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Der Israelit · 1900-01-18 · Heft 6 (18.1.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 6 (18.1.1900)
Date
1900-01-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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100 Bandes mit der Gesammtheit, nur zu denken gewagt hätre." Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. (Unterschrift.) (Fortsetzung folgt.) AeitrrngS«achrichteir und Korrespondenzen. Deutschland. Hannover, 14. Jan. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem eine Anzahl Knaben, nachdem dieselben ihre Schulbildung u. Lehrzeit vollendet haben, nächsten Ostern entläßt. Es ist in Folge dessen wieder Raum für die Aufnahme neuer Schüler und Lehrlinge vorhanden, und geben wir Eltern und Vormündern, welche Knaben in der Anstalt unterbringen wollen, anheim, sich baldmöglichst mit derselben ins Einvernehmen zu setzen. Voransetzung der Aufnahme ist eine normale, geistige und körperliche Veranlagung und ein Lebensalter von mindestens sieben Jahren. Neben der eigentlichen Berufsbildung der Gärtnerei, bietet die Anstalt durch die mit derselben verbundene Schule den Zöglingen den Unterricht einer ordentlichen Volksschule, wodurch nicht nur denjenigen Knaben, welche sich in der Gärtnerei ausbilden wollen, sondern auch denjenigen Kindern, welche sich zu anderen Berufarten entschließen, Gelegenheit gegeben wird, sich die nöthigen Kenntnisse zu erwerben. Ncustettin, 17. Jan. Zum Rabbiner der Synagogengemeinde hier ist einstimmig Dr. M. Worms gewählt worden. Dr. Worms ist seit einer Reihe von Jahren Lehrer an der zweiten Religionsschule sowie an den hohen Festtagen Hilfsprediger bei der jüd. Gemeinde Berlin gewesen. Auch leitet er seit Beginn dieses Semesters innerhalb des „Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur" den Fortbildungskursus in jüdischer Geschichte und hat sich durch seine Thätigkeit in Berlin viele Sympathien erworben. Loslau, 14. Jan. Ein hundertjähriger Greis wurde heute auf dem hiesigen jüdischen Friedhofe zu Grabe getragen, der frühere Gastwirth Marc. Wolfs aus Rydultau, einem etwa eine Meile von hier entfernten Dorfe. Als Sohn eines „Rendars" im Jahre 1800 auf dem Lande bei Loslau geboren, verlebte er 60 Jahre seines Lebens, ohne jemals krank zu sein, allgemein beliebt als braver Mensch u. Jehudi, im Dorfe Rydultau, wohin als einziger religiöser Gast seit Jahrzehnten der „Israelit" in seiner Familie einkehrte. Und 60 Jahre lang fuhr er vor den Festtagen mit seiner Familie nach Loslau. um hier das Gotteshaus zu besuchen, und kehrte nach dem Feste auf sein Besitzthum zurück. Roch zu 99 Jahren konnte er das Fasten am Jomkippur beenden. Er hinterläßt 8 Kinder, 23 Enkel, 55 Urenkel und 2 Ururenkel. Die Beerdigung fand unter großer Betheiligung statt. Rabbiner Dr. B l u m e n t h a l aus Ratibor hielt die Trauerrede in Anknüpfung an das Wort: „Mein Sing und mein Saitenspiel ist der Ewige, und er ward mir zur Hilfe." Aus Bayern (Rabb. Kissingen). Als wir vor einigen Monaten weinend das Grab unseres unvergeßlichen Rabbiners Bambergers umstanden, bemerkte einer der Herren Redner sehr treffend, indem er das Wirken dieses großen Mannes rn als Rabbiner seiner Gemeinden schuld« rte, daß es schwer, sehr schwer tverden wird, Erstuz zu finden und daß die größte Anerkennung für diesen Frommen wohl seitens der nun verlassenen Gemeinden darin liegen dürfte, einen ivürdigen Nachfolger zu finden. Wie nothwendig ein geeigneter Nachfolger ist, weiß nur derjenige, dem es um die Hochhaltung der jüdischen Principien in Gemeinde und Haus ernst ist. Es ist Rßhalb sehr bedauerlich, daß, obzwar das kgl. Bezirksamt die Stelle längst ausgeschrieben hat und die Bewerbungen eingelausen sind, keine Schritte zur An setzung eines Wahltermins geschehen sind. Man scheint behördlicherseits die Wichtigkeit der Neubesetzung, die ja auch von großem Interesse für die Schule ist, zu unterschätzen. Wie wir hören, sind ziemlich viele Bewerber austieireten, unter Anderen auch der Schwiegersohn des Verstorbenen, Herr Rabbiner S. Bamberger, z. Z. in Sihrimm, dem allgemein der Name eines gewiegten Ge lehrten vorausgeht und der sich bei Gelegenheit seines Hesped in der Synagoge in Kissingen, durch seinen tiefdurchdachten, inhaltreichen Vortrag große Sympathien errungen hat. Derselbe hat sich durch Herausgabe verstb'edcner sehr brauchbarer Wertchen in der jüdischen Welt schon einen Namen errungen und dürfte nach der allgemeinen Stimmung wohl die größten Ehancen haben. Gebe der Allgütige, daß es uns gelinge, bald wieder den richtigen Mann wirken zu sehen. Oester r.-Ungar. Monarchie. Prag, 9. Jan. (I ü d i s ch e V o l k s v e r s a in m! u n g.) Unter großer Betheiligung fand gestern Abend im großen Saale der Productenbörse die angekündigte jüdische Volksversammlung statt. Aus allen Gesellschaftskreisen und aus beiden nationalen u. politischen Lagern und auch von verschiedensten Theilen des Landes hatten sich Juden znsammengefunden, um ihre Stimme gegen die im Landtage vorgekommene Beleidigung des JudenthumS zu erheben. Unter den An wesenden bemerkte man den Landtagsabgeordneten Hrn. Dr. Zalud, Dr. Neumart, Rabbiner in Rakonitz, mehrere hiesige Advokaten, Aerzte, zahlreiche Universitäishörer, Kaufleute u. s. w. Als landesfürstlicher Eommissär war Herr Polizeiconcipist Hermuth erschienen. Unter dem Vorsitze der Herren Leben hart und Stein wurde die von inehreren Hunderten von Herren und Damen besuchte Versammlung präcise rrm 8 Uhr eröffnet. Als erster Redner ergriff Herr Handelsschullehrer Jacob W e r t h e i in e r das Wort. Er sagte unter

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