Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 6 (18.1.1900)
- Date
- 1900-01-18
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449056--49908-2500360- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
tarn nachgewiesen luerbeii, das; dort die meisten Bekehrungen von Inden erfolgen." Diese Sprache von Krüger charaeterisirt den 9JJaim vorzüglich. Neuwied, 15. Jan. Zn der Zeitungsnotiz, die sich I,!'.t der Wohnungsnoth des nenernannten Amtsrichters Levisohn in Dillendnrg beschäftigt, muß für die Inden folgendes ergänzend initgetheilt werden: Der jetzige kkln'.tsrichter >var jahrelang als Assessor am hiesigen Landgerichte beschäftigt. Aber wenn nicht seine Gesichtszüae rind sein Name es verrathen batten, dann hätte ihn Niemand fiir einen Inden halten tonnen. Denn er hat sich mit einer selbst den Christen in unserer kleinen Stadt höchst auffälligen Absicht vvti der jüdischen Gemeinde fern gehalten. Dabei verdient bemerkt zu werden, daß die hiesige Svnagogen-Gemeinde bei allen Bürgern in hohem Ansehen steht. Ein Borstandsmitglied ill Stadtverordneter, andere Juden bekleiden bevorzugte Ehrenämter: wir haben zivei sehr gesuchte jüdische Aerzte am Platze u. s. w. Herr Levisohn hat, wie das „Jsr. Gemeindebl." meldet, nie einen Fuß in unser Gotteshaus gesetzt, nie bei freudigen oder traurigen Anlässen sich sehen lassen, nie an jiidischer Wohlthätigkeit sich betheiligt u. s. w.. Sein Söhnchen hat er nicht in den Bund Abrahams aufnebmen lassen, obgleich er eindringlich daran mündlich erinnert wurde. Er hat die Juden förmlich gemieden. Nun ist er nach Dillenburg versetzt. Und lvenn mir auch als Juden und Menschen es beklagen, daß ihn dort solche Widerwärtigkeiten treffen, vielleicht gereicht es ihm zum Heile, daß jetzt antisemitische Bosheit ihn an das erinnert, was er hier vergessen wollte: daß er ein Jude ist, d. h. ein Angehöriger des Volkes, aus dessen Schriften die Menschheit ihre Religion und Cnltur geschöpft hat und fortwährend schöpft' Oesterr.- Ungar. Monarchie. tt,»gariscli-.Hradisch, 14. Jan. Die H olleschauer E x c e s s e.) Das Verhör des angeklagten Polizei-Eommissärs der Judengemeinde, Bernhard Ehrlich, nahm nur kurze Zeit in Anspruch. Derselbe stellte entschieden in Abrede, einen Schuß abgefeuert zu haben. Er habe auch keinen Schuß abfeuern gehört, weil er sich zur erwähnten Zeit im rückwärtigen Theile seiner Wohnung befand. Der Aufenthalt in den vorderen Zimmern sei wegen des Steinbombardements ganz unthunlich gewesen. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt der Angeklagte, er sei nie im Besitze einer Schußtvaffe gelveien und könne mit einer solchen auch nicht umgehen. Im weiteren Verlause des Verhörs kam es zu einer scharren Eontroverse zwischen dem Vertheidiger Dr. Fialla und dem Staatsanwalte, weil Ersterer die Bemerkung machte, es sei während der Untersuchung vom Holleschauer Gerichte gegen den Angeklagten mit einer gewissen Animosität vorgegangen worden. Das Zeugenverhör wurde mit der Vernehmung der Beschädigten, der 16jährigen Julie Hradil, eröffnet, welche angibt, daß sie ungefähr dreißig Schritte vom Hause des Angeklagten das Ausblitzen eines Schusses im ersten Stocke sab: sie fühlte, daß sie am Knöchel verwundet lvorden sei. Eine Person habe sie am Fenster nicht wahrgenommen. Die Zeugin gibt an, sie sei einen Monat lang bettlägerig gewesen und beansprucht einen Schadenersatz von 1000 Gulden. Der Zeuge Joseph Gaba sagt aus, daß sich zur kritischen Zeit in der Nähe des Ehrlich'schen Hauses viele Personen befanden. Zwei Schritte von ihm stand die Hradil. In deeidirter Weise gibt er an, daß er einen Schuß i,n Fenster aufblitzen gesehen und daß Ehrlich am Fenster gestanden sei und geschossen habe. Vertb.: Warum haben Sie nicht sofort, als der Aufschrei der Hradil vernahmen, irgend Jemanden verständigt? Zeuge: Ich behielt es bei mir. Der nächste Zeuge, ein elfjähriger Schulknabe, sah gleichfalls das Aufblitzen eines Schusses im Fenster der Wohnung Ehrlichs. Der Arzt, Dr. Hudeezek, welcher die verwundete Hradil behandelte, gibt sein Gutachten dahin ab, daß die Wunde von einem Schüsse herrühre, der keinesfalle aus einem Gendarmerie-Gewehr abgefeuert worden sei. Der Schuß sei in verticaler Richtung abgefeuert worden. Die Gattin des Angeklagten, Leopoldine Ehrlich, schildert in sehr lebendiger Weise die Vorgänge, welche sich vor sechs Uhr abgespielt haben. Sie befand sich allein in der Wohnung und schickte, geängstigt durch die Lärmscenen und Steinwürfe, um ihren Mann, welcher gegen Uhr eintraf. Nachdem das Steinbombardement fortdauerte, hätten sie die werthvolleren Mobilien in Sicherheit zu bringen gesucht, bei einzelnen Fenstern die Jalousien herabgelassen. Vorsitz.: Sie wichen während der ganzen Zeit nicht von der Seite Ihres Mannes? Zeugin: Nicht einen Moment! Ich befand mich in der größten Aufregung. Dieser Tag ist der schrecklichste meines Lebens . Wir flüchteten uns vor den Steinwürsen, denn die Steine wurden mit großer Gewalt geschleudert. Vorsitz.: Also Ihr Mann hat keinen Schuß abgefeuert? Zeugin: Um Gottes Himmels Willen! Nein! In unserm Hause war nie eine Waffe. Das Dienstmädchen des Angeklagten bestätigt, daß sie im Hause ihres Dienstgebers nie eine Schußwaffe gesehen habe. Der Zeuge Stein, dessen Wohnung sich unterhalb jener des Angeklagten befindet, war zur kritischen Zeit in der Umgebung Ehrlichs. Er hatte sich mit seiner Frau in das erste Stockwerk geflüchtet und vor dem Steinboinbardement gemeinsam mit den Eheleuten Ehrlich in der Waschküche verborgen. Er und seine Frau sagen übereinstimmend aus, daß der Angeklagte nicht geschossen habe und auch nicht im Besitze einer Schußwaffe gewesen sei. Die sodann einvernommenen Gerichtsärzte deponiren, daß mit größter Wahrscheinlichkeit die Verletz-