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Der Israelit · 1900-01-18 · Heft 6 (18.1.1900) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 6 (18.1.1900)
Date
1900-01-18
Page
– (sequence 26)
Language
German
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10 auch gewährt, indem am 2. Juni 1617 ein Mandat nach Burg au und an die Herren von Neuburg, Kr um b ach, Thannhausen, Binswang und [Pfersee erging, worin dieselben aufgefordert werden, die Juden da, wo sie sich niedergelassen haben, bei ihren bisherigen Privilegien zu belassen und ihr Aufenthaltsrecht in keiner Weise anzutasten. Als dennoch die Widerwärtigkeiten kein Ende nahmen, baten die Juden, ihnen die gleichen Privilegien einzuräumen, wie sie jene in Frankfurt besassen. Diesen war 1612 durch Kaiser Mathias in einem besondern Privileg die Zusicherung gegeben worden, dass ohne kaiserliche Einwilligung kein Jude aus dem römischen Reich ausgeschafft werden dürfe, währen die Herren von Burgau und Umgehung das besonderejPrivileg besassen, nach Belieben Juden zu''halten und auszuschaffen. Das Gesuch der Burgauer Juden fand kräftige Unterstützung durch den Erzbischof vön Olmütz, der dasselbe beim Kaiser warm befürwortete, Am 27. August 1618 erfolgte ein Mandat, worin den Juden der kaiserliche Schutz in vollem Umfange zuerkannt wurde (Geiger das. 8. 175)7). Ein Rabbiner Josef Bacbaracli in der Markgrafschaft Burgau wird 1673genannt.8) Mannigfach waren die Abgaben, welche die Juden von Burg au zu entrichten hatten. Da gab es eine Schutz-, Jäger-, Gans-, Lebzelten- und Zollsteuer, sowie Todfallgelder; die Jägersteuer allein betrug a. 1772 schon 1000 Gulden und wurde später auf 2500 Gulden und anfangs 1780 auf 5000 Gulden erhöht. Ausserdem mussten die Juden an jedem andern Ort, in den sie ihren Fuss setzten, Steuern entrichten.9) Ara 28. Mai 1789 wurde von der österreichischen Regierung für die Juden in Galizien ein Patent in 64 Paragrafen entworfen, das am 18. Juni d. J. auch dem vorderösterreichischen Oberamt Burgau zur Begutachtung zuging. Die hierauf erteilte Antwort, welche der Geist edler Gesinnung durchweht, teilen wir unten vollständig mit10). Hiernach betrug damals die Anzahl der im Oberamt Burgau ansässigen Juden etwa 150 Familien, die sich auf die Orte Kriegshaber 7) Vgl. Monatsschrift 1895 8. 313, wo das Empfehlungsschreiben des Erzbischofs wörtlich mitgeteilt wird. *) Vgl. Verhandlungen des Vereins für Ulm und Oberschwaben, 1875, 8. 33. Der Name Bacharach war übrigens schon früher dort vertreten; eine Frau Brendlen Bacharach von B u r g a u starb 1596 in Frankfurt (Grabstein No. 2003). i 9) Wolf bringt in Mtsch. X, 225 einen solchen Steuerzettel. 10) Anhang I. (Hauptgemeinde), Butten wiesen und Hürb en verteilten; die übrigen Orte, wo „insässische“ Juden wohnten, waren I c h e n h a u s e n, P f e rsee, Binswangen und Fisch ach; im Ganzen waren es 400 Familien. Der Landesrabbiner, der in Pfersee seinen Sitz hatte, bezog ein Jahresgehalt von 300 Gulden. Die bedeutendste unter den jtidiscen Gemeinden in Schwaben war G ü n z b u r g 1 (), eine im bayrischen Regierungsbezirk Schwaben und Neuburg am Einfluss der Günz in die Donau gelegene Stadt, die längere Zeit Hauptstadt der Markgrafschaft Burgau war. Die dortige jüdische Gemeinde wird von Salomo Luria mit’ No. 11) als eine zwar kleine, aber hervorragende Gemeinde bezeichnet, in der viel Gutes geleistet werde. Schon in den nr,:'S”e rinn (am Ende von T,try nrrrtp 'Sn) wird ein R. Elieser von Günzburg erwähnt. Die halbe Judensteuer wurde im Jahre 1457 für 8500 Gulden verpfändet (Wiener, Regesten S. 248 No. 230). Ein junger Jude, namens Sysslen . aus Günz bürg, unterschreibt 1504 eine Urfehde in Fr ei bürg12). Das ist vermutlich derselbe Sissleiu, dem der Rat von Ulm am Anfang des 16. Jahrhunderts die Erlaubnis erteilte, in L e ip heim seinen Wohnsitz zu nehmen 13). Als Kenner der Astronomie wird R. Jecliiel von Günz bürg am Anfang des 16. Jahrhunderts häufig genannt ’4). Er starb um die Mitte dieses Jahrhunderts, auf einer Reise nach Jerusalem begriffen, in Safe d (Steinschneider, Hehr. Bibi XVITT, 17 u. 68). Der erste Rabbiner von Günz bürg wird von Israel Bruna (RGA No. 12) erwähnt und heisst, wenn die Lesung richtig ist, R. Eisik, Sohn des R. Eberlin von Günz bürg. In der Vorrede zum pip wird auf der Stammtafel des Verfassers R. Jona Weil als Rabbiner von Burg au und Schwaben mit dem Sitze in Giinzburg genannt15). (Fortsetzung folgt.) ") Der Name dieser ctadt und der nach ilir benannten Personen findet in der jüdischen Litteratur verschiedene Schreibweise; neben Giinzburg findet sich (f ünsburg, Ginsburg, Kinshurg, Gensburg und Gaunsburg, was auf die jü dische Schreibart znrückzufiihren ist. 12> Lewin, Juden in Freiburg, 8. 95. ,r) Vgl. Nübling, die Judengemeinden des Mittelalters, 8. 514. ") Vgl. Steinschneider, Cat. Hamburg No. 290;{ und 296; Cat. Levden 8. 379; Cat, München No. 3943; Neuhauer, Catalogue No. 1776 und 2263. n>) Vgl. Löwenstein, Beiträge, II 8. 4.

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