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Der Israelit · 1900-01-11 · Heft 4 (11.1.1900) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 4 (11.1.1900)
Date
1900-01-11
Page
– (sequence 18)
Language
German
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7 4 jüdischen Religions- und Geschichtsunterricht Herr Dr. Werner-München die Mittheilung: Rabbiner Dr. G r o ß in Augsburg sei von der Vereinigung der bayerischen Rabbinen mit der Abfassung eines solchen Lehrmittels betraut und habe zwei Drittel desselben bereits fertig gestellt. Das Buch sei eine wunderbare Leistung, vielleicht etwas zu weit nach rechts gehend. S ä m-m t - liche bayerische Rabbinen seien darin einig, daß dies es Buch obligatorisch in allen Gymnasien und Realgymnasien w e r d e e i n g e f ü h r t w e r d e n. — Die Mitglieder des Central-Ausschusses schienen die Verzückung des Herrn Dr. Werner in dieser Sache nicht ganz zu theilen, denn sie gaben seinem Anträge, die Beschlußfassung in der Lehrmittelfrage bis zum Erscheinen genannten Wer kes auszusetzen, nicht statt; einige Redner fuhren sogar, trotz des angekündigten Mirakels, in der Betonung der Schwierigkeiten, auf diesem Gebiete Uebereinstimmung zu erzielen, fort; andere wieder verwahrten den Rabbinerverband dagegen, daß er bei der Verschiedenheit der Ansichten u. den weit auseinanderliegenden Glaubens und Geschichtsauffassungen irgend einem Werke seine Approbation verleihen könnte. — In uns hat die Eröffnung des Herrn Dr. Werner neben berechtigtem Erstaunen noch das Gefühl unbezähmbarer Neugierde erweckt. Daß es Herrn Dr. Groß nicht an Geist, Gelehr samkeit u. Talent gebricht, ein gutes Buch zu schreiben, wissen wir. Was wir dagegen von ihm bezweifeln, ist eine solch weitgehende Selbstverleugnung und wunderbare Aceomodation an andere ihm fernliegende Auffassungen, daß ein von ihm verfaßtes Religions- oder Geschichtswerk Herrn Dr. Werner als zu weit nach rechts gehend erscheinen könnte. Es müßte denn sein, daß Herr Dr. Groß im Interesse der guten Sache seine eige nen Ideen und Auffassungen dem interinittirenden Ver antwortungsgefühle seiner Collegen preisgibt und gestattet, daß diese die Bestandtheile seines Werkes nicht nur sorgfältig überprüfen, sondern auch auf die Niveauunterschiede der verschiedenen Dogmen und Glaubensanschauungen zu überarbeiten und zurecht zu stutzen unternehmen. Dann aber wird eine überaus geschickte Hand erforderlich sein, die es versteht, dem Buche die Glätte und Politur der Ursprünglichkeit zu geben und die Unterbindung und Fesselung, die seine Gedanken reihen erfahren haben, nicht erkennen zu lassen. Frei» des Empfinden im Tone ehrlicher Ueberzeugung vorzutragen und dabei den Eindruck zu erwecken, es sei die eigene tiefinnerliche Herzensmeinung, die man ausspricht, gilt auf allen Gebieten als hervorragende künstlerische Leistung; auf dem Gebiete der Religion, wo Denken und Empfinden so untrennbar zusammenhängen, wäre sie geradezu eine wunderbare. Darum sind auch die alten Weisen der Meinung gewesen, alle Lehre müsse trotz Anmuth, Behendigkeit und Geschick in der Darstellung an Ueberzeugungskraft verlieren, wenn sie nicht im Bewußtsein desjenigen, der sie vorträgt, mit aller Macht und Behendigkeit empfunden wird. Von dem ethischen Gefühl sowohl, >vie von der pädagogischen Einsicht des Herrn Dr. Groß erwarten wir darum, daß er die Frucht seines Denkens und Empfindens in seinem Lehrbuche frisch und unvermittelt werde zur Darstellung gebracht haben, und es erscheint uns unbegreiflich, wie es alsdann Herrn Dr. Werner als zu tveit nach rechts gehend erschienen sein kann! Wie das politische Leben, so bietet auch das innerjü dische Leben in neuerer Zeit des Wunderbaren u. Merk würdigen so vieles, daß man aus dem Staunen gar nicht hinauskommt. Doch in diesem Falle tvird ja des RäthselS Lösung nicht mehr lange ans sich warten las sen. (chii vivni ven .-i! Oesterr. - Nn gar. Monarchie. AttS Ungarn. Die Ofener israelitische Eultus gemeinde hat beschlossen, ein Siechenhaus für greise und invalide Mitglieder derselben zu erbauen und ivird zu diesem Ztvecke von der Hauptstadt ein geeignetes Grundstück unentgeldlich erhalten. Diese Haltung dev Budapester Stadtrathes sticht sehr vortheilhast ab voll dem Vorgehen der Wiener Stadtgemeinde, die auch den Humanitären jüdischen Einrichtungen jede llnterstütz ung veriveigert. In Waag Neustadtl wurde Herr B. Elia s zum vierten Mal einstimmig zum Bürgermeister gewählt. Der Getvählte entstammt einer der ältesten jüdischen Familien in Waag-Neustadtl. Laut einem statistischen Ausweise haben von den israelitischen Verlobten der Budapester großen Ge meinde 6.1 Prozent Frauen anderer Konfessionen ge heirathet, tvährend 5.1 der israelitischen Bräute sich mit Männern anderer Eonfessionen verehelichten. Drau rige Resllltate! Auf dem Wege von Tyrnau nach Majteny ivurde ein armer jüdischer Gefliigelhändler 'Namens Joseph Steiner mit seiner Gattin ermordet. Das Unglück liche Ehepaar hinterläßt sieben unversorgte .Linder, für die in mehreren Tagesblättern midthätige Gaben in Empfang genommen werden. In Wamos starb der neunzig Jahre alte Rabbiner, der unter dem Namen Reb Schmul W a g o s ch e r toeit und breit bekannt tvar. Der Verblichene war einer von den ältesten Schülern des Ehatam Szofer s. und als Gadol ba-Thora und großer Zadoit allgemein verehrt. Das Leichenbegängnis; hat unter großer Betheiligung stattgefunden, tvobei die ehrtv. Trauerredner den großen Verlust fiir die Gesammtheit Israels in beredten Wor ten schilderten. In der orthodoxen Gemeinde zu Gyöngyös ivurde der neugetvählte Rabbiner, Herr A. I u n g r e i s , ein würdiger Sohn des berühmten Tißafüreder Rabbiners, in sein Amt feierlich installirt. Aus Ungarn. Jüngst erschien ein Ministeriellerlaß, nach welchem die Mohelim unter ärztliche Aus sicht gestellt werden und verschiedene Vorsichtsmaßre geln zu beobachten hätten. Diese Verordnung hat seit einiger Zeit große Beunruhigung in orthodoxe» .Lreise»

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