Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 7 (22.1.1900)
- Date
- 1900-01-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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124 AettrrrrgSnachrichterr «ttd So r^sponderr^^. Deutschland. Berlin, 16. Jan. Im Anschlüsse an Ihren Bericht über den dahingeschiedenen Herrn Israel Keßler, kann ich Ihnen jetzt Einiges ans seinem Testamente, welches vor wenigen Tagen beim Gericht geöffnet wurde, näher mittheilen. Ich übergehe alle die einzelnen Vermächtnisse für seine Angehörigen und referiere nur von denjenigen größeren Zuwendungen, welche ein allgemeines Interesse haben. Da steht in erster ReiR unsere Gemeinde Adas Israel, welche 410,OM 9D.f. zur Herstellung einer großen Synagoge erhält. Auch sollen alle »m Testamente ausgesetzten Legate, deren Zinsen an bestimmte Personen und Stiftungen alljährlich gezahlt werden sollen, mit dem Ablauf des 41. Jahres nach dem Tode des Erblassers erlöschen und das dann vorhandene Kapital an die Gemeinde Adaß Israel fallen, zum Zwecke einer besonderen Stiftung. Ferner erhält die Gemeinde Adaß Israel ein in der Grenadierstraße belegencs Haus mit der besonderen Verpflichtung, den dor. neu eingerichteten Betsaal dem Verein der sogenannten Chassidim für dessen Gottesdienst unentgeltlich mictbsrei zu überlassen. Der Vorstand dieses Vereins ist aber verpflichtet, aus den ihm zuflicßcnden milden Gaben alljährlich wie bisher 300 Mk. an die Kollelim Warschau und Galizien zu Jerusalem zu senden. Auch soll der Vorstand des Vereins der Chassidim gehalten seil'., daraus zu achten, daß Jeder, der den Sabbat öffentlich entlveiht, aus diesem Vereine ausgeschlossen und als Mitglied nicht ausgenommen werde. Außerde:n erhält dieser Verein alle vom Testator hinterlassenen hebräischen und talmudischen Werke. Ferner sollen von den Zinsen alljährlich durch das deutsche Konsulat in Jerusalem 500 Mk. zur Unterstützung in Jerusalem ansässiger deutscher jüdischer Familien und 500 Mk. zur Unterstützung eines in Jerusalem befindlichen deutschen jüdischen Krankenhauses gezahlt werden. Auch sollen die Testamentsvollstrecker berechtigt sein, an die Kollelim Warschau und Galizien einen Tbeil der überbleibenden Zinsen an jüdische Gelehrte und an jüdische Wittwen und Waisen in Jerusalem zur Vertheilung zu bringen. Auch das Haus in Jerusalem, welches der Testator vor mehreren Jahren zum Andenken an seinen in heiliger Erde ruhenden Vater, erbauen ließ, soll stets von armen jüdischen Familien aus je zwei bis drei Jahre unentgeltlich bewohnt werden. So wird das Andenken dieses Mannes in allen Zeitcll zum Segen gereichen und wirklich jüdischen Zubn und Zwecken hier und in der heiligen Stadt förderlich bleiben, p-tt irr. Köln, 19. Jan. kJ üdische F i r m e n s ch i U d e r.) Mit dem ersten Januar ist eine neue Verfügung in Betreff der Firmenschilder in Kraft getreten. Danach ill der Inhaber eines offenen Geschäftes verpflichtet, auf scincm Schild nicht nur seinen Familiennamen, sondern auch seinen vollen Vornamen, und zwar in Lettern von vorgeschriebener Minimalhöhe, anzugeben; die Anfangsbuchstaben des Vornamens genügen nicht mehr, wie es bisher der Fall war. Diese Maßregel ist von antisemitischer Seite mit unverhohlener Genugthuung ausgenommen worden, und in der That dient sie auch dazu, einen schon wiederholt ausgesprochenen antisemitischen Herzenswunsch, tvenn auch auf Umwegen, zu verwirklichen. Wir sagen nicht, daß diese Verfügung sich etwa gegen die Juden richtet, wohl aber bezweifeln wir nicht, daß die jüdische Geschäftswelt doch gewisse schädigende Wirkungen davon verspüren wird. Man wird von jetzt ab auf allen Firmenschildern die vollen Vornamen sehen, und da runter eine ganze Reihe solcher, die spezifisch jüdisch sind oder doch zu in allergrößten Thcil von Juden geführt werden. Bei der gegenwärtigen antisemitischen Strömung wird das nicht ohne Folgen bleiben. Da ist meineiwegen der Laden eines gewissen „A. Meyer." Die Leute betrachten das Geschäft, ohne viel nach der Konfession des Inhabers zu fragen. Jetzt ivird mit einem Mal die Firma anders lauten: sie heißt nun „Abraham Meyer". Der Passant Ivird sich, sobald er den ominösen Vornamen liest, sagen, und zwar oft unwillkürlich sagen: „Aba, also ein Jude!" Es ivird ihm dann die famose antisemitische Devise einfallen: „Kauft nicht bei Juden!" und so Mancher wird Vorbeigehen, ohne den Laden zu betreten. Das Geschäft ist gerade so reell oder so unreell, wie es früher war, aber aus dem Herrn A. Meyer ist ein Abraham Meyer geworden und das in manchem Richtjuden Anlaß genug, feine Kundüm st einem Anderen zuzuwenden. Wären die Juden wirtlich, wie die Antisemiten es wollen, ausschließlich Besitzer von Groß-Bazaren, diese Maßregel könnte sie kalt lassen. Aber wir wissen ja, wie die Dinge liegen: die Juden gehören ja thatsächlich, wie kaum eine andere Bevölkerungsklasse, dem Mittelstände an. Die jüdischen Kaufleute haben mittlere oder kleine Betriebe, mit denen sie sich rechtschaffen abplacten müssen, und ihre jüdischen Vornomen können ihnen unter solchen Umständen ziemlich theuer zu stehen kommen. Wir wollen hoffen, daß die Juden trotz alledem an ihren Vornamen festhalten werden, an diesen Namen, die von dem edlen Rost der Jahrtausende verschönt werden, die wie ein thenres Erbstück von Generation zu Generation gehen . Wir wollen eingedenk sein des talmudischen Wortes: Dreier Dinge wegen sind die Juden aus A'egvpten erlöst worden, weil sie ihre Sprache, ihre Kleidung und ihre Namen nicht verändert hatten. (Anmerkung der Revaction des „Israelit." Wir ibeilen die Befürchtung des „Jsr. Gemeindebl.", dem die vorstehenden Ausführungen entnommen sind, nicht ganz. Wir erinnern nur an die jüngsten Vorgänge in England. Dort hat man versucht, die aus Deutschland eingesührten Waaren dadurch unmöglich zu machen, daß mau vorschrieb, alle aus diesem Lande eingeführten Erzeugnisse müßten mit der Aufschrift „Made in Ger-