Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 7 (22.1.1900)
- Date
- 1900-01-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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41* Jahrgang. LMM V 7 des Israelit". Lsitsn-er Artikel. fjflfsuciEin für die notliUlötnöt jin. ötuöltirrunp ©olliitns. W icn, .19. Jan. In der Versammlung, über die ich Ihnen in der rortgen 'Jiinitiuer des „Israelit" nur kurz berichten fomtic. fanden sich etiva 100 hervorragende Vertreter aller in. Frage kommenden Organe des Landes ein, und eröjsncte Herr Dr. H a m m erschlag die Sitzung mit einer Ansprache, worin er zunächst die Berechtigung und Verpflichtung nachwies dafür, daß gerade die Bnei Vrifp Bereinigung die Initiative ergriffen und daß sie dennoch es sich versagt habe, irgend ivelche Vortheile sich in; Statut zu sichern, denn den; Wesen der Vereinigimg entspreche es, das Gute anzuregen und alle vorhandenen Kräfte hierfür zu gewinnen, wie auch mit den eigenen Kräften für solche gemeinsamen Aufgaben einzulrctcn. Es gäbe kaum einen anderen Faktor, der so wie die Bnei Briß geeignet erscheint, einen Erfolg aus dein Werk zu sichern, das heute ins Leben gerufen Werder. soll, denn fast in allen Kulturstaaten haben die Bnei Briß Vertretung und alle ihre Mitglieder werden bereit sein, zur Mitarbeit an diesem Werke. Reicher Beifall folgte diesen Ausführungen und berief nun Dr. Hammerschlag den Präses der Kultusgerneinde Wien, den kaiserlichen Rath Herrn K l i n g e r iml> den Präses des israelitischen Gemeindebundes, Gen-einderath Herrn Dr. Stern, zu Beisitzern im Vorstande der heutigen Versammlung, sowie Herrn Dr. L a t> g st e i n zürn Schriftführer. Es war in der Versammlung vertreten die Kultusgeureinde Wien, der israelitische Gemeindebund für Oesterreich, die Jew. Eol. Assocc iation, die Kultusgemeinde Prag, die Repräsentanz der Landesjudenschaft des Königreiches Böhmen, der Eentralverein jüdischer Angelegenheiten Prag, die Kultusgemeinden Lemberg, Krakau, Brünn, Troppau, Letschen, Jägerndorf, Hohenplotz, Ostrau, Jemnitz, Bilitz, Pilsen, Karlsbad, der galizische Hilssverein Lemberg. der gesellige Verein Karlsbad, der jüdische Litteratur verein Troppau, Verein zur Beförderung Der Handwerke unter den inländischen Juden, der Verband der Humauitätsvereiue in Oesterreich, und sämmtliche Hnmanitätsvcreine Oesterreichs sowie die Großloge für Deutschland 1'lII. Die „Alliance Jsraelite" und die „Baron Hirsch-Stittung" waren nicht vertreten. Der erste Redner im Gemeindehause war der Reichsrathsabgeordnete Dr. B y ck - Lemberg, der zunächst den Dank seiner unglücklichen Landsleute für die Initiative, die zu deren Gunsten von den Bnei Briß ergriffen worden, zum Ausdruck brachte, und dann in einen; historischen Rückblick schildert, wie sich die Nothlage der Juden Galiziens herausgebildet, und welche Faktoren dabei mitgewirkt haben, die Lage der Juden in Galizien so zu verschlechtern, daß heute ein Nothschrei durch dic ganze civilisierte Welt geht. Redner schildert darauf auch, wie unendlich groß und schwierig die Aufgabe sei, die der Verein sich stelle u. daß diese Aufgaben nur dann mit Erfolg werden gelöst werden können, wenn die Organisation des Vereins anders gestaltet wird, als sie in den Paragraphen 16, 17 und 21 vorgesehen worden ist. Daß die Centrale des Vereins in Wien ihren Sitz haben soll, erscheine durchaus berechtigt gegeniiber dem Plane, auch die Juden anderer Länder für die Aufgabe des Vereins zu gewinnen. Indessen erscheint es dringend erforderlich, daß in der Centrale gerade die Vertreter aus Galizien mehr zu Wort gelangen, sofern es sich um Beschlüffe der Centrale und deren Ausführungen handelt. Wenn es vollkommen geniige, daß sonst überall Ortsgruppen gebildet werden, die ihre Vertreter zur Generalversamlung entsenden, so müßten für Galizien gewissermaßen Landesgruppen gebildet werden, welche direkte Beziehungen zur Centrale in Wien haben und die gehört werden müßten bei allen entscheidenden Handlungen, denn die Centrale, die 100 Meilen vom Actionsfelde ihren Sitz habe, könnte gar nicht ohne Mitwirkung der im Lande selbst Ansässigen segensreich wirken. Hierüber, ob die Organisation des Vereins sich ausschließlich auf Errichtung von Ortsgruppen zu beschranken habe, oder ob die von Dr. Byck vorgeschlagenen Landesgruppen in die Organisation noch einzuschließen seien, bewegt sich die langwährende, aber hochinteressante Debatte, denn in derselben gelangten die Verhältnisse in Galizien, sowie die Beziehungen der Nationalitäten zu einander scharf zum Ausdruck und gewährten dem Unparteiischen einen Einblick in diese Verhältnisse, die nicht immer erfreulich sind. Dieselben Argumente, die schon in einer Vorversai.inlung bezüglich der Paragraphen 1 und 2 behandelt wurden, gelangten in der großen Versammlung zum Ausdruck, die sich dahin zusammenfassen lassen: Beschränkung der Ziele und Zwecke, sowie Vereinfachung der Organisation. Es wird auch die Ansicht vertreten, daß es rathsamer erscheine, jedem Mitgliede das Stimmrecht in der Generalversammlung zu gewähren, und dieses nicht allein aus die von den Ortsgruppen enlscndeten Vertreter zu beschränken. Ferner wird bemängelt die Schaffung von „Gründern" u. „Gönnern", die durch einmalige Zahlung von 2000 Kronen resp. durch einen Jahresbeitrag von 200 Kronen das Stimmrecht in der Generalversammlung erlangen. Auch erschein.! einzelnen Rednern ein Executiv-Organ von 28