Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 5 (15.1.1900)
- Date
- 1900-01-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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83 ivegen ihrer Religion, sondern weil sie von einem Ahn | Namens Sem abstammen, weil^ sie in Folge dessen et- >vas anders gesonnte Nasen, etwas mehr Feuer im Blick, etwas mehr Geist im Kopfe, als der auf das arische Normalmaß genickte haben. Gegen diese Php signomie gibt es kein Taufwasser, das sie hinwcgzuwaschen vermochte, gegen diese Nasen ist noch kein assimilatorisches Kraut gewachsen, für dieses Verbrechen, von einem Manne Namens Sent abzuftannnen, gibt es leine Sühne: das ist die Stärke des Antisemitismus. Er beschnüffelt das Blut feiner Opfer, und sobald er etwas Semitisches darin wittert, so erblickt er darin die Legitimirung seines Hasses. Angesichts dieser Thaisachen haben auch die rabiatesten Panegpriker der Assimilation das Vergebliche ihrer Liebesmüh eingesehen und die Segel streichen inüssen. In dieser ihrer Rathlosigkeit haben sie aus der Noihwendiakeit eine Tugend geinacht und haben das, was sie in Folge ihrer Phpssgnomie nicht abläugnen können, mit lautem Brustton als ihre specifische Eigenart verkündet, indem sie sich als nationale, d. h. als solche Juden geberden, die sich des eigentlichen, praktischen Judenthums, ganz so wie die Reformjuden, entledigt haben und ihre bloße durch Geburt und Abstammung erlangte Zugehörigkeit zur jüdischen Nationalität als das Kriterium ihres Judenthums verkünden. Dieses nationale Judenthuin und feine Bannerträger können ohne Thora und Mizwoth fertig werden, ihre bloße Zugehörigkeit zur jüdischen Nationalität ersetzt ihnen alles. Aber eines fehlt ihnen, wenn ihr nationales Luftschloß nicht sofort wie Seifenblasen zerrinnen soll: der Boden für ihr nationales Kartenhaus. Wenn es nicht wie ein Dach ohne Fundament in der Luft schweben soll, so müssen sie ein Land für diese wunderliche Sorte von Nation haben. Dazu wählten sie das erste und beste, das heilige Land unserer Vergangenheit und Zukunft. Das ist die Genesis des Zionismus. Diese wunderliche Blüthe, welche das dahingegangene Jahrhundert getrieben hat, verdient als Rarität schon deßhalb registriert zu ivcrden, weil ihrer Niemand mehr gedenken wird, der nach hundert Jahren einen Rückblick auf das 20. Jahrhundert wirft. In Deutschland hat sie nie Wurzel zu fassen vennocht, dagegen haben unsere Brüder und Schwestern im Osten Europas in Folge ihres sozialen Nothstandes einen Augenblick in dein Zionisinus tvirklich den Strohhalm erblickt, nach dem der Ertrinkende zu seiner vermeintlichen Rettung greift. Der rapide Rückgang dieser ganzen Bewegung, wenige Jahre nach ihrer Jnsrenirung, gestattet, uns aus diese wenigen Worte über diese eigenthümliche Erscheinung hier beschränken zu dürfen. Ser Zionismus verdankt seinen ephemeren, augenblicklichen Erfolg auch noch einein anderen Umstande, der allerdings als erfreuliche characteristisck)e Erscheinung des scheidenden Jahrhunderts betont zu werden verdient: „das neu erwachte, rege Interesse am heiligen Lande." Wir zählen das neunzehnte Jahrhundert seit der. . Zerstörung des heiligen Tempels, der Aufhebung unserer nationalen Selbstständigkeit n. unserer Zerstreuung über alle Theile der Erde. Seit jener Katastrophe hat es noch keine Zeit gegeben, in welcher das Interesse, die Hingebung, die Anhänglichkeit der Zerstreuten für ihr ihnen von Goit angewiesenes Land in so herzerhebender Weise manifestirt hätte, als in diesem Jahrhundert. Seit einigen Jahren ist die heilige Stadt der ganzen Welt durch einen Schienenweg zugänglich gemacht, der nach seinen: Ausbau das ganze Land durchqueren und es mit der übrigen Welt in direete Verbindung setzen wird. Die jüdische Einwohnerzahl hat eine Höhe erreicht, wie noch nie zuvor in den Tagen unsere: Verbannung. Kolonien, gemeinnützig, besonders der Wohthätigteit gewidmete, von den Edelßen der Diaspora gegründeten und erhaltenen Anstalten sind in ungewöhnlich großer Zahl dort erstanden und im Auf' schwung begriffen. Alle Staaten der Erde haben im heiligen Lande ihre ständigen Vertreter. Die Sehnsucht, es zu sehen, führt Fürsten und Völker in alljährlich wachsender Zahl zu den heiligen Stätten, um das Land kennen zu lernen, das die heiligsten Erinnerungen der drei größten monotheistischen Religionen verkörpert. Wir erblicken in dieser Erscheinung ein Zeichen der Zeit, eine Characterisirung unseres Jahrhunderts, dere- Bedeutsamkeit nicht hoch genug zu schätzen ist. (Schluß folgt.)' Zeitungsnachrichten und Correspondenzerr Deutschland. Berlin, 10. Jan. Es sind jetzt 25 Jahre vergangen, seit das pneumatische Kabinett im jüdischen Krankenhause eröffnet wurde. Es verdankt seine Entstehung einer Anregung des Klinikers Ludwig Traube, der neben seiner Professur der klinischen Medizin an der Universität, die mit der Stelle eines leitenden Arztes an der Eharitee verbunden war, die Stelle eines Oberarztes am jüdischen Krankenhause versah. Unter seiner Leitung wurde das pneumatische Kabinett in Betrieb gesetzt. Er hatte noch die Freude zu sehen, daß die von ihm bei uns eingeführte Heilmethode schnell Anklang fand. Als nach Traubes Tode 1876 Heinrich Jacobson au die Spitze der inneren Abtheilung des jüdischen Krankenhauses gestellt wurde, übergab er die Führung des pneumatischen Kabinetts dem dainaligen Assistenzärzte Dr. Julius Lazarus, der jetzt leitender Arzt am Hospital ist. Dr. Lazarus machte die Behandlung Kranker mit komprimirter Luft, die sogenannte Pneumatotherapie, mit zu seiner Sonderausgabe. Man verdankt ihm eine Reihe von Einzelstudien, von denen einzelne zugleich derPhysiologie zu Gute gekommen sind, und zusammenfassende Darstellungen der gesummten einschlägigen Lehre. Dankenswerth ist auch, daß sich