Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 7 (22.1.1900)
- Date
- 1900-01-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449057--49932-2500385- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
130 Mitgliedern, wie es das Statut vorsieht, für zu groß, denn ein so vielköpfiges Organ sei zu schwerfällig und erschwere die Arbeit, die erfahrungsgemäß ja immer nur von einzelnen Wenigen geleistet wird. Gegenüber den vielfach angeregten Aenderungen der Statuten betont Dr. Stein- Prag, daß dieses Statut, wie in der Debatte ganz richtig bemerkt worden, den Satzungen des deutschen Schulvereins angepaßt ist, auf Grund derselben habe der deutsche Schulverein große Erfolge erzielt und ist Redner der Ansicht, daß eine andere Organisation als im Statut vorgesehen, nach den Landesgesetzen nicht zulässig sei und wenn man sich nicht selbst Schwierigkeiten bereiten wolle, so solle die vorgeschlagene Organisation ohne weiteres angenommen werden. Die sonst geäußerten Wünsche sind nicht von principieller Bedeutung und könnten nach gewonnener Erfahrungen durch die Praxis berücksichtigt, resp. die Statuten danach später geändert werden. Von einzelnen Rednern wird gewünscht, daß die Generalversammlung bei der Wahl der Vorstandsmitglieder durch nichts gehindert sein möchte. Wenn es auch selbstverständlich sei, daß die Generalversammlung stets Vertreter aus Galizien in die Vereinsleitung wählen werde, so erscheint es dennoch rathsam, die Bestimmung aus dem Statut zu entfernen, nach welcher die Ortsgruppen von Lemberg und Krakau berechtigt sind, vier Vertreter in die Vereinsleitung direkt zu entsenden. Alsdann findet ein Ideenaustausch statt über den Wertb und über die erzielten Erfolge der in Galizien errichteten Schulen und Stiftungen, wobei auch die Mängel bezeichnet werden, die hierbei zu Tage getreten find. Als ein Uede-üand wird -- o^ze-wael, daß diese Schulen und Suiiuugen es bisher untci(viffcn haben, dafü e zu sorgen, daß die Zöglinge, wenn entlassen, in Leb-stellen oder in passenden Berufs,uveigen unteigebracht werden, wodurch es häufig vorgetommen, daß diese jungen Leute dem Iudeutbume uicht gerade zur Ehre gereichten. Geradezu ein Segen würde es für Galizien fein, wenn die vorgesehenen Ortsgruppen auch mit der Aufgabe betraut werden würden, für die schulentlassenen Knaben Lehrstellen zu beschaffen. In der weiteren Debatte wird gewünscht, daß heute nur eine Verständigung über die großen Aufgaben und Ziele erfolgen möchte: ob die Organisation dem einen für zu umfangreich, dem andern als lückenhaft erscheine, sei wirklich nicht so wichtig und sollte die Regelung dessen nach Bildung des Vereins dem Vorstande überlassen werden. Seit 100 Jahren stand das Judenthum vor keiner so großen Frage; die hohe Begeisterung, die in den Reihen der Juden für ein galizisches Hilfswerk vorherrsche, sollte nicht herabgedrückt werden durch gar zu breite Behandlung untergeordneter Fragen. Von anderer Seite wird gewarnt, politische Momente oder Fragen der Nationalität unterlaufen zu lassen, denn sonst werde der Verein nicht aufkommen und nichts leisten können; er sollte es sich vielmehr zur Aufgabe machen, auch versöhnend zu wirken und sei das nur zu erreichen durch gegenseitiges Vertrauen. Die Fragen der Organisation seien gegenüber dem Zwecke des Vers ein» wirklich Nebensache. Wenn die von Hirsch für Galizien geschaffenen Stiftungen nicht den ersehnten und erhofften Erfolg hatten, so liegt das daran, daß sie den ausgebildeten Zöglingen nicht auch Arbeit verschafften und nur durch Arbeitsgelegenheiten kann den galizischen Juden Rettung werden. Dringend erforderllch erscheine es für die Aufgaben des zu gründenden Vereins, mindestens einen Menschen zu gewinnen, der die Verhältnisse in Galizien genau kennt und ausschließlich für den Verein wirkt. Es werde schwer fallen, die geeignete Persönlichkeit zu finden, aber sie muß gefunden werden; denn wenn der Verein wirklich etwas erreichen soll, dann muß eine Kraft, die die einschlägigen Verhältnisse genau kennt und befähigt ist, die Pläne der Centrale auch durchzuführen, herangezogen werden. Handwerker in Schulen auszubilden sei, wie der Rückgang der „Rappoport-Stiftung" beweise, nicht rathsam. Das Handwerk müsse praktisch bei einem Lehrmeister erlernt werden und zur weiteren Fortbildung sollten gewerbliche und landwirthschaftliche Fortbildungsschulen dienen. Der Reichsrathsabgeordnete Dr. B y ck erklärte, daß die jüdische Intelligenz Galiziens gerne und mit allen Kräften an dem Hilfswerke Mitarbeiten werde, gleichviel wie auch die Organisation gestaltet sei, seinen Vorschlag aus Bildung von Landesgruppen in Galizien bitte er aber dringend anzunehmen, denn derselbe entspräche den Verhältnissen seines Landes. Binnen Kurzem werde in Lemberg ein Gemeindetag abgebalten werden, aut die Zraa-e der Sewüsilse erörferi werden soll, was piedner eine o egäuzung der Tpäng kect tcc heute zu gründen-.-.n B-weius bezeichnet. Ein Amrag auf 2 ailuß der Deba-ie wird Mittags 1 llfuangenommen. Von den noch eingeschriebenen Rednern erhält das Wori ncv Präses der Eultusge nu'tnbe, taiserl. Rath .St i i n ger , und führt derselve aus, daß der Gemeindevorstand, der zwar einen diesbezüglichen Beschluß noch nicht gefaßt hat, sicherlich nach Kräften dabei mitwirten wird, die Bestrebungen des Vereins zu fördern. Er stattet dem Bnei Briß-Verbande den Dank ab für die ergriffene Initiative und bittet den Verband, auch ferner die Oberleitung der Vereinsbestrebungen in Händen zu behalten, denn nur dann erscheine der Erfolg gesichert. Mit Worten der Anerkennung der segensreichen Leistungen der Bnei Vriß. speziell für deren bisherige Leistungen zur Gründung des Vereins, schließt Redner seine Ausführungen, die allgemeine Zustimmung und Beifall finden. Nachdem noch ausgesprochen worden, daß die geäußerten Anschauungen und Wünsche vom Gründungskon-mitee in Erwägung gezogen würden, wird die Gründung des Vereins einstimmig beschlossen. Zu Mitglieder!' des Gründungskommitees werden folgende Herren gewählt: Dr. Hammerschlag, Dr. Stein- Prag, Dr. B Y ck, von H o r o v i tz - Pipes, Dr. Lazarus- Lemberg, Dr. H o r o w i tz - Krakau