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Der Israelit · 1900-01-18 · Heft 6 (18.1.1900) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 6 (18.1.1900)
Date
1900-01-18
Page
– (sequence 25)
Language
German
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und Litteratur. Herausgegeben von Dr. Ii. ijtf wenateln. Erscheint alle Monat in der Stärke von mindestens einem Bogen — Alle für diese Beilage bestimmten Manuscriiitc und Anfragen sind an Herrn Bezirks-Ilabbiner Dr. Lowenstein, Mosbach (Baden) zu richten. - -- ITr. 2. — Beilage z-u. ILTx. S <ä.e© „Israelit. 44 Günzburg und die sehwäbisehen Gemeinden. Schwaben bildete ehemals ein deutsches Herzogtum, welches gegen Norden von Franken und der Pfalz, gegen Osten vom Lech, gegen Süden von der Schweiz und gegen Westen vom Schwarzwald begrenzt war Die Handelsbeziehungen, welche Schwaben mit den Nachbarstaaten in vielfache Berührung brachten, machen es erklärlich, dass zahlreiche jüdische Gemeinden sich bildeten, die zu einem derart in sich abgeschlossenen Ganzen in sich vereinigten, dass von einem „Minhag Schwaben“ in den mittelalterlichen Ritualwerken die Rede sein konnte1). So berichtet Maharil in RGA No. 35 von der nach Isack Düren's Ritualwerk für Schwaben erlaubten Butter, weil dieselbe auf den dortigen Bergen und bei dem bedeutenden Viehstand in grossen Massen zubereitet wird. -) Im Cod. 139 der Hamburger Stadtbibliothek wird ptw :n:e ne hinsichtlich der Bussgebete erwähnt. Von einem um die Mitte des 16. Jahrhunderts zwischen den Rabbinen Frankfurts und Schwabens ausgebrochenen Streit3) werden wir später näheres zu berichten haben. Die im schwäbischen Kreise amtierenden Rabbiner bezeichnen sich meistens als pHW rwnos s-. Zu Schwaben gehört zunächst die Markgrafschaft Burg au, wo die Juden schon 1275 von Kaiser Rudolf v. Habsburg Privilegien erhielten4). Durch dieselben wird bestimmt, dass die dorti- 1) Vgl. Zunz, Ritus. S. 120. l :u;. i:lS. Vgl. das. S. 71. :!) Vgl. Horovitz, Frankfurter Rabbiner, I, 2*1 ff. 4) Liinig, Reichsarchiv, XII, 102. gen Juden jährlich 130 Mark zu zahlen haben und von sonstigen Abgaben befreit sind (Geiger, Ztsch. 1889 8. 172). Nach der Chronik des Truchsess Heinrich von Diessenhofen und dem Nürnberger Memorbuch fand dort im November 1348 eine Judenverfolgung statt5 6). 1534 bestätigt Ferdinand I. die Privilegien der dortigen Juden und bestimmt auf Beschwerde der Gerichte in Burg au, dass von nun an die Juden nicht mehr beim schwäbischen Landgerichte, sondern in der Markgafschaft selbst ihr Recht suchen sollen (Geiger a. a. 0.). 1539 wurden die Juden Lazarus von Burg au und Simon von Schwab ach mit ihrer Gesellschaft auf acht Jahre in Esslingen aufgenommen. Im Jahre 1559 bitten die Juden von Burgau den Kaiser um die Erlaubnis, Jakob von Worms6) als ihren Rabbiner anzustellen, da sie hoffen, dass hierdurch die Streitigkeiten der Juden unter sich und mit den Christen beendigt werden (Geiger das. 8. 161). In die gleiche Zeit fällt die Anlage eines Friedhofs in Burg au durch Simon Günzburg (s. unten). Dass auch dieser Friedhof nicht unbelästigt blieb, zeigt die im Jahre 1618 an den Kaiser gerichtete Bitte der Juden, in dem ihnen .zu gewährenden Privileg hervorzuheben, dass auch die Begräbnisse „unzerstört lind immolestirt“ bleiben. Der Bau einer Synagoge in Burg au wurde durch die Söhne des Simon Günzburg (s. unten) bewerkstelligt. 1570 wurden die Rechte der dortigen Juden wieder geschmälert und man belegte sie mit neuen Auflagen und Beschwerden. Mit der Zeit bedrohte man sie sogar mit gänzlicher Ausschaffung und Vertreibung, so dass sie wiederholt um kaiserlichen Schutz nachsuchen mussten. Dieser wurde, ihnen 5) Vgl. Salfeld, Marrvrologinin, S. 251, »>) Siehe oben 8. 5.

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