Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 4 (11.1.1900)
- Date
- 1900-01-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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61 Behauptung, die von gewissenloser Seite wider besseres Wissen verbreitet wurde, ist sofort, nachdem das Gerächt zu den Ohren der Betheiligten tam, energisch eingeschritten worden. Außerdem ist, lvie aus dem Juseratentheil des „Haller Kreisblattes" ersichtlich, eine Belohnung von 300 JL zur Feststellung des Uehebers des unsinnigen Gerächtes der Behörde zur Berfägung gestellt. Hoffentlich gelingt es, den Urheber ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. (Und das am Ende des 19. Jahrhunderts! Run, wir glauben, daß unter den Einwohnern unserer Gemeinde und unseres At'reifeö doch verzweifelt wenige sind, die im Stande wären, solchen unsinnigen „Dönekens" Glauben zu schenken! Red. des „Jb. Krbl.") O e st e r r.- U n q a r. Monarchie. Wien, 9. Jan. Der Präsident der Wiener Jsr. Kultusgemeinde, taiserl. Rath Heinrich K l i u g e r, bat in einer Plenarsitzung des Vorstandes unter Hinweis auf seine angegriffene Gesundheit sein Aint nie dergelegt und gleichzeitig auch auf sein Vorstandsmau dat verzichtet. Herr Heinrich Kliuger ivar als Präses der Kultusgemeinde der Rachfolger des verstorbenen Genreinderaths Gustav Siuron und bat sich während seiner Amtsthäligkeit besonders um das Zustandctom men des neuen Gemeindestatuts, sowie um das Kultus steuerregulativ verdient gemacht. — Die letzte öffentliche Sitzung unseres Kultus Vorstandes war eine sehr wichtige. Es handelte sich um das Budget, d. h. um ein Defzit im Gemeindesäckel. Der Voranschlag schließt auch in diesen: Jahr mit einem Defizit. Allerdings übersteigt dasselbe alle Erwartungen, denn cs beträgt 360 913 Gulden gegen 02 7-32 im Vorjahre. Die Einnahmen sind für das Jahr 190!) vräliminirt mit 1 644 390 Kronen, die Ausgaben mit 2 366 217 Kronen. Wie das Defizit gedeckt werden soll, darüber giebt es seit Monaten Erörterungen ohne Ende. Run ist der Vorstand nach langen Erwägungen dazu gekommen, den Antrag des bisherigen Vorsitzenden anzunehmen, ein Eomite zu wählen. ivelches bis Ende Januar Spezialbcßi'ninungcn zur Berathung vorzulegen hat zur Herabsetzung des Stenerzenfus auf 0 Gulden, Vermehrung der Anzahl der Vorstandsmitglieder, Einführung von Wahlkategorien und Vereinfachung der Geschäftsordnung. Ob diese Benin: mnngen uns Hilfe dringen, muß die Zeit lehren. Sobortcn, 9. Jan. Sonntag, den 31. v. Vits., fand hier eine erhebende Feier statt, welche einen Wende Punkt, einen Markstein in: Leben unserer Kultusgemeinde bildet. Es wurde nämlich an diesen: Tage das neue Gemeindehaus feierlich eingeweiht, und ans diesem Grunde fanden sieh zahlreiche Theilnehmer aus Rah und Fern im neneerbauten Winterbetsaale, wo die Feier abgehalten wurde, ein. Dieselbe wurde mit dem Absingen des Mah-Tvivuh eingeleitet, worauf Herr Rabbiner H. Galandauer mit einer tief e.'npfundenen Ansprache das Rer-Tomid anzündele. Rach Rezitirung des dreißigsten Psalins folgte die Weiherede, welche einen tiefen Ein druck auf die Zuhörer .'nachte. In derselben dankte zunächst Herr Rabbiner Galandauer in ergreifenden Worten dem ewig lebenden Erlöser Israels, der uns diesen Tag erreichen ließ und eine neue Heimstätte unserer Geineinde gegründet hat. Dann streifte der Redner die Geschichte des alten Gemeindehauses, an ivelches sich so viele Erinnerungen knüpfen, lvo die Gemeinde ihre Feste gefeiert, ihre Versammlungen abgehalten, ihre Institutionen der Liebe und Wohlthätigkeit in's Leben gerufen, und setzte dann auseinander die Bedeutung und Bestimmung des neucrbauten Hauses als Stätte der Thora, Awohda und Gemilus - Chaßodim. In warnien Worten würdigte der Rabbiner die Verdienste des gewesenen Vorstehers, des Herrn Moses Bloch, die er sich um die Erhaltung der hiesigen Kultusgemeinde erlvorbcn, zur Zeit, als die Rechtsverhältnisse der Kultusgeineindc gesetzlich geregelt umrdeu, und nicht ruhte und rassete, bis die Gemeinde eine ansehnliche Größe erlangte. Ferner dankte der Redner dem jetzgen Kultusvorsteher Herrn W e i n f e l d, auf dessen Initiative der Bau des neuen Gemeindehauses beschlossen und ausgeführt ivurde. Ihn: zur Seite stand Herr Fabrikant Adolf Bloch als Fachkundiger, damit das neue Gemeindeheim auf's Zweckinäßigste eingerichtet sei. Indem der Festredner den Segen Gottes herabflehte auf die gesummte Gemeinde-Repräsentanz, auf alle Mitglieder der Geineinde und auf ganz Israel, schloß die erhebende Teicr. Das neue Gemeindehaus revräsentirt einen stattlichen Bau und ist eine Zierde des hiesigen Ortes. Schweiz. Bafel, Jan. (D i e A u s h e b u n g d e s S ck: ä ch t v e r b o,t s.) Als ob zu politischem Hader nickck bereits genügend Stoff vorliege, wird von Basel ans eine Volksinitiative angeregt, die unter Umständen viel Leidenschaft entfesseln wird. Mit 191,027 gegen 127,101 Stimuren hat am 20. August 1893 das Sebweizervolk ein Initialivbegehren gutgeheißen, wodurch der Bundesverfassung ein neuer Artikel mit dem Verbot des jüdischen Scbächtens beigefügl wurde. Wie n:an nun aus sicherer Quelle berichten kann, trägt man mb in leitenden jüdischen Kreisen Basels mit der Absicht, aus dev: gleichen Wege, aus dev: das Verbot durchgesetzt wurde l durch Sammlung von 00,000 Unterschriften) dessen Aufhebung zu erwirken. Zu diesem Zwecke ist an Führer der katholisch-konservativen Partei der Schweiz die vertrauliche Anfrage ergangen, ob sic zu einer derartigen Bewegung ihre llnterstätzung leihen wurden. Die Antwort fiel bejahend aus; doch macht die in Freiburg erscheinende „Liberte", das Organ des aus dem Universtiätsstreite bekannten Staatsrathcs Pvthon, den Vorbehalt, daß auch die anderen Artikel der Vundesverfassung, welche die Glaubens- und Kultusfrc-.heit einfchränten, fallen müßten. Es ist klar, was hierunter zu verstehen ist. Da zur Zeit an eine Aufhebung des Jesuitenartikels gar nicht zu denken ist, so wurde die bedingte Zusage des Freiburger Blattes