Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 7 (22.1.1900)
- Date
- 1900-01-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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126 ■SPSf WWWWWWWW nach Brod und Waffer geschrieen und Moses hätte alles beschaffen muffen. Auch in der hiesigen Gemeinde sei das Volk mitunter unruhig und die Leiter hätten keine Rtlhe vorm Volk. Deshalb habe auch der hiesige Vorstand gesagt: baut eine Synagoge und während der Zeit hätte der Vorstand Ruhe gehabt. (Heiterkeit.) Er wolle etwas mitnehmen von hier und das sei das Bewußtsein, daß die hiesige Gemeinde ein schönes Gotteshaus gebaut habe. Ferner wünsche er, daß alle die Worte, die er geredet habe, auf fruchtbaren Boden fallen." Da auf diese bereits am 8. Januar gegebene Darstellung des genannten Blattes ein Dementi bis jetzt nicht erfolgt ist, so wird es wohl damit seine Richtigkeit haben. — Für diesen Fall scheint es angezeigt, die Armseligkeit etwas niedriger zu hängen, die nicht vor einer Herabwürdigung unseres großen Lehrers und vor einer öffentlichen Verkürzung der Göttlichkeit der Thora zurückschreckt, um durch einen so fragwürdigen Witz einen augenblicklichen Heiterkeitserfolg zu erzielen. Nicht Moses, sondern Gott hat mit seinem 'rustsn enpo oairc den Bau des ersten Gotteshauses veranlaßt. Wir finden, daß unsere Väter zehnmal Mal in der Wüste Gott versuchten. Eine solche zehnfache Verirrung auf vierzig Jahre vertheilt, berechtigt nicht dazu, unsere Väter als unruhiges Volk vor aller Welt zu deklariren. Noch weniger ist aus den Quellen eine Verstimmung Moses' ersichtlich, welche durch den Bau eines Gotteshauses beseitigt werden sollte. Auch die Nutzanwendung auf die Gegenwart hinkt. Jedermann weiß aus eigener Erfahrung, wie oft gerade der Bau einer Synagoge zu Meinungsverschiedenheiten und ernstlichen Zerwürfnissen führt; also das deutbar schlechteste Mittel wäre, um Ruhe zu bekommen. Dagegen glauben wir gerne, daß Herr Dr. Frank von Hörde etwas mitnehmen wollte und zwar noch etwas mehr, als das von ihm betonte Bewußtsein. — Deßhalb können wir uns dem letzten Wunsche des Herrn Frank nicht anschließen, hoffen vielmehr, daß diese Blasphemie von den Hörern als das, was sie ist, ertannt und gewürdigt werde, wenn erst dem verrauschten Festjubel die nüchterne Ueberlegung folgen wird. O e st e r r.- U n q a r. Monarchie. Wien, 17. Jan. Ein jüdisches Attentat hat das „Deutsche Volksblatt" entdeckt. Es hat kein rituelles Ehristenblut, sondern nur die Sonntagsruhe zum Gegenstand. Bei Licht besehen, ist es zwar eigentlich die Montagsruhe, denn es handelt sich um die ganz unerhörte Absicht der Redaction des „N. Wr. Tagebl.", ein Montagfrühblatt herauszugeben. Der Chefredacteur Singer soll einigen Redacteuren des „N. Wr. Tagebl." bereits gekündigt haben, weil sie sich gegen die Herausgabe eines solchen Blattes auszusprechen gewagt haben. Vielleicht besitzt das „Deutsche Volksblatt" neben seiner Sonntagsfreundlichkeit noch so viel Menschenfreundlichkeit, diese Märtyrer der Sonntagsruhe in seine Redaction aufzunehmen. Es wird dann diesen vereinten Kräften nicht schwer fallen, nachzuweisen, daß die Bäcker, Metzger, Marktfrauen, kurz alle die, welche am Montag Morgen Frühausgaben von Brod, Fleisch und Gemüse veranstalten, nichts als verkappte jüdische Attentäter auf die Sonntagsruhe sind. Das Joeal dieser Bestrebungen dürfte in einer Anregung gipfeln, dem „blauen Montag" diese Farbe zu nehmen und ihn ebenfalls als Ruhetag zu erklären. Ist dies geschehen, dann wird man leicht die Klinke der Gesetzgebung mit Erfolg in Bewegung setzen können, um so unbequeme Attentäterpläne, wie die Herausgabe eines Moutagfrühblattes, im Keime zu ersticken. Sobald der Montag als staatlich anerkannter Ruhetag anerkannt ist. darf auch kein Dienstagfrühblatt ausgegeben werden. Man sieht, wie ein Attentat auf die Sonntagsruhe leich: zu einem Attentat auf den gesunden Menschenverstand führt; auch zu einem Attentat auf das „Sechs Tage sollst du arbeiten" der Bibel und noch auf einiges andere. Türkei. Bagdad. Der Central-Ausschuß der „All. Jsr." Hai den folgenden Brief eines Correspondenten in Bagdad erhalten: „Die den Ort Halepche bewohnenden Juden, 160 bis 200 an der Zahl, besitzen eine kleine aus der einen Seite verfallene Synagoge. Sie machten sich es zur Pflicht, sie wieder herzustellen. Nach beendeter Arbeit und bei der Verrichtung ihrer Gebete brach eine Kurdenbande in die Synagoge ein, schlug die Gläubigen nieder u. beschädigte die wiederhergestellte Mauer, führten Gejetzesrollen und Gebetbücher aus und verbrannten sie. In ohnmächtigem Schrecken erreichten die armen Juden ihre Behausungen. Sie haten nicht den Muth, sich über diesen Angriff bei der Obrigkeit zu beschweren, da sie mit Recht die Rache der Kurden befürchteten. Sie schickten zu ihren Glaubensgenossen nach Hanegin, welche bei uns anriefen. Wir haben uns bemüht, vor allem Empfehlungsbriefe an die Militär- und Civilbeh'örde in Halepcha zu erhalten. Der Großrabbiner hat an Hazim Bey, den Vali von Mossul, telegraphirt, um seine Aufmerksamkeit auf die bedauerlichen Zwischenfälle zu lenken, welche sich in der Synagoge von Halepscha abspielten. Hazim Bey war so wohlwollend, alsbald zu antworten, daß er bereits von den Vorgängen in Halepscha Kenntniß, an den Kaimakam dieser Stadt telegraphirt und ihm eingeschärft habe, die Israeliten nachdrücklich gegen die Angriffe der Kurden zu schützen. Vermischtes. Rikolsburg, 9. Januar. Der hiesige Bürgermetsler und Cultusvorsleber Adolf Frankfurter wird in kürzester Zeit unsere Stadt verlassen, um nach Znaim zu übersiedeln. Nur ungern sehen wir diesen Mann aus unserem Orte scheiden; denn trotz ßiner weltmännischen Bildung ist er conservativ gesinnt, welche Gesinnung er auch bei jeder Gelegenheit betätigte. Möge es ihm, mit dem nun der letzte Sprosse dieses Namens von hier weggeht, in seiner neuen Wirkungssphäre recht gut ergehen.