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Der Israelit · 1900-01-25 · Heft 8 (25.1.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 8 (25.1.1900)
Date
1900-01-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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138 wer die Erfahrungen des eigenen Lebens in dem kleinen Kreise seiner Entfaltung mit gewecktem Blick beobachtet, wird auf Schritt und Tritt solchen Spuren der erziehenden, göttlichen Waltung begegnen. Sie äußert sich in- Kleinen und im Großen; aber nur der von Gottvertrauen und Gottesfurcht geschärfte Blick gewahrt sie, wahrend der große Troß gedankenlos über sie hinweggeht. In den letzten Jahren des scheidenden Jahrhunderts waren genau 400 Jahre seit der Vertreibung der Juden in Spanien verflossen. Einen Tag nach der allgemeinen Vertreibung verließ Columbus die Heimath, um Amerika, d. h. das Land zu entdecken, das noch vor Ablauf dieses Jahrhunderts Spanien den Todesstoß versetzte. Vierhundert Jahre lang mahlen Gottes Mühlen; sie mahlen langsam, aber sicher. Welches Walten der göttlichen Nemesis spricht sich in diesem einen welthistorischen Vorgang aus, den wir selber zu erlcbei. die Genugthuung hatten! Diese Erwägung zeigt aber auch, wie das, was das Jahrhundert uns Juden bedeutet, sich nicht auf die Ereignisse beschränkt, die Juden und Judenthum unmittelbar berühren. Es gibt keine Krise, keine Umwälzung, wie schmerzvoll sie auch sein mag, die ohne Beziehung zu den ewigen, göttlichen Wahrheiten stände, deren Trägerschaft die Mission des jüdischen Volkes ausmucht. .crc ner) bxiw fraso nbrr thyh nsn nujnis px Das gilt nicht nur von politischen Ereignissen, sondern auch von den Errungenschaften der Wissenschaft, von jedem Fortschritt des Menschengeistes, von jeder Erfindung, jeder Entdeckung, welche die Menschheit leichter und rascher vorwärts bringt und sie so ihrem letzten Ziele, der Vollendung nähert. Wenn z. V. in unseren heiligen Bekenntnißschriften als letztes Hochziel der Menschheit das Schwinden von Haß und Streit, die Verbrüderung aller Menschen und Völker verkündet wird, so stehen alle Mittel, die den Verkehr von Menschen und Völker beschleunigen und erleichtern, im Dienste dieses von den jüdischen Propheten verheißenen Zukunftsideals. Je rascher Menschen mit Menschen verkehren, je leichter sie selbst aus große Entfernungen mit einander sprechen können, um so näher treten sie sich, um so weniger fremd fühlen sie sich, um so sicherer sind damit die Vorbedingungen erfüllt, die für eine völlige, aufrichtige Annäherung aller Menschen unerläßlich sind. Während heute die Kenntniß und Wissenschaft der Natur so vielfach zur Verkennung und Verleugnung ihres Schöpfers führt, bedarf es nur dieser Anschauung, um auch in der Natur eine so ergreifende Offenbarung Gottes, als in seinem geoffenbarten Worte zu erblicken, und jede neue Entdeckung der Naturwissenschaft als das Morgenroth der Zeit zu feiern, in welcher die Erde der Erkenntniß Gottes so voll sein wird, wie das Wasser den Meeresboden deckt. Diese Erwägung verleiht unserem Jahrhunder — wir meinen hier nicht das 19., sondern das 57. — eine Bedeutung, welche vielleicht keines seiner Vorgänger hatte, eine Bedeutung, die unsere großen Weisen schon vor vielen Jahrhunderten erkannt und die ein Rückblick auf dasselbe in unvergleichlicher Weise bestätigt. Von dem sechsten Jahrhundert des sechsten Jahrtausends heißt es im heiligen Soharbuche: xb'yb xnaam ’jnn pnflsrp rwrmw p;^ nxa n'vz', tpj *123 nxjflatra ^*6 saby |*pnm xnnS xnaam ’jnaai '3,n xnDß’2 xbwb xvsv ziy ■oa nxrrrtp xava ipnnon ncya bz :ypz: 'w n; 'nb n;e» r\xa w n:t?a -pja*ai ’a; .(nti 's in;) N3"> cinn „Im sechshundertsten Jahre des sechsten Jahrtausends öffnen sich die Pforten der Weisheit in der Höhe und die Ströme der Weisheit hier unten und die Welt erreicht die Vollendung für ihren Eintritt in das siebente Jahrtausend. Wie der Mensch, wenn au?, sechsten Tage sich der Abend nähert, sich für den Eintritt in den Sabbat vorbereitet, so wird es auch hier sein. Ein äußeres Merkzeichen dafür sind die Worte (1. B. M., C. 7, V. 11): Im sechshundertsten Lebensjahre Noach's öffneten sich alle Quellen der großen Tiefe." Zum Verständniß dieser Worte müssen tvic an die geniale Geschichtsauffassung unserer Weisen erinnern, welche der Welt so viele Jahrtausende zuerkannt, als die werkthätige Woche Tage hat; also sechs. Mit dem siebenten Jahrtausend hat die kämpfende, ringende Menschenwelt ihre Vollendung und damit ihren Weltensabbat erreicht, der mit dem siebenten Jahrtausend beginnt. Diese sechstausend Jahre gruppiren sich dem historischen Blick unserer Weisen in drei gleichen Gruppen von je zweitausend Jahren. Die ersten zwei Jahrtausende sind die Zeit des geschichtlichen Chaos 'sSx *:t? Hfl, sie schließen mit der Offenbarung der Thora am Sinai, womit auch die folgenden zwei Jahrtausende einleiten, welche der Verwirklichung der Thora im Kreise der Menschen gelten, min *sbx ':p, das vierte Iah: tausend schließt mit der Zerstörung des der Thora errichteten Gottesheiligthums und der Vernichtung des für ihre Verwirklichung gestifteten jüdischen Staatslebens. Mit der Zerstreuung Israels und der Verbreitung der von ihm durch die Welt getragenen göttlichen Wahrheit wird die messianische Zeit und die durch sie bewirkte Vollendung der Menschheit eingeleitet, rptra 'sbx ■>:». Das sechste Jahrtausend, in dem wir jetzt leben, entspricht dem sechsten Tage der Woche, also dem Rüsttag zum Sabbat. Mit dem Jahre 5500 der Weltschöpfung war die erste Hälfte des sechsten Jahrtausends zurückgelegt. Mit dem sechsten Jahrhundert dieses Jahrtausends neigt sich dasselbe bereits dem Weltsabbat zu und jedes Jahr führt uns ihm einen bedeutsamen Scbrilt näher. In dieser immer größeren, den früheren Jahrhunderten unerreichten Nähe des Weltsabbats erblickt das heilige Soharbuch den Triumpf des sechsten Jahrhunderts in diesem Jahrtausend. Je kürzer der Weg

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