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Der Israelit · 1900-01-11 · Heft 4 (11.1.1900) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 4 (11.1.1900)
Date
1900-01-11
Page
– (sequence 19)
Language
German
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75 hervorgerusen. lücil Viele glaubten, das; durch dieseu Erlaß die „Meziza" verboten Ivürde. Die orthodoxe Landeskanzlei hat unverzüglich die nöthigen Schritte bei der Regierung eingeleitet und mit Wissen und Zustiminuug derselben ein dringendes Rundschreiben an die Eultusgemeinden und Rabbinate gerichtet, das; die Meziza k e i i» e s >v e g S de r b o t e n sei und lvie bis »er auch fernerhin vollzogen werden tann. Auch die übrigen Punlte, die zu eventuelleu Mißverständnissen Anlas; geben tonnten, werden demnächst eine torri girende Interpretation erhalten. In der Preßbu'ger Ieschiba lverden nunmehr außer dem Dberrabbiner auch sein Sohn Rabbi Atiba und der Dajan Vtabbi Lob Friedmann regelmäßige Schi u rvo rt räge ha lten. Seit mehreren Monaten reist in Ungarn ein Bachur aus lltußland, der ein großes Wißen in Schaß u. Pos tim haben soll. Indessen behaupten viele Talmide l^hachomim, das; er ein gelvissenloser Schwindler sei. Da aber demselben die Mildthäiigleit edler Glaubens genossen, ganz besonders der Ierejim, in reichlichem Maße zu Theil lvird, lväre es augezeigt, daß die ehrlv. Rabbinen, lvo der junge Mann sich aufhält, seine Wür digleit oder Umvürdigteit endgültig feststellen. Auch der nicht sehr rühmlich betannte Rabbiner I. Acker >n a n n reist derzeit in Ungarn von Dorf zu Dorf und wird überall reichlich unterstützt. Da derselbe mehrere Jahre als Redaeteur des Iagdil Thora in Berlin sich aufhielt, sollten doch die dortigen maßgebenden Kreise es öffentlich mittheilen, ob derselbe als armer und wür diger Rabbiner solche Ehrenbezeugungen verdient. L'Z'rn Lirr '0” xSi. Budapest. Bor Kurzem richtete der Abgeordnete Buzath eine Interpellation an den Ministerpräsidenten Koloinan v. Szell, in lvelcher er fragt, ob er davon .Kenntnis; habe, daß die aus Rußland vertriebenen Juden infolge der rumänischen Grenzsperre in großer Zahl nach Ungarn einströmen und leicht die Pest einschleppen tonnen. Der Ministerpräsident beantwortete nun seine Frage dahin, daß er wohl Kenntnis; habe, daß im Nordosten des Landes Einwanderungen in größerer Masse und größerer Zahl vorgetominen sind, als dies wünschenswerth erscheint, doch müßte er es in Abrede stellen, daß gerade jetzt infolge einer in Rumänien getroffenen Berfiigung die Einwanderung der Juden größere Dimensionen angenommen hätte. Sollte dies der Fall sein, so sind die Munizipien angewiesen, ihre Berichte zu erstatten und nach dem Einlangen solcher Berichte ist es an der Zeit, in Erwägung zu ziehen, ob Verfügungen nwhwendig und wünschenswert» sind. hi u ß l a n d. Petersburg. Eine »nichtige Nachricht hält die russische Iudenheit in großer Spannung. Die Eom Mission, welebe mit der Revision der Maigesetze beauf tragt ist, hat endlich ihre Arbeiten beendigt, ivir wissen allerdings nicht, in welchem Sinne, aber inan gibt sich doch der stillen Hoffnung hin, das; in diesem Falle Re Vision Verbesserung bedeuten muß. Freilich lvird es auch darauf ankommen, ob die neuen Vorschläge Gesetzeskraft erhalten werden. — Die Regierung hat zu Gefängnißinspectoren im Gouvernement Jekaterinoslaw zwei Juden, Dr. Pines und Israel Stein, ernannt. — In Wilna wurde eine neue Handelsschule eröffnet. Da die große Mehrzahl der Schüler, 149 unter 1-">0, Juden sind, wird in dieser Schule auch jüdische Religion als Lehrgegenstand eingeführt. Rumänien. Bukarest. Die traurigsten Nachrichten kommen aus allen Teilen Rumäniens über das neue Vorgehen der Regierung gegen die jüdischen Schulen. Bekanntlich hatten die jüdischen Gemeinden, als die jüdischen Kinder von den öffentlichen Schulen ausgeschlossen wurden, nach Kräften eigene Schulen eingerichtet, die seit einiger Zeit größtenteils sehr gut functioniren. Nun hat die rumänische Regierung einen neuen Streich gegen die Juden geführt, indem sie eine Anzahl dieser jüdischen Schulen geschlossen hat unter dem Vorwände, daß sie nur fünf Tage geöffnet sind, während die Regierungsverfügung vorschreibt, daß Elementarschulen sechs Tage geöffnet sein müssen. Freilich sind die jüdischen Schulen am Sabbat und Sonntag nicht offen; allein in der verbleibenden Zeit erreichen sie dasselbe Pensuni, wie die Regierungsschulen in vollen sechs Tagen. Da nun am Sonntag die Schulen nicht offen gehalten werden dürfen nach staatlicher Vorschrift, so haben sich die jüdischen Autoritäten auf Rath der Rabbiner entschlossen, am Sabbat unterrichten zu lassen, u. zwar in den speciell jüdischen Gegenständen. Mit diesem Auslvege ist nun lvieder die Regierung nicht zufrieden, dieselbe verlangt vielmehr, daß am Sabbat genau wie an allen Wochentagen unterrichtet werden soll. Der Zlveck dieser Chikanen ist klar, die armen Juden sollen vor die Wahl gestellt werden, entweder das Religionsgesetz zu übertreten und ihre Kinder am Sabbat schreiben zu lassen, oder auf die schulgemäße Ausbildung ihrer Kinder völlig verzichten zu müssen. Wahrlich, die Wahl ist schwer, und dieser Gewissenszwang erinnert an die Zeiten des finstersten Mittelalters. Wie lange noch darf die rumänische Regierung Europa herausfordern durch diese ständigen Verletzungen der durch alle Großmächte auf dem Berliner Congreß gewährleisteten Rechte der Juden? Auch die Politiker des Westens thun diesmal nicht voll ihre Schuldigkeit; warum weisen sie in der Tagespresse nicht wieder und immer wieder auf diesen täglich sich erneuernden Verfassungsbruch hin? Die rumänischen Juden sind der Verzweiflung nahe, und der kommende Frühling wird sicher eine Massenemigration zeitigen.

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