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Der Israelit · 1900-01-15 · Heft 5 (15.1.1900) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 5 (15.1.1900)
Date
1900-01-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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87 morgen Abend, wenn es finster ist und die Galochiin in der Kirche sind, herauszulocken. Ich warte draußen und bringe Schimele, ob gutwillig oder mit Gewalt, zu Euch her." „Das wäre gut, Josel," sagte überzeugt Reb Loser, „icb gehe mit Euch, will auch auf ihn draußen warten." „Gott soll hüten, Reb Loser, da verderbt Ihr Alles," fiel geschwind Josel dem ihm nicht ganz trau enden Reb Loser ins Wort. „Er wäre doch nicht von Euch weggelausen, wenn er Euch nicht fürchten würde. Sieht er Euch also bei mir, so bekommen wir ihn nicht: außerdem diirsen Euch auch die vom Kloster nicht sehen, sonst ist Alles verloren. Bei mir ist's etwas Anderes, die Leute dort wissen, daß ich der Bruder von Jizchikl dem Meschumed, ausgerottet soll er werden, bin, der steht in großem Ansehen, und iw kann dort herum geben, so lange ich will." „Gut, Josel, ich bins zufrieden," erwiderte über zeugt Schimeles Baker, „bringt den Jungen mir her. Euer Schade soll es nicht sein. Seid mir jetzt machet «verzeihet), ich muß geben, sonst versäume ich Maarew," setzte er fort und schritt zur Thüre. Nachdem er aber sah, daß Josel keine Miene machte, sich zu entfernen, blieb er wieder bei der Thüre stehen, wandte sich um und sagte: „Wollt Ihr noch Etwas von mir?" „Reb Loserleben," begann dieser, „ich Hab Euch doch gesagt, daß ich der Bedienerin etwas Geld geben muß. Ihr lvißt doch, ich armer Jüd leb von der Hand zum Munde, wo soll ich Geld hernehmen. Ich weiß, Ihr seid mir gut dafür," setzte er schnell hinzu, als er sah, daß Reb Loser ihm erwidern wollte, „aber mein Dalles lArmuth) ist groß." „Wie viel braucht Ihr?" fragte kurz Reb Loser. „Ein halb Schock gute Groschen," antwortete Josel schnell. „Es ist viel Geld, aber Ihr sollt sie haben." Abeles ging ins Zimmer zurück zu einem Kasten, öffnete die untere Schublade und entnahm einem Leder beutel das Geld, jedoch derartig vorsichtig, daß Josel, trotz aller Aufrnertsamkeit, die er daran verwendete, den Geldbeutel nicht sehen konnte: hätte aller Reb Loser Abeles den teuflisch-höhnischen Zug in seinem Gesichte bemerkt, er hätte ihm gewiß einen Fußtritt gegeben, anstatt so vertrauensselig ihm das Geld in die Hand zu zählen. Nachdem Josel das Geld hatte, steckte er es rasch in seine Tasche und entfernte sich schleunigst, sich kurz verabschiedend. .Kaum war er draußen und die Thüre hinter ihm geschloffen, stand der alte Reb Lipme auf, schritt zu Reb Loser und sprach, ihm die Hand aus die Schulter legend: „Wenn Tu in dem seiner Hand bist, dann gib Alles als verloren aus, setz Dich auf die Erd und halt Schiwe (sieben Trauertage», der betrügt Euch alle, sammt den Galochiin." ' „Vaterleben, reb doch nicht so," sprach weinend seine Tochter Lea, „ich kann doch meinen einzigen Sohn nicht so ohne etwas zu thun, verloren geben, bester eine schlechte Hand, als gar keine." „Schad für jeden Gröschel, sag ich Dir, Lealeben," erwiderte rechthaberisch der Greis, „den kennt Ihr Alle nicht, der ist tausendmal schlechter wie sein Bruder, der Meschumed." „Ich weiß, ich weiß, Schwäherleben," erwiderte traurig und kopfschüttelnd Reb Loser. „Aber was kann ich thun, ich kenne keinen anderen Ausweg, vielleicht hat er diesmal gute Absichten, es ist nie ein Mensch so schlecht, daß auch nicht etwas Gutes in ihm stecken könnte, heißt es im Schelo ha Kodisch. Doch kommt endlich, Bachur, in Schul," wandte er sich an Lob Kurzhandl. Dieser, der in tiefen Gedanken versunken, unverwandt die schöne Sarab anschaute, zuckte erschreckt zusammen, als er seinen Namen nennen hörte, „was wollt Ihr, Balbois?" (Hausherr) fragte er zerstreut. „In Schul sollt Ihr mitkommen." „In Schul?, die ist bereits versäumt," sagte, sich besinnend und auf die große Schwarzwälder Uhr blickend, der Bachur. „es ist doch schon acht Uhr." (Fortsetzung folgt.) Ghamischo Offor (15. Kchmt). (Hin Wärchen) Seit ein vaar Jahren standen sie nun schon bei saun ii’t'ii, der alte, erfahrene Apfelbaum und das junge, zarte Zwetschkenbäumchen. Der wetterharte Alte hatte den Jungen tief in sein Herz geschloffen, mit liebevollem Auge ihn bewacht von seinein ersten Versuche an, die Hülle des Kernes sprengend, ein paar zarte Blättchen hinauf ans Licht zu senden. Mit Freuden sah er sein Wachsen und nun stand schon ein schlankes Stämmchen neben ihm, half ihm über die oft schmerzlich empfundene Einsamkeit hinweg. In treuer Dantvarkeit und Verehrung schaute der Junge zu ihm auf. In allen Sorgen seines jungen Lebens hatte er sich vertrauensvoll an den bewährten Freund gewandt, Freud und Leid, Sturm und Wetter hatten sie zusammen ertragen. Weicher, weißer Schnee war über Nacht gefallen, und als der Junge des Morgens sich den Schlaf aus den Augen rieb, war ihm gar sonderbar zu Muthe. Tiefes, geheimnißvolles Regen verspürte er in seinem Innern, desgleichen er sich noch nie erfahren zu baden erinnerte. „Was geht mit mir vor?" fragte er sich, sein junges Köpfchen schüttelnd, und gleich wandte er sich an den Alten mit dieser Frage, gewöhnt, sich von diesem Aufschluß zu holen über alles, was ihm neu lvar, nach innen und außen. „Festtag heute, mein Junge!" belehrte ihn dieser. „Neujahrsfest! Siehst Du denn nicht, daß Gott uns das weiße Festkleid angelegt hat über Nacht? Was Dich be-

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