Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 6 (18.1.1900)
- Date
- 1900-01-18
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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114 fürchtung. Darauf richtete der Vorstand am 8. Juni eine Eingabe an den Herrn Cultusminister, „der Herr- Minister wolle die Priifungscommifstonen der jüdischen Lebrerseminarien ermächtigen, ihren Zöglingen nach ordnungsmäßigem Besucbe dieser Seminarien und nach bestandener Seminar - Entlassungsprüfung Zeugnisse für die wissenschaftliche Befähigung zum einjährig-freiwilligen Dienst auszustellen." Da auf die eingehend begründete Petition am 6. Juli seitens des Herrn Cultns-Ministers eine abschlägige Antwort erfolgte, richtete der Verbau'-svorstand am 11. September eine weitere Petitirn an Herrn Reichskanzler; leider erfolgte auch auf diese Bittschrift am 6. Dezember ein ablehnender Bescheid. Der Vorstand ist entschlossen, kein gesetzliches Mittel unversucht zu lassen, den jüdischen Lehrern zu ihrem Rechte zu verhelfen; über die Mittel und Wege, die nunmehr zu beschreiten sind, wird der Verbandsvorstand in seiner diesjährigen Sitzung in Berathung treten. Eine besondere Aufmerksamkeit wandte der Vorstand der Entwickelung der Pensions-, Wittwen- und Waisenkasse des Verbandes zu. Die Satzungen derselben haben am 7. März die Genehmigung der Herren Minister des Innern u. der geistlichen Angelegenheiten erhalten; am 9. Oktober erfolgte die landesherrliche Erlar.'bniß zur Annahme der uns gewordenen Zuwendungen. Inzwischen hat sich das Euratorium der Kasse konstituirt und in mehreren Sitzungen über die von vielen Seiten gewiinschte Herabsetzung der Mitgliederbciträge berathen. Rach eingehender Vorprüfung durch eine Commission (Dr. Adler, Hanfs und Steinhardt) wurde in der Sitzung des Kuratoriums am 24. Dezember beschlossen, an der vrozentualen Besteuerung der Mitglieder festzuhalten: die in Paragraph 7 derSatzungen festgesetzten Beträge jedoch auf die Hälfte herabzusetzen. Ferner wurde ein Antrag des Lehrervereins „Mendelssohn-Hamburg" zu Paragraph 2 der Satzl'ngen, nach welchem fortan alle Mitglieder der dem Verbände angehörenden Einzelvereine der Kasse beizutretcn berechtigt sind, angenommen: das .Kuratorium erklärte sich aber nicht für kompetent, noch weitergehende Anträge des Kollegen Peritz-Königsberg, deren Durchführung eine gänzliche Umgestaltung der Ziele der Kasse . zur Folge haben würde, in Berathung zu ziehen und überwies diele Anträge dem Verbandsvorstande mit der Maßgabe, zunächst sie den Einzelvereinen zur Berathung zu übergeben. Die Eröffnung der Kasse soll erfolgen. sobald die erwähnten Aenderungen der Satz ungeil die Genehmigung der staatlichen Aufsichtsbe borde erhalten haben iverden. In vollster Harmonie hat der Vorstand auch im verflossenen Jahre Hand in Hand mit der Leitung des deutsch-israelitischen Gemeinedbundes die gemeinsamen Ausgaben erledigt: mit herzlichem Danke erkennt der Vorstand an dieser Stelle an, daß der Ausschuß des Gemeindebundes unseren berechtigten Wünschen und Bestrebungen jederzeit gern entgegengekominen ist und auch in materieller Beziehung den Verband kräftig unter stützt bat. Der Gemeindebund hat unter anderm die Verwaltung der Pensionskasse übernommen und den nach Paragraph 12 der Verbandssatzungen zu leistenden Beitrag von 1690 Mk., aus tvelchem die Verwaliungskosten und Subventionen des Verbandes bestritten werden, auf 1600 Mk. erhöht, auch das Defizit des Verbandstages im Betrage von 180 Mk. gedeckt. Ein arbeitsreiches Jabr, an mancherlei Erfolgen reich, zu weiteren Erfolgen Aussicht bietend, liegt hinter uns! Roch sind bei weitem nicht alle Hoffnungen und Wünsche der jüdischen Lehrer erfüllt: sie werden erfüllt tverden, wenn alle jüdischen Lehrer sich bestreben, jeder in seiner Weise in seinem Kreise mit tbätig zu sein, lückznschafsen und mitzuwirten! Der V o r st a n d des Verbandes der j ü d. Lehrervereine i m d e u t s ch e n Reiche. Zeitungsnachrichten und Correspondenren. Deutschland. Köln. Die „Köln. Volksztg." bringt eine interessante Besprechung der Denkschrift, welche Ohm Kriiger, der Präsident von Transvaal, seinem Volks - rad eingereicht hatte, um die von ihm beantragte Emancipation der Juden und Katholiken zu rechtfertigen. Der Passus von den Juden lautet wie folgt: „Der Grundsatz, ivegen ronfessioneller Unterschiede Jemand vom Genüsse der Bürgerrechte auszuschließen, ist durch die Geschichte der letzten Jahrhunderte ein Gegenstand der ernsten Ueberlegung geworden. Bezüglich der Juden muß ein christliches Volk sich die Frage vorlegen: Kann ein christliches Volk, kann eine christliche Regierung aus dein gesellschaftlichen Gebiete Beschränkungen aufrecht erhalten, welche die Juden inmitten der Völker der Welt in ihrer Entwickelung hemmen und burcn ste in eine gedrückte Lage gebracht und gleich zeitig von der Wahrheit des Christenthums ferngehalten iverden? Hierauf antworten lvir freimüthig: Rein! auf Grund von Gottes Wort." Ohm Paul gibt dann zu verstehen, daß die kalvi niftische Einseitigkeit, die man bisher gezeigt, geistige Ueberhebung sei. und führt eine Stelle aus dem Römer vriefe dagegen an. „Diese Ueberhebung auf geistlichem Gebiete wird übertragen auf das politische Gebiet, inso hm nur wegen der uns doch nur aus Erbarmen geschenkten Erleuchtung die Juden als die Geringeren zu rückdrängen und von den bürgerlichen Rechten aus schließen. Durch diese Geringschätzung wird stets bei ihnen der Haß gegen das Ebristenthum genährt. Da gegen liefert die Geschichte der letzten Jahrhunderte den Beweis, daß in den verschiedenen Ländern, >vo die In den das Bürgerrecht erhalten haben, das Christenthum viel mehr Eingang bei ihnen gesunden hat und statistisck'