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Der Israelit · 1900-01-15 · Heft 5 (15.1.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 5 (15.1.1900)
Date
1900-01-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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86 bic Ruhe aufrechtzucrhatten und ernste Ausschreitungen zu hindern. Die Kaufleute waren übrigens vorsichtig genug, ihre Läden zu schließen. Run tam glücklicherweise die Aufklärung. Um 2 Uhr Nachmittags wurde bei der polizeilichen Absuchung im Metiauarme unterhalb des Brauhauses die Leiche der Eervinta gefunden. Hunderte geleiteten den Transport derselben ins Kran kcnbans. Dort wurde sofort die Obduetion vorgenom men. Sie dauerte von 4 Uhr Aachmittags bis 8 Uhr Abends. DasRefulteu ist oben bereits erwähnt: Keine Verletzung, keinerlei Wunde! Es ist vollkommen erwiesen, daß ein Selbstinord vorliegt. Nachod ist so ziemlich ruhig, die hiesigen Juden arhmen befreit auf. Man darf doch hoffen, baß jene angenehmen Anzeichen, die man dieser Tage an der Einzäunung der Fabrik S. Doctor in Nachod plaeirt fand, in denen es hieß, die ganze Judengaffe würde in Flammen anfgepen, bloße „Versprechungen" bleiben werden. Dieser Tage erfolgte die Verhaftung des Kaufmannes Sejp, eines üoelbeleumundeten Menschen, der Herrn Kohn einen Erpresfungsbrief geschrieben hatte. Er theilte in diesem Schreiben mit, er habe gesehen, wie Kohn den Leichnam des Mädchens aus einenr Fenster seiner Wohnung zwei Männern reichte, die auf der Straße warteten. Für das Verschweigen dieses Umstandes verlangte er von Kohn eine Entlohnung. — Die Leiche der Eervinta befand sich im Flusse in einem Gestrüpp, weßhalb die Auffindung so spat erfolgte. Rußland. Moskau. Der Kameralhof benachrichtigte das Kaufmannsamr, daß gegenwärtig die Aufnahme von Juden in die erste Gilde der Kaufmannschaft gemäß der Allerhöchsten Bestimmung vom 4. Juni 4899 aufhöre, da die festgesetzte Norm von 33 pEt. bereits überschritten und darum eine weitere Aufname von Juden in die erste Gilde nicht mehr zulässig ist. Moskau. Seit langer Zeit machten die Lokalbehörden den Juden alle möglichen Schwierigkeiten, wenn sie dieselben zwingen wollten, vollständig ihre Namen und Vornamen auf Handelsschilder zu setzen. Der Senat hat gegen dieses unheilsame Gesetz einen besseren Befehl ergehen lassen. Derselbe bestimmt, daß die Entscheidungen der Lckalverwaltungen nur dann Gültigkeit haben, wenn sie nicht im Widerspruch stehen mit den schon vorhandenen Gesetzen, oder wenn sie durch Gründe der öffentlichen Sicherheit geboten find. Außerdem hat die Verpflichtung für die Juden, die Vor- und Zunamen vollständig auf ihre Schilder zu setzen, den Zweck, ihre jüdische Abkunft erkennen zu lassen. Diese Maßregel entspricht weder dem Gesetz, noch ist sie zur Garantie der öffentlichen Ordnung nothwendig. Sie bedeutet deshalb einen Mißbrauch der Gewalt. Trotz ihrer Gesetzwidrigkeit ist sie seit 1891 in Petersburg und in einer Reihe anderer Orte angewandt worden, ohne Proteste seitens der Jnteressirten hervorzurufen. Feuilleton. Ex odio fidae. LZrstorrsrhe E r z Ä h L rr n g. Von Mathias Kisch, Prag. „Jbr Bockmr," ivandte sich Red Loser an Löb Kurzhanol, „miißt mit dem Jüngel Geduld baden, vielleicht läßt sich in der Güte etlvos mit ihm ausrichten, tomint, gehen wir jetzt zu Maarew." Sie wollten Beide rvieder das Ziinmer verlassen, als heftig Vir Thüre aufgerissen wurde und Jofel Kafka a i he in los berein stürzte. Jofel. ein Fünfziger von Aussehen, dessen Antlitz bleich und hager, war von Augen belebt, die an Lebhaftigkeit und stechender Schärfe mit denen der Eidechse lvetteisertcn. Die kahle Stirne, von wenigen und grauen Locken besetzt, gab großen Spielraum der Be Iveglichteit von Gesichtszügen, die wie Schlangenwege eines Labhrintes sich nach allen Seilen in merkwürdiger Verschlingung ausdehnten. Eine breite Narbe, die quer von der rechten Schläfe sich über Wange und Nase bis zu dem linken Ohrläppchen herüberzog, schied das Gesicht sozusagen in zwei ungleiche Hälften. Die Nase, vorspringend und gebogen, glich dem Schnabel eines Geiers. Ter Mund, mit der etwas hängenden Unterlippe, offenbarte Abspannung, dazu Paßte der kurze, krause, grau und schwarz gemischte Bart, welcher ihn zu einer ebenso abschreckenden als widerlichen Gestalt machte. „Alles wird gut, ich Hab es ja gleich gewußt," begann er feine Anrede, „das Jüngel kommt nach Hans, so lvahr ich Jofel heiße und —" „Wo ist er also?" fragte, ihn unterbrechend, der besorgte Vater, „habt Ihr ihn gesehen?" „Wo soll er sein? Bei den Galochim" (Mönchen), antwortete er etwas höhnisch. „Also doch.'" sprach, die Hände zusaminenschlagend, Neb Loser. „Ja, bei den Galochim," wiederholte der Ehrenmann, dem Vater so recht ins Herz schneidend, „und schmadden (taufen) will er sich lassen, aber schmadden lassen und geschnmdd sein, sind nicht eins," setzte er wie beruhigend binzu. „Es ist noch nicht Alles verloren, vertraut nur nur." „Dir, Jofel vertrauen, da sind ivir verloren," warf der alte Reb Lipme ein. Jofel schien die Bemerkung des Greises überhört zu haben und setzte fort: „Wisset, Reb Loserleben, hinein in das Kloster läßt man so einen armen Juden, wie ich bin, nicht so geschwind, aber ich habe meinen Plan fein eingefädelt. Die Bedienerin in dem Kloster," so setzte er schlau fort, „ist eine alte Bekannte von mir und für ein paar gute Groschen ist sie bereit, das Jüngel

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