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Der Israelit · 1900-01-15 · Heft 5 (15.1.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 5 (15.1.1900)
Date
1900-01-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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84 Dt. Lazarus die Unterweisung der Aerzte in der Pneu matotherapie angelegen sein läßt. Das pneumatische Kabinett gab auch sonst noch Aerzten Gelegenheit, wissenschaftliche Untersuchungen dort anzustellen. Es gab wohl schon in den 60er Jahren hier ein von einem Arzte geleitetes pneumatisches Kabinett, es ging aber nach nicht allzulanger Zeit ein. Frankfurt a. M.—Bockenheim. Am 4. Januar feierte die hiesige israelitische Männerkrankenkasse Chewrah Gemilus Chasodim das 1.03. Jahr ihres Bestehens u. war man zum ersten Male im zweiten Jahrhundert des Bestehens der Kaffe an froher Tafelrunde vereinigt. Nach voraufgegangenem Maariv-Gebet fand im Restaurant Neuhof, Frankfurt a. M., Göthestraße, das Festesten statt, besten Arrangement Aller Beifall fand. Herr S. M ü l l e r , der langjährige Präsident der Chewrah, begrüßte mit herzlichen Worten die Mitglieder, die bis auf drei alle erschienen waren. Ernste und heitere Reden würzten das Mahl. Die am Schlüsse vorgenommene Versteigerung des Benschens ergab die ansehnliche Summe 110 r//, welcher Betrag an hiesige Arme vertheilt wurde. Das Tischgebet wurde von Herrn Kantor H ö ch st e r in feierlicher Weise vorgetragen u. blieb man nach demselben noch lange gemüthlich beisammen. Möge die Chewrah, deren Bestrebungen die edelsten sind, noch lange segensreich wirken, möge sie wachsen. blühen und gedeihen. -r. Aus Baden, 12. Jan. Wer mit aufmerksamem Blicke und warmem, echt jüdischem Herzen die religiösen Zustände in unserem Lande beobachtet, deni wird die Thatsache sich ohne Weiteres aufdrängen, daß vom Standpunkte des gesetzestreuen, unverfälschten Judenthums aus ein Rückgang des religiösen Lebens und der jüdischen Empfindung zu constatiren ist, der um so empfindlicher und bedauerlicher ist, als Seitens der Orthodoxie in unserem Lande — soweit eine soche überhaupt noch vorhanden ist — nichts geschieht, diese rückläufige Entwicklung aufzuhalten und zu gesundem Vorwärtsschreiten zu umzuwandeln. Es soll heute nicht meine Aufgabe sein, all' die Mängel und Gebrechen namhaft zu machen, die jeden Augenblick zu Tage treten, sie sind in weiten Kreisen nur zu gut bekannt, wenngleich von ihrer öffentlichen Besprechung vielleicht doch manche Besserung erhofft werden könnte, aber ein Vorschlag soll gemacht werden, von dem der Einsender dieses sich unter Umständen den erwünschten Umschlag verspricht. Der Erfolg einer Sache liegt vielfach in der „Organisation derjenigen, die diesen Erfolg wünschen." Mit anderen Worten: Man gründe einen Verein gesetzestreuer, jüdischer Männer, der sich über ganz Baden erstreckt, der sich in Bezirks¬ und Ortsgruppen verzweigt und in diesen die Herbeiführung des ersehnten jüdischen Lebens erstrebt und — m. G. H. erreicht. Riesig groß, unendlich dankbar wären die Aufgaben dieser Vereinigung, die, von richtigen zielbewußten Männern geleitet, zu einer Macht sich entwickeln könnte, der man sich selbst in unserer jüdischen Centralbehördc nicht ohne weiteres entziehen könnte. Möge dieser Vorschlag in den Herzen vieler jü discher Männer deS badischen Landes einen Wiederhall finden, der, als Morgenroth einer besseren Zeit, für unseren Glauben thatbegeisterte Männer zu erfolg reichem Schaffen zusammensührt. Zunächst wären die Ansichlen und Meinungen anderer Glaubensgenoffcn, vielleicht im „Israelit," zu hören, wozu die geehrte Re daetion gewiß ihre Spalten zur Verfügung stellen wir'w lMit großem Vergnügen. Red.) Ulm, 7. Jan. Im israelitischen Lehrerverein hier hielt gestern Abend Pros. Martin P h i l i p p s o n aus Berlin einen Vortrag über „Das Judenthum und die übrigen Kulturreligionen." Dem geistreichen Redner und Historiker spendeten die zahlreich erschienenen Mitglieder reichen Beifall. Der Verein zur Unterstützung von Wittwen und Waisen armer israelitischer Lehrer Württembergs, hat seinen Jahresbericht pro 1898 99 veröffentlicht. Die Einnahmen betrugen Mark 6017 80, die Ausgaben Mark 3301 12, der Kastenbestand Mark 1716 99, das Grundstocksvermögen Mark 60 400. Der Ausschuß hat namens der heurigen Plenarversammlung an die Behörde eine Eingabe gerichtet, den jüdischen ReligionS unterricht an den höheren Lehranstalten obligatorisch zu machen. Die Verhandlungen der württemb. Landstände haben den Rabbinern wie den israelitischen Lehrern Besoldungs-Aufbesserungen gebracht. Nach der neuesten Statistik des Unterrichtswesens in Württemberg gibt es im Lande 16 israelitische Volksschulen unter Aufsicht der evangelischen und 10 unter Aufsicht der katholischen Oberschulbehörde. Diese Schulen besuchen 193 Knaben und 314 Mädchen, zusammen 607 Schüler. An diesen Schulen unterrichten 27 Lehrer; nur eine dieser Schulen (Laupheim) ist zweiklassig. O e ste r r. ll n g a r. M onar rf> i e. Wien. (P r o z e ß k l a g e gegen das „Deutsche V o l k s b l a t t".j Vor dem Preßrichter des Bezirksgerichtes Josephstadt, Landesgerichtsrath v. Heidt, hatte sich der verantwortliche Redacteur des „Deutschen Volksblattes", August Schreiber, wegen Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge in zwei Fällen zu verantlvorten. In dem einen Falle handelte es sich um eine Preßklage des Federnsabrikanten Joseph Lecker, gegen den im genannten Blatte eine schwere Beschuldigung erhoben worden war. Am 21. October v. I. brachte das Blatt unter dein Titel: „Ein christliches Mädchen in jüdischen Diensten verschollen!" einen Artikel, worin unter Anspielung aus die Assaire in Polna von denr mysteriösen Verschwinden eines bei Herrn Lecker bediensteten Mädchens, Beatrix Dusche, mit Namen, berichtet wurde. Da der Verfasser des incrimirten Artikels nicht zu eruiren war, mußte sich Herr Lecker begnügen, den verantlvortlichen Redacteur des Blattes, der den Artikel vor der Drucklegung nicht ge-

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