Ideen da entwickelt, Polizeimaßregeln und Verbot an die Vereinsmitglieder, einzelne Arme zu unterstützen u. s. w., das waren so die Grundideen der sogenannten Eentralisation des Armen-Unterstützungswesens. Zuerst hieß die Firma „Bekämpfung des Wanderbettels", dann später „Eentralisation der Unterstützung inländischer Armen." thatsächlich läuft aber das Ganze überhaupt nicht auf Unterstützung hinaus, sondern auf Einschränkung von Unterstützungen, wenn möglich auf Abschaffung unserer schönen jüdischen Gebräuche des Zedokoh geben. Reformirt muß werden u. da taugen die herrlichen Vorschriften unserer heiligen Lehre über Armenunterstützung, die unter der Devise „Jisroel bne rackmwnim" gegeben sind, nichts mehr, diese sind veraltet. Der Arme, der sich auf der Straße sehen läßt, macht solche Herren schon nervös, er hat keine Existenzberechtigung, wie er sein Leben fristen soll, das ist nicht Sache der Mitmenschen; nach Ansicht dieser Herren darf kein fremder Jude über die deutschen Grenzen und die einheimischen Armen läßt man so nach und nach aushungern. Mit 20—30 Mk. per Jahr Mitgliederbeitrag zu den Armenvereinen kauft sich ein reicher Mann frei von Mizwas Zedokoh, Einzeluntersti'tzung darf dann nicht mehr gegeben werden. Ausnahmen hiervon machen nur Kirchenkollecten etc., da muß man sich zeigen. Die sogenannte Entlastung der kleinen Gemeinden, die von Nürnberger Agitatoren als Köder vorgehalten wird, bedeutet eine entschiedene Belastung, denn wenn der Arme nicht mehr aus seinem Wohnort herausdarf, um seinen Bekannten und guten Freunden seine Noth zu klagen, bei Verlust der Central- Kassen-Unterstützung, so muß er unbedingt seiner nächsten Umgebung, die meist selbst nicht leistungsfähig ist, zur Last fallen, denn die Unterstützung der Kaffe kann allerhöchst für Arzt und Beheizung ausreichen und wovor: soll der Unglückliche leben? — Uns wundert nur, daß auch einzelne Rabbiner, wenn auch wider Wille::, solche Sitzungen frequentiren und nicht sofort energisch Front machen gegen derartige Grundsätze, statt daß sie eine abwartende Stellung einnehmen. Um in Armen-Unterstützungs-Vereinen mit Erfolg etwas zu leiste:. gehört in erster Linie ein warmes Herz für die Armen, sonst hilft alles Vereinstalent nichts. Das Ersiere geht gewissen Herren vollständig ab und wir wiederholen unseren Mahnruf „möge man dieser Gründung fernbleiben, denn der letzte Gedanke ist gegen und nicht für die Armen." Der hiesige Wander-Unterstützungsverein und der Nürnberger Armenverein leisten in ihrer Art sehr viel und wenn hieran gebeffert werden soll, so sind wir hierzu gerne bereit, das ist aber nur dann möglich, wenn die Mitglieder mehr geben, nach dieser Seite hin sollte sich die Thätigkeit aller maßgebenden Persönlichkeiten wenden. R. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Budapest, im Jan. Die hiesige fortschrittliche Cultusgemeinde ist im Begriffe, einen neuen Tempel zu bauen, dessen Kosten mit einer Million Kronen präliminirt wurden. Die Eultus-Gemeinde besitzt nun die sogenannte Rombachschul mit gemäßigt-conservativem Ritus, in dem aber zuweilen auch die Prediger des Reformtempels fungiren und das imposante Bethaus in der Tabakgaffe, mit etwas mäßigeren Reformen, in dem bloß eine Orgel, aber nicht ein Damenchor beim Gottesdienste mitwirkt und nur ein Theil der hebräischen Gebete eliminirt wurden. Es ist nun nicht unmöglich, daß in diesem neuen Millionen Tempel ein Damenchor die Andacht der Millionäre kitzeln wird. Budapest, 23. Jan. Im Prunksaale der israel. Cultusgemeinde hat die ungar. isr. litterarische Gesellschaft wieder einen Vortragsabend gefeiert, den der Lugoser Rabbiner Dr. Simon Händler mit einer „Studie" über „Jjob" einsegnete. Es versteht sich von selbst, daß dieser Herr den Standpunkt vertrat, daß „Jjob lau haja w'lau nibra" und machte die geniale Entdeckung, daß die ganze Schrift eigentlich nur eine Analogie von Göthe's Faust und dergleichen sei. Auf Originalität im Epikureismus machen diese Herren keinen Anspruch. Auch dieser geistliche Herr hat wiederholt die hebräischen Gottesnamen aperto capite ausgesprochen. Die talmudische Satzung, daß der Gottesname nicht bei entblößtem Haupte ausgesprochen werden dürfe, kommt bei diesen Herren nur dann zur Geltung, wenn sie im Angesichte des Königs den „frommen, jüdischen Pastor spielen wollen." Nebstbei ist es nicht

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