Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 6 (18.1.1900)
- Date
- 1900-01-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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l-l - > —MWPM^-M^M-WWWWWW mm 106 schenk für jüdische Familien." Nachdem Herr Dr. Ko- Hut im Monat Dezember in mehreren „Vereinen für jüdische Geschichte und Litteratur" in Unterfranken, deren Leitung ausschließlich in orthodoxen Händen liegt, Vorträge gehalten hat, sah sich der Einsender die seS, der ebenfalls zur Vorstandschaft eines solchen Vereins gehört, veranlaßt, Herrn Dr. Kohut dieserhalb schriftlich zu interepelliren und erhielt hierauf zu meiner Freude die Mittheilung, daß fragliches Circular von Dr. Kohut weder verfaßt, noch inspirirt war, daß derselbe von deniselben ebenso iiberrascht >var, >vie viele Ändere. Das Rundschreiben ging vielmehr von der Verlagsbuchhandlung des Werkes aus, welche, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, ausschließlich in wristlichen Händen liegt. Aus Vorhalten des Herrn Dr. Kohut entschuldigte sich die Verlagsbuchhandlung bei demselben. Im Interesse der Wahrheit, welche ja der „Israelit" stets verfolgt, bitte ich um gefällige Auf nähme dieser Berichtigung. (Auch an uns hat die Äerlagsgesellschaft ein Eni schuldigungsschreiben gerichtet, mit dem Bemerken, daß sie die „Geschichte der deutschen Juden" nur noch zu jiid. Festtagen empfehlen werde. Red. d. „Jsr.") Oesterr.-Ungar Monarchie. Wien, 16. Jan. Ein Hilfswerk in des Wortes eminentester Bedeutung ist am Sonntag, den 13. Jan., in Wien begründet worden. Unter dem Titel „Hilfsverein für die nothleidende jüdische Bevölkerung Galiziens" haben die österreichischen Humanitätsvereine Bne Brish eine Institution ins Leben gerufen, welche für unsere unglücklichen galizischen Brüder den Anbruch einer glücklicheren Zeit erhoffen läßt. Etwa hundert Delegierte hatten sich in Wien eingefunden, unter ihnen auch ein Vertreter der deutschen Bne Brish Logen und mil hoher Begeisterung ist nun der erste Schritt gethan, der, wills Gott, in absehbarer Zeit den Juden Galiziens Rettung und Hilfe bringt. Da nach dem österreichischen Gesetz Organisationen über den eigenen Staat nicht hinausgehen dürfen, so wurden die Statuten des Vereins nur in diesem Sinne festgesetzt; es ist jedoch beschlossen, daß in allen Culturstaaten gleiche Organisationen ins Leben gerufen werden sollen und in erster Reihe würden die deutschen Bne Brish Logen ihre Thätlgteit für die Ausbreitung der Organisation einsetzen; wie es des öfteren von dem Berliner Delegierten in Wien ausgesprochen wurde. Möge Gottes Segen auf dem Werke der Menschenliebe und Barmherzigkeit ruhen und möge ein schneller Erfolg ihm nicht versagt bleiben. Der Schluß des Paragraphen 2 der Statuten lautet: Zweck des Vereins ist: J) Schaffung von Arbeit und Erwerb für die jüdische Bevölkerung in Galizien, Errichtung von Hausindustrien und Centralverkaufsstellen für gewerbliche und landwirthschastliche Erzeugnisse, event. Subventionierung von neu zu gründenden Jndustrieunternehnnlngen. L. Errichtung von Gewerbeschulen, Creirung von Stipendien für Handwerkslehrlinge und Veranstaltung von Vorträgen durch Wanderlehrer. 3) Beschaffung eines billigen und leichten Credites für das Gewerbe, fiie das Handlverk, für den Ackerbau und Handel durch Errichtung von Vorschußkassen. 4; Ankauf und Zuweisung von Grundbesitz in ein zcn'.en Ortschaften Galiziens an jüdische Familien i>nd Verwaltung desselben zur rationellen Bearbeitung des Bodens. -">> Gründung von Lehrerseininarien. 0) Gründung von Zeitschriften, Herausgabe vo» Burbern und Schriften, ivelche die durch diesen Verein auzustrebenoen Zwecke der großen Menge der jüdischen Bevölkerung in Galizien erklären und sympathisch ma riur. Ausführlicher Bericht in nächster Nummer. Brünn. (E i n S t ii ck Z e i t g e s ch i ch t e.) Wie nicht nur in Frankreich, sondern auch bei uns in Oester reich dem Antisemitismus infolge einer besonderen Ironie des Schicksals gerade durch jüdisches Geld auf die fckuvankenden Beine geholfen >vird, davon, schreibt das „Jiid. Volksbl.," kann ein Vorfall Zeugnis; ab legen, der sich vor nicht allzu langer Zeit aus dem ehe mals dem Baron Hirsch gehörigen, nunmehr in den Be sitz seines Adoptivsohnes übergegangenen Herrschafts gute Eichhorn-Bitifchka bei Brünn abgespielt hat: ES ist gerade Jagdzeit und der neugebackene Schloßherr ist darauf bedacht, mit Hilfe einer auserlesenen Jagdgesellschaft einen Theil der ihm so unverhofft in den Schoß gefallenen Millionen auf die beste und angenehniste Art durch,zubringen. Diese guie Stimmung will von einem in Äriinn seßhaften, waschechlen Arier ausgeniitzt wer den. Er als Vater mehrerer Kinder möchte einem seiner Sprößlinge das von der nunmehr verstorbenen Baronin Hirsch für leidende Kinder zu einem Aufenthalte im Süden bestimmte Venefieium, wie in früheren Jahren, so auch heuer erwirken. Wie erstaunt ist er aber, von dem Secretär des neuen Schloßherrn zu vernehmen, daß für ihn, als Inden, ivenig Aussicht vorhanden tväre, das Gewünschte zu erlangen. Umsonst versucht er es, eine solch schmachvolle Anschuldigung mit dem Tone gerechtester Entrüstung, der ihm zur Verfügung steht, zuriickzuweiesn, er vermag nun einmal die vorgefaßte Meinung des mißtrauisch gewordenen Se eretärS, den die schwarzen Haare, wie die etwas jüdisch anstehende Nase deS Bittstellers immer mehr darin bestärken, einen Juden vor sich zu haben, nicht umzu stoßen. Da, im letzten Augenblick, erinnert er sich zu seinem Gliicke, einen Taufschein seines Kindes zu sich gesteckt zu haben. Diesen zieht er nun aus der Rocktafche, und siehe da! Das Argument wirkt Wunder u. er darf in dem gehobenem Bewußtsein das Schloß verlassen, daß ihm nicht nur seine Ehrenrettung gelungen sei. sondern daß er auch die Gesundheit seines Sprösslings, tveniger dem Judengelde, als vielmehr seinem Arierthum werde zu verdanken haben.