Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 5 (15.1.1900)
- Date
- 1900-01-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449055--49875-2500326- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
S1 ftßl: freudig überrascht war. Ein Haus ersten Ranges, mit allem Comfort der.Neuzeit ausgestattet, und dabei auch ein .Kascbrus ersten Ranges, habe ich in dieser harmonischen Vereinigung aus meinen vielen Reisen noch nicht zum zweiten Male angetrofsen. Es hier eben anzutreffen, iiberstieg meine kühnsten Erwartungen. Mögen die Hoffnungen und Wünsche, welche die Vekennner des gesetzestreuen Judenthums an diese Heilstätte kniipfen dürfen, sich in schönster Weise verwirklichen! Möge sie recht vielen Leidenden Genesung und Freunden der Natur den Genuß bringen, den sie mir in so hohem Maße bereitet hat! Möge sie recht Viele veranlaßen, durch eigene Anschauung sich selber einmal von dem Naturwunder zu überzeugen, das die Davoser Winterfrische in ganz hervorragender Weise bedeutet! Bei dieser Anregung denke ich nicht so sehr an meine Eoncurrenten in der Manusacturwaaren-Branche, als an alle Diejenigen, welchen von ihrem Arzte, zu welcher Jahreszeit auch immer, der Besuch eines Luftkurortes vorgeschrieben wird. Für die Brust- und Lungenleidenden war die ärztliche Verweisung an eine solche Heilstätte bis jetzt vielfach mit der Nothwendigkeit verbunden Tresah zu essen. Wie dieser Zwang verstimmend auf Geist und Gemüth eines gewissenhaften Jehudi wirken unb die Heilung durch diese deprimirende Stimmung beeinträchtigten muß, braucht nicht erst gesagt zu werden. Ich schließe deßhalb diese Betrachtung mit dem Rathe eines mir vorliegenden heiteren Büchleins, das mit den Worten beginnt: Wenn du die Phthisis hast, mein Sohn, Tuberkeln in der Lunge schon, Dazu Kavernen, klein und groß. Dann reise schleunigst nach Davos: Nur dort ist Heilung dir gewiß, Wo anders nirgend. Merk dir dies! Zeitungsnachrichten unv Korrespondenzen. Deutschland. Wiesbaden, 8. Jan. Die hiesige Nassauloge kann fid, rühmen, wieder einen vortrefflichen Redner gewonnen zu haben. Ausgestattet mit einer klangvollen, angenehmen Stimme, verstand es Herr Dr. med. K o r n - b l u m am vergangenen Sonntag Abend, die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste der „Nafsauloge" durch einen interessanten, Herz und Geist fesselnden Vortrag zu unterhalten. Redner behandelte das Thein o. „Die Blutlüge" so eingehend, ja geradezu meisterhaft, daß selbst das Interesse res Laien, welcher sich bis dahin wenig um diese antisemitischen Verleumdungen gekümmert, dadurey erweckt und angefeuert wurde, zu Gunsten unserer heiligen Religion zu eisern, den Antisemiten zu beweisen, daß Thora und Talmud sich nicht widersprochen, sondern daß sie, und alle unsere anderen Gesetzbücher, die uns sogar das Genießen des Thierblutes auf das Strengste verbieten, uns'gewiß i>en Genuß von Menschenblut nicht gestatten, oder gar vorschreiben, daß die göttlichen Gesetze uns nichts als die Wahrheit bieten, in derselben übereinstimmen und dieselbe von uns fordern, also gerade das Gegentheil von dem, ivas diese neuerdings leider wieder so zahlreich auftretenden Judenhetzer mit ihren von wahnwitzigen Köpfen erfundenen Ritualmärchen behaupten. Jedoch nicht nur Laien, noch mehr diese „Modernen", welche die Fahne ihrer angestammten Religion verlassen, um den Andersgläubigen ja nicht nachstehen zu miiffen, hätten gut daran gethan, dem Vortrag zu lauschen,, sie hätten die Wahrheit der Ausführung anerkannt. Ich schließe mit dem Wunsche, dem sich gewiß alle Gäste ansckließen, daß uns der Genuß, besagten Redner bald wieder zu hören, zu Theil wird. K. K. Marburg. Nach kurzem und schwerem Leiden verschied dieser Tage ein allgemein beliebter und angesehener Mann der hiesigen Gemeinde. Der Verstorbene, Herr Hermann Oppenheim, Mitglied des israelit. Armenunterstützungsvereins und der Chewrah, war stets dabei, wo es galt, Armen zu helfen und dieselben durch Rath und That aufzurichten. Keiner ging je unbefriedigt von seiner Thür. Wie sein ganzes Thun und Lassen, war auch sein Character. Nämlich einfach und dabei von seltener Herzensgute. Bei dem 'sehr großen Leichenbegängnis an dem sich Juden wie Christen betheiligten, sprach unser verehrter Herr Rabbiner Dr. Munk die schönen Worte aus: Sein Leben bestand in Arbeit und Gottesdienst, Gottesdienst im wahren Sinne des Wortes, nach innen und nach außen. Ter leider uns so früh Entrissene erreichte das kurze Alter von nur 44 Jahren und hinterläßt eine junge Wittwe mit zwei unmündigen Kindern. Der Allgütige möge ihnen ein Trost sein. Ans Westfalen n. ftihcinland. In H ö r d e in Wests, ist eine große neue Synagoge eingeweiht worden, wobei Dr. Frank aus Köln die Festrede hielt. Die dcrtigen Israeliten wurden bei dieser Gelegenheit von der: Behörden und der nichtjüdischen Bevölkerung sehr geehrt. — Die Orgelsynagoge in Dortmund soll zum Schwuorhfeste eingeweiht werden. Dieselbe hat über ciiu halbe Million Mark gekostet. — Vis wann wird man in Dortmund einmal rituell zu Mittag speisen können? Das seit vielen Jahren in Elberfeld bestehende jüd. Gasthaus „Hotel Falk" ist mit Beginn dieses Jahres tu nicht jüdische Hände übergegangen und wird nicht mehr als Koscherhotel geführt. Da vielen Glaubensgenossen dies nicht bekannt und schon mancher Jrrthum hierdurch vorgekommen sein soll, so halte ich es für meine Pflicht, öffentlich darauf aufmerksam zu machen. Gleichzeitig dürfte es nicht überflüssig sein, darauf aufmerksam zu machen, daß nunmehr einem tüchtigen