Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 3 (8.1.1900)
- Date
- 1900-01-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449053--49833-2500282- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
51 CH. Bloch, der Amtsnachfolger des Verewigten, Rabbiner Blum, u. a. m. Diese beiden Herren hielten Ansprachen, wobei sie die Verdienste des Verblichenen hervorhoben und ihm warme Worte treuen Gedenkens nochriefen. Die Versammlung war von diesen zu Herzen gehenden Worten tief ergriffen. Die zahlreiche Betheiligung und aufrichtige Theilnahme an dieser Feier ließ die allgemeine Beliebtheit des leider zu früh Heimgegangenen Mannes erkennen. Aus Baden. Auf ersten Januar 1900 wurde von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog an viele sich durch Verdienste ausgezeichneten Personen Orden, höhere Aemter und Titel verliehen, worunter sich eine ziemliche Anzahl von Israeliten befinden. In erster Reihe wurden vier Mitglieder des Großh. Qberrathes ausgezeichnet, Herr Regierungsrath Dr. Mayer wurde zum Geheimen Regierungsrath ernannt und die Herren Bankier und Stadtrath Fritz Hamburger, Kaufmann und Handelsrichter Leopold E t t l i n g e r , und Bezirks- und Conferenzrabbiner Dr. Appel mit Orden verliehen. Es erhielten ferner Orden: Die Herren Kammersänger Rosen b erg, Hofschauspieler Wassermann und Landsgerichtsrath Dr. Jul. Heinsh e i m e r, sämmtlich in Karlsruhe, die Herren Landgerichtsaffeffor Jakob G e i ß m a r wurde zum Landgerichtsrath und Notar Emil Edesh eimer in Gernsbach zum Range eines Oberamtsrichters ernannt. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Prag, 3. Jan. (Vorführung des Abgeordneten Baxa vor den Untersuchungsrichter.) Nach der Veröffentlichung der Masarykschen Broschüre über die Nothwendigkeit der Revision des Polnaer Prozeßes publicirte der radicaljungczechische Abgeordnete Dr. Baxa in einigen czechischen Blättern eine Antwort auf diese Arbeit. Die Staatsanwaltschaft erblickte in dem Inhalte dieser Erwiderung das Vergehen nach Artikel 8 des Gesetzes vom 17. Dezemb. 1862 (Erörterung anläßlich einer noch im Zuge befindlichen Strafverhandlung) und leitete deßhalb gegen Dr. Baxa die strafgerichtliche Untersuchung ein. Derselbe wurde zweimal vorgeladen, weigerte sich jedoch, der Vorladung Folge zu leisten. Nun erschien in seinem Bureau ein Gerichtsdiener, um ihn dem Untersuchungsrichter vorzuführen. Dr. Baxa begab sich in dessen Begleitung zum Untersuchungsrichter, verweigerte dort jedoch jede Antwort, sowohl bezüglich der Generalien, als auch bezüglich des Strafsalles selbst, worauf er sich entfernte. Karlsbad. (2 5 jähriges Jubiläum des Kultusvorstehers Herrn Ludwig M o - s e r.) Die Israeliten der hiesigen Kultusgemeinde feierten am Samstag, den 30. o. M., ein seltenes und schönes Fest. 25 Jahre sind es, seitdem ihr Vorsteher, Herr Fabrikant Ludwig Moser, zu diesem Ehren-, amte gewählt wurde, und während eines ganzen Vierteljahrhunderts hat er dieses Amt ununterbrochen und zur vollsten Befriedigung seiner Gemeindemitglieder ausgeübt. Unter diesen Umständen ist es nicht zu verwundern, daß die Anregung des Vorstandes, den 30. Dezember als Jubiläumstag zu feiern, bei den gefammten israelitischen Gemeindemitgliedern zustimmend begrüßt wurde, und genannter Samstag wurde zu einer Ovation benützt, die für den Jubilar sowohl, als für den Frieden, der unter den hiesigen Israeliten herrscht, ein beredtes Zeugniß liefert. Frankreich. Nizza. Raphael Bischofsheim, Mitglied der französischen Kammer, wo er einen Bezirk des Departements der Seealpen vertritt, hat bekanntlich hier eine große Sternwarte erbaut, die er seit längerer Zeit vollkommen erhält. Um dieses Werk vollständig zu sichern, hat Bischofsheim das Grundstück nebst allen Gebäuden und Instrumenten der Pariser Universität geschenkt und noch ein Kapital von 2s/> Million Franc hinzugefügt, aus dessen Zinsen alle laufenden Unkosten bestritten werden können. Die Sternwarte in Nizza hat sich bereits in der wissentschaftlichen Welt einen recht ansehnlichen Namen zu erwerben gewußt. Rußland. Petersburg. Zu wiederholten Malen haben die jüdischen Kolonisten in den Gouvernements Cherson u. Jekaterinoslaw petitionirt um die Erlaubniß, die ihnen gehörenden Grundstücke, welche für die angewachsenen Familien viel zu klein sind, durch Kauf vergrößern zu dürfen. Die Regierung hat bisher diese Erlaubniß immer verweigert auf Grund angeblicher schlechter Berichte über die Entwicklung dieser jüdischenKolonien. Jetzt hat der Minister für Ackerbau, Geheimrath Aermolow, seinen Sekretär A. Jelatschitsch in die Kolonien entsendet, um deren wirkliche Lage kennen zu lernen. Diesmal lautet der Bericht anders: Jelatschitsch läßt dem Fleiß, der Ausdauer und der Geschicklichkeit der Kolonisten Gerechtigkeit widerfahren und konstatirt, daß sie trotz der schweren Ungleichheiten, unter denen sie zu leiden haben, doch mit Erfolg den Boden bestellen. In Folge dieses günstigen Rapportes hat der Minister entschieden, die erbetene Erlaubniß jetzt endlich zu bewilligen. Odessa. Eine Nummer des „Odefsky Listok" brachte folgenden Artikel über einen kürzlich in Wien in der Bküthe seines Alters und in Erfüllung seiner Pflicht jäh dahingerafften russisch-jüdischen Arzt Dr. Boris Fanjoung: „In Wien starb vor Kurzem der russische Arzt Dr. Boris Fanjoung; er fiel als Opfer seines Berufes. Mit Aufopferung pflegte er die kranken Kinder, steckte sich von ihnen an und starb. Ist das nicht die Heldenthat der Menschenliebe, soll man nicht über einer solchen That in die Zeitungsglocken läuten lrnd die Gesellschaft auffordern, dem Verewigten alle gebührenden Ehren zu erweisen?Ueber das schreckliche. grauenhafte Verbrechen des Arztes Schatunowsky brachte man telegraphische Mittheilungen, man schilderte sogar das curiculum vitae dieses Arztes, man