Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-01-08 · Heft 3 (8.1.1900) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 3 (8.1.1900)
Date
1900-01-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449053--49828-2500277
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

46 in dem Reiche Meneliks noch Falaschas oder Juden gebe. Er behauptete, unter König Johannes seien sie alle zum Christenthume übergegangen, auch habe eine Pest vor acht oder neun Jahren den Rest der Gemeinde fast völlig vernichtet, was noch übrig geblieben sei, habe sich mit den Christen ganz vermischt. Diesen Aeußerungen des abessinischen Würdenträgers stehen aber die Informationen schnurstracks gegenüber, die Dr. Rappaport von anderen Abessiniern erhielt, die zur Zeit in Kairo sich aufhielten, und aus denen hervorgeht, daß Falaschas in Gondar leben. Es scheint nach alledem, daß das officielle Abessinien es ungern sieht, daß die europäischen Juden mit den Falaschas in Verbindung zu treten gedenken u. Dr. Rappaport wird eine schwierige Mission zu erfüllen haben, um mit unseren dortigen Glaubensgenossen Verbindungen zu erreichen. Rußland. Petersburg. (Die „Gleichberechtigung der Jude n".) In der russischen Armee hat es, so viel bekannt ist, niemals Offiziere jüdischer Konfession gegeben. Bei dem früheren Rekrutirungssystem war dies auch selbstverständlich. Die Personen der steuerpflichtigen Stände, die leibeigenen Bauern, konnten selbstverständlich keinen Anspruch auf Offiziersposten erheben, die naturgemäß dem Adel und den privilegnten Ständen zufielen. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht brachte zunächst in Bezug auf die Juden keine Aenderung.Jn die Kadettenkorps werden Juden nicht ausgenommen, und diejenigen Juden, die in Folge ihrer höheren Bildung zu dem Freiwilligendienst berechtigt sind, dienten ihre Zeit ab und schieden dann aus dem aktiven Dienst. Die letzten Jahre haben indesien einige Aenderungen gebracht, welche, wenigstens theoretisch, die jüdischen Freiwilligen zu dem Ansprüche auf den Rang von Reserveoffizieren berechtigt erscheinen lassen. Es werden jetzt nämlich alle diejenigen Personen, welche als Freiwillige erster Kategorie ihr Jahr abgedient haben, während der Zeit, in welcher sie der Reserve angehören, zweimal zu je sechswöchentlichen Uebungen einberufen, um, wie der Gesetzgeber sagt, eine regelrechtere und zweckmäßigere Vorbereitung für die Erfüllung der Obliegenheniten von Subalternoffizieren zu Kriegszeiten zu erhalten. Da nun der Gesetzgeber zwischen den Freiwilligen der christlichen Confessionen u. des mosaischen Glaubensbekenntnisses keinen Unterschied macht, so ergibt es sich der Theorie nach, daß auch die jüdischen Freiwilligen nach Absolvirung ihrer sechswöchentlichen Uebungszeit zu den Prüfungen zugelassen werden müßten, welche für die Beförderung zum Range eines „Fähnrichs der Reserve" festgesetzt sind. Indessen ist in diesem Jahre, wo die erwähnten Regeln zum ersten Mal zur Anwendung gelangten, kein einziger jüdischer Freiwilliger zum Fähnrich der Reserve befördert worden, ja, die jüdischen Freiwilligen sind überhaupt nicht einmal zu den für diese Beförderung festgesetzten Prüfungen herangezogen worden. Innerhalb der jüdischen Gesellschaft fragt man nun, warum, wenn bei der Leitung des Militärressorts eine solche Absicht bestanden bat, die jüdischen Freiwilligen zu den sechswöchentlichen Uebungen herangezogen sind. Doch glauben wir nicht, daß derartige Fragen zu irgend welchen sichtlichen Aenderungen führen werden. In früheren Zeiten, z. B. noch vor zwanzig Jahren, war in der russischen Armee wenigstens das Kontingent der jüdischen Militärärzte ein verbältnißmäßig recht großes. Dieselben sind jetzt, wo die Militär-Medizinische Akademie in Petersburg das Gros der Mlitärärzte liefert, ganz auf den Aussterbeetat gesetzt. — (D i e Hebräer und die Wehrpflicht.) Der allgemein verbreiteten Meinung, daß viele Juden sich der Wehrpflicht sich entziehen, tritt der „Woschod" mit officiellen Daten entgegen. Das hebräische Blatt gibt zu, daß in der ersten Zeit nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht wohl unter der jüd. Bevölkerung Fälle der Entziehung der Militärpflicht vorgekommen seien, nachher aber die Lage sich vollständig verändert habe. Bis vor Kurzem haben, wie man aus den angeführten Daten ersieht, die Juden ein größeres Prozent Rekruten gestellt, als je eine der anderen Nationalitäten. Im Jahre 1894 wurden von je 100 Juden 30,31 Rekruten, von 100 Personen anderer Konfessionen jedoch nur 28,64 Rekruten ausgehoben. Die Daten vom Jahre 1898 weisen ein noch größeres Prozent der von den Hebräern gestellten Rekruten gegenüber den anderen Nationalitäten auf. Auf Vorstellung vieler Gouverneure hat der Minister des Innern eine Anordnung zur gleichmäßigen Vertheilung der Zahl der auszuhebenden Rekruten auf alle Nationalitäten getroffen, wodurch die Anomalität auf Seiten der Juden sich ausglich. Literarische Notiz. Posen. In seinem interessanten und beachtungswerthen Aufsatz über den „vermeintlichen heiligen Leuchter*) hat Herr Dr. Grünhut — Jerusalem eine sprachliche Bemerkung eingeflochten, die der Berichtigung bedarf. Er will die Bedeutung des neuhebr. pD feststellen und setzt es, dem Targum zu IV, 31, 22 folgend dem bibl. msy gleich. „Aber dieses bedeutet „Blei" und nicht „Zinn". In Wirklichkeit ist pn jedoch nicht Übersetzung zu mey, das die Targumim mit '“ex wiedergeben, sondern zu tym, wie auch Arucli aus dem Palästinensischen Targum zitiert. In Onkelos lesen unsere Ausgaben xntnx, eine Form, die 0 für „entschieden falsch" erklärt, wahrscheinlich, weil diese Form sich sprachlich schwer erklären läßt. Aber sprachliche Schwierigkeiten allein berechtigen noch nicht zur Verwerfung sonst unverdächtiger Wörter. Und xa«x ist mehr, ist gut bezeugt. So lesen (nach Levy Chald. Wörterb. 6 b) *) Spendeverz No. 9 10 ~ (Gv ): Extrabeilage zu No. 97.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.