Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 7 (22.1.1900)
- Date
- 1900-01-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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131 und folgende aus Wien: Kaiser!. Rath Klinger, Banquier Rosenfeld, Kaiser!. Rath Siegmund Meder, Vizepr. der Cultusgemeinde Dr. Gustav Cohn, Kaiser!. Baurath S t i a ß n y, Fabrikant Lederer, Teltscher, Wiener, Dr. Knöpfmacher, Dr. Kuh, Dr. K o h n , Prof. Dr. E h r - m ann , Dr. Lang, Stein, Dr. K l e m p e r e r, Dr. Pappenheimer, Dr. Stern und Architekt F l e i s ch n e r. Der Vorsitzende der Versammlung, Herr Dr. Hammerschlag, begrüßte mit Freuden die definitive Gründung des Vereins und bittet die Anwesenden, in ihren Kreisen dafür zu wirken, daß das allgemeine Interesse ssch den Aufgaben zuwende, die heute hier proklamirt worden sind, dann werde der Erfolg nicht ausbleiben können und der Verein seinen Aufgaben gerecht u. zum wahren Segen unserer unglücklichen Glaubensbrüder in Galizien werden. Zeitungsnachrichten und Correfpon-enze« Deutschland. Berlin. Ueber eine jüdische Gemeinde in China macht die „Gazette de Lausanne" interessante Mittheilungen. Als Titus, der Sohn des Vespasian, Jerusalem zerstörte, herrschte in China der Kaiser Ming-Ti, aus der Han-Dynastie. Damals scheinen jüdische Familien von Jerusalem nach China gekommen zu sein. Im 7. Jahrhundert waren die jüdischen Gemeinden in China schon so groß, daß ihre Angelegenheiten von einem besonderen Beamten behandelt werden mußten. Im 10. Jahrhundert war der Mittelpunkt dieser Gemeinden die Stadt Kai-Fung am Hoang-Ho. Die Zahl der Israeliten war durch Einwanderer, die mit Bauniwoll-Karawanen aus dem Westen gekommen waren. bedeutend gewachsen. So hatten sich in Kai-Fung auch einmal 70 Familien niedergelassen. Im 14. Jahrhundert besaßen die Juden in China sogar einen gewissen politischen Einfluß. Im Jahre 1423 erhielt ein Jude eine hohe militärische Besehlshaberstelle. Die Synagoge, die mehrere Male durch Wasser und durch Feuer zerstört worden war, wurde prächtig wieder aufgebaut. Der Kaiser schenkte ihr eine Votivtafel, vor der an gewissen Tagen ein hoher Beamter Weihrauch verbrannte. Damals stand die jüdische Gemeinde von Kai-Fung ans dem Höhepuntr ihres Ruhmes. In Beginn des 17. Jahrhunderts mar sie bereits tu Versa!:. Ci ne neue llelnrsch'oe.n.nung des Flusses und me '_'7V nach,: 7 nnKD .chnne:.n'gtea ihren liniergang. Fr- ''ennr dm 17 wurde die Dann v, n ,:.'i cha ::, 'den rnnd'g, die üe geschildeB baden. Die wer h www Bw er lang n. sünfzig Bitter breit nur untfaßre vier Geoände, die durch Höfe von einander getrennt waren. Im Hintergründe des letzten Hofes befand sich die eigentliche Synagoge, die zwanzig Meter lang und von zwei Säulenreihen umgeben war. In der Mitte des Betsaales erhob sich der „Thron des Gesetzgebers Moses", ein hoher, geschnitzter Sessel, den ein Baldachin überragte. Dort sah man auch die von dem Kaiser geschenkte Votivtafel und einen Tisch, auf dem sechs Leuchter eine Weihrauchpfanne umgaben. An den Wänden befanden sich die Gesetztafeln. Die Juden von Kai-Fung feierten alle jüdischen Feste und verheiratheten sich nicht mit Andersgläubigen. Im Jahre 1860 war die Gemeinde in einem traurigen Zustande. Sie hatte schon seit einem halben Jahrhundert keine Rabbiner mehr; kein Mensch konnte hebräisch lesen oder beten. Ein Wiener, Liebermann, und der Franzose Dr. Martin, die damals Kai-Fung besuchten, fanden von der Synagoge nur noch eine im Jabre 1162 errichtete Steintafel vor. Die Mitglieder der Gemeinde, deren Zahl nur noch 3—400 betrug, verkauften alte Kleider, Backwaaren und Obst. Einige waren Geldwechsler, andere Schneider oder Schuhmacher. Sie versammelten sich nicht mehr zu gottesdienstlichen Handlungen. Sie trugen die chinesische Tracht und den Zopf. Mehrere hatten Chinesinnen gehenathet. Sie erinnerten sich nur noch dunkel an einige Feste, die die früheren Geschlechter gefeiert hatten. Aber mar. erkannte sie leicht an ihrem Typus. Breslau. Im „Jüdischen Rede- und Discutirclub Graetz" zu Breslau fand am 23. v. M. eine wiederuni zahlreich besuchte Versammlung statt. In derselben hielt Herr Paul P o s e n e r einen Vortrag über „Studententhum und Antisemitismus." Redner führte etwa das Folgende aus: Für den Juden sei es ein Gebot der Sclbstvertheidigung, alles das kennen zu lernen, was auf seine rechtliche und wirthschaftliche Stellung Einfluß haben könnte. Darum müsse er auch mit den Universitäten vertraut werden, auf denen die geistigen Führer des Volkes, die Männer des Wissens und der Macht ihre Ausbildung erhielten. Redner giebt eine Uebersicht der auf den deutschen Hochschulen bestehenden Verbände. Insbesondere weist er darauf hin, daß die farbentragenden Corporationen ihren guten Ruf erworben hatten nicht zum Mindesten durch die rege Activitäi der jüdischen Begründer und Mitglieder, die sie nun verleugnen zu dürfen glauben. Nachdem Redner den Verein deutscher Studenten gebührend beleuchtet, weift er auf die Wahlkämpfe an der akademischen Lesehalle in Berlin hin, welche wohl Jeden über das Vorhandensein des Antisemitismus an den Universitäten belehren dürften. Eine Abwehrbewegung sei 1886 von Breslau aus durch die Viadrinen ins Leben gerufen ww'deu. Docb find solche Verbindungen der Abneigung der jüdischen bürgerlichen Kreise zu sehr ausgesetzt. Wft der Ceniralverein in Berlin für das deutsche Reich de reiteine Fue Organisation geschaffen, so sei es ioc.V.cr Aroeit, durch Begründung von Discutireiuvs darauf yinzuwirken, daß die Lehren der Jugendjahre nicht vergessen werden und man einer ehrlichen Mitarbeit sicher sein könne.