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Der Israelit · 1900-01-11 · Heft 4 (11.1.1900) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 4 (11.1.1900)
Date
1900-01-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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66 „Der nachbiblische Geschichtsunterricht in der jüdischen Schule." Referent führt aus. daß es noch eine offene Frage sei, ob der nachbiblische Geschichtsunterricht ein besonderes Fach der Religionsschule ausmache. Unter Würdigung der bestehenden Verhältnisse sei ihm jedenfalls eine untergeordnete Stelle im Unterrichtsplan anzuweisen. Doch ist auch sein ethisches, sittlich-religiöses Moment nicht zu unterschätzen. Der Redner ist deßhalb für zwanglose Anknüpfung bezüglicher Geschichtspartien an geeigneten Stellen der Hauptlehrgegenständen. Das Durchgenommene wird schließlich in besonderen Geschichtsstunden ergänzt und chronologisch geordnet. Der Lehrgang ist der für den biblischen Geschichtsunterricht übliche, jedoch ist gründliche Vorbereitung des Lehrers nöthig. Der Vorsitzende spricht hierauf im Namen der Versammlung dem Referenten den Dank für den mit vielem Fleiß und großer Gründlichkeit ausgearbeiteten Vortrage aus und nimmt sofort das Wort zu seinem Eorreferat. Redner verwirft die Methode des Referenten und ist für Einführung einer speziellen Geschichtsstunde in den Stundenplan der oberen Abtheilung. Er verbreitet sich sodann im Weiteren über Zweck und Stoff des nachbibl. Geschichtsunterrichts und kommt zum Schluß zu folgenden Leitsätzen: 1) SystematischerGeschichtsunterricht darf nur in der oberen Abtheilung ertheilt werden. 2) Es muß eine gute Auswahl getroffen werden. 3) Mehr auf Einprägung der Thatsachen, als auf Kenntniß der Daten und Namen zu sehen. 4) Der Unterricht muß beleben und erwärmen. 5) Der Lehrer bedarf hier mehr als in anderen Disziplinen gründliches Vorbereiten. 6) Der Unterricht ist Selbstzweck. 7) Er hat einen nationalen religiösen Character. 8) Die Geschichte bietet die besten Mittel zur Abtvehr. Herr Lebermann - Darmstadt. als Stellvertreter des Vorsitzenden, dankt dem Correferenten für seine geist- und lichtvolle Arbeit. Man tritt nunmehr in die Discussion ein. zu welcher zunächst der Referent das Wort ergreift, und zum Correferat bemerkte, daß bei der spärlich zur Verfügung stehenden Unterrichtszeit nicht der ganze nachbiblische Geschichtsunterricht durchgenommen werden kann, tvährend Herr Dr. Barnaß.der Meinung ist, daß schon bei einer IH.stündlichen wöchentlichen Unterrichtszeit; in etwa 30—33 Stunden im Jahre es möglich sei, das Pensum ausführlich zu behandeln. Lebermann- Darmstadt ist dafür, daß nur in der Qberklasse eine Stunde wöchentlich hierzu verwendet wird, wobei die nachbiblische Geschichte im Anschluß an die biblische Geschichte in Zeitbildern vorgetragen wird, und das Interesse durch geeigneten Vortrag und Stoffauswahl zu toerben.und zu. erhalten ist; auch hält er es für zweckmäßig, den Kindern ein Handbuch zu geben. Herr Landrabbiner Dr. Marx- Darmstadt geht auf die näheren jüdischen Schulverhältnisse in Hessen ein. und macht auf den Unterschied zwischen Stadt- und Landschulen aufmerksam, und meint, daß überhaupt in letzteren keine Zeit für nachbiblischen Geschichtsunterricht übrig bleibt. Das Hauptgewicht sei aus Pentateuch- Unterricht und auf die Erziehung zu wahrhaft religiösen Jehudim zu legen. Der Vorsitzende dankt Herrn Dr. M a r x für seine Ausführungen, die auch von Seiten der Versammlung mir Beifall ausgenommen wurden. Als Handbuch für die Schüler wird von Herrn Dr. B a r n 'a ß - Cassel, das von Herrn Dr. Marx- Braun empfohlen. L e - b e r m a n n - Darmstadt schlägt auch noch Kroner und Hecht vor. Grätz sei nicht zu empfehlen. Referent ist überhaupt gegen die Einführung eines Handbuches für die Schüler. Nachdem noch College Oppenheimer- Darmstadt die Lehrer zum Beitritt in die „Achawa" auffordert u. hierauf Lebermann-Darmstadt besonders empfiehlt, für die Hilfskasie des Vereins in den Gemeinden Propaganda zu machen, schließt der Vorsitzende die Versammlung mit dem Wunsche eines freudigen Wiedersehens auf der demnächstigen Generalversammlung in Frankfurt a. M. K. Oppenheimer- Bensheim. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Budapest, im Jan. Wie ich bereits mitgetheilt. hat der hochherzige Bischof von Zipsen, Paul Szmrecsanyi, in einem Hirtenfchreiben an die Geistlichen seiner Diöcese eine unzweideutige, scharfe Verurtheilüng des Ritualmord - Märchens ausgesprochen. Der edelmüthige Kirchenfürst konftatirte in seinem Hirtenschreiben, daß die diesbezüglich geschriebenen Artikel im clerical-antisemitischen Tageblatt „Alkotmany" zur Aufwiegelung der Gemllther führen u. machte auch auf die Gefahren aufmerksam, welche die Agitation mit dieser abscheulichen Lüge sowohl für die Juden, als auch das bethörte christliche Volk zur Folge haben könne. Nun konnte auch die hiesige königl. Staatsanwaltschaft nicht mit gleichgültigem Schweigen an einer so bedeutsamen Erklärung vorübergehen und hat gegen die genannte Zeitung den Preßprozeß angestrengt. Die Redaction dieses Blattes scheint etwas verstimmt zu sein und fragt mit unschuldiger Miene: ob sie denn thatfachlich zu diesem Hirtenbrief ernste Veranlassung gegeben? Erare hum. est meint die fromme Zeitung; der Bischof bezeichnete es aber als „böswilliges und leichtfertiges" Treiben. Bei Verhandlung des Staatsbudgets für 1900 erwähnte der Abgeordnete K o n y a t h y von der Unabhängigkeitspartei das Gerücht, wonach an der Thllre eines Saales des kgl. ung. Polytechnikums eine Aufschrift angebracht worden sei, welche Juden den Eintritt verwehrt. Er bat den Cultusminister dafür sorgen zu wollen, daß solchep blöden Strömungen einfür allemal ein Ende gesetzt werde. Minister Wlassics erwiderte, daß er den Fall untersuchen werde und versicherte, daß, wenn Jemand, er gewiß ein entschiedener Gegner solcher Strömungen sei. Thatsächlich hat ein antisemitischer Student diesen Streich verübt. Als aber ein jüdischer Hörer den Zettel herabgerissen und an dessen Stelle seine Visitkarte angebracht,

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