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Der Israelit · 1900-01-08 · Heft 3 (8.1.1900) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 3 (8.1.1900)
Date
1900-01-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Handschriften, Ausg. Constantinop. (1547), Ausg. Lissabon (1491) so liest auch Ai uch (px); allerdings hat Ausg. Sabionetta — und danach auch die von Herrn Dr. Berliner veranstaltete (Berlin 84)— 822p. Jedenfalls berechtigt^ uns nichts, die Lesart 8228 zu verwerfen. Der Schlüssels zur sprachlichen Erklärung bietet uns vielleicht eine Variante im Arucli. Daselbst <pv2> wird als Übersetzung des biblischen b'12 in „unserm Targum" (also Onkelos) die Form 8i>228 erwähnt. Es erscheint hier also das westaramäische pv2 in V22 transponiert und mit dem Vorsatz von 8 versehen, und aus dieser Form konnte leicht durch Ausstoßung des v unser X228 entstehen. Man kann übrigens auch umgekehrt V22 (8) als Grundform an nehmen, aus der erst durch Umstellung pn gebildet worden. Dann stände es als Ableitung von 722 „abbrechen" auch etymologisch dem Worte >12 (von b-c „trennen, scheiden") nicht fern. Dr. S. Mannes. Feuilleton. Ex odio fidae. i U o t i f e E 1? h l tt n g ’V Von SRattfia# Kisch, Prag. Pater Guilielmi Duorsky, der gleich darauf beim Rathe eintrat, tvar einer jener Geistlichen am Ende des 17. Jahrhunderts, welche die Religion zu einem Deckinantel ihrer Unduldsamkeil, ihrer Herrschsucht und ihres Eigennutzes, machten. Hochmuth und Eitelkeit walteten statt der lvahren Nächstenliebe bei ihnen, und iiber den zähen Stolz und die Hartnäckigkeit, mit der sie an der Erfüllung der äußeren Gebräuche des Cultus hingen, vergaßen sie nur zu sehr die Grundlehren des Evangeliums. Es war daher nicht zu verwundern, daß Bonekamp in dem Prediger ein geeignetes, willfähriges Werkzeug zur Erreichung seiner Pläne erblickte. „Verzeiht, verehrter Herr Rath," sprach der Geistliche bei seinem Eintritt in das Zimmer, „wenn ich Euch störe, allein Ihr werdet mir vielleicht einen Augenblick Eure Zeit leihen, wenn ich Euch mittheile, daß ich Kraft meines heiligen Amtes zu Euch komme und von Eurem Edelmuthe die Gewährung einer Bitte hoffe." „Mit Vergnügen stehe ich Euch zu Diensten, würdiger Herr," entgegnete ihm freundlich Bonekamp, „denn Ihr wißt ja, daß ich nicht zurückstehe, wenn es sich um das Wohl der Kirche handelt. Was wünschet Ihr von mir?" „Es ist Euch bekannt," sagte der Geistliche, „daß im Vorjahre der Pfarrer von St. Gallus in ein besseres Jenseits schied und der hohe Rath der Stadt hat als Kirchenpatron bei der Neubesetzung dieser Stelle das entscheidende Wort; ich habe deßhalb, mit Zustimmung vieler gutgesinnter und frommer Mitglieder des Rathes und derVürgerschaft, um diese Stelle petitionirt und hege zu Euch das Vertrauen, daß Ihr im Rathe meine Bitte durch Euer gewichtiges Fürwort kräftiglich unterstützen möget." „So viel ich vermag, Hochwürden," erwiderte Bonekamp, „bin ich gerne zur Unterstützung Eurer Bitte bereit und ich hoffe, Ihr sollt Euch nicht umsonst an mich gewandt haben. Aber Ihr wißt, eine Liebe ist der andern werth, darum vergönnt, daß ich Euren Rath oder vielmehr Eure Hilfe auch für mich in Anspruch nehme." „Von Herzen gern," rief der Geistliche, erfreut über die ihm gewordene Zusage; „sprecht, womit kann ich Euch dienen, ich bin dazu bereit. Natürlich", setzte er scheinheilig dazu, „wenn es sich mit meinem heiligen Amte verträgt." „Seid deßhalb ohne Sorgen," sprach lächelnd der Rath, „die Kirche hat nichts damit gemein, es betrisst nur meine Familienverhältnisse. Ihr wißt", fuhr er fort, indem er seinen Sessel dem Mönche näher rückte, „daß ich nur einen einzigen Sohn, den Ottokar, habe, der vor mehr als zwei Jahren von der hohen Schule im Auslande zurückgekehrt ist und sich, wie ich glaube, einen tüchtigen Schatz von Kenntnissen gesammelt hat. Bis jetzt zögerte ich noch, ihn in die Arbeitsstube einzuführen, weil ich in ihm keinen Bücherwurm oder Federfuchser sehen wollte und der Meinung war, er solle sich erst seine Hörner abstoßen. Seit kurzem ist ein furchtbares Ereigniß eingetreten. Der Bursche hat sich, höret nur, in die Larve einer Judendirne vergafft, dieses Gezücht hat es mit ihren buhlerischen Künsten dem Ottokar angethan, sodaß er allabendlich zu ihr schleicht, in ihren Armen seine Abstammung vergißt und jeder Zucht und Sitte spottet. Ja. er soll sogar, wie ein Späher aussagt, die Absicht hegen, diese jüdische Buhldirne zum Weibe zu nehmen." „Das wolle Gott verhüten", rief der Geistliche aus, indem er sich geberdete, als erschrecke er vor diesem Gedanken. „Verzeihet edler Herr, das kann ich gar nicht glauben, so weit kann ein ehrlich Christenkind sich nicht vergessen, oder Ihr legt einem scherzhaften Liebeshandel der wohl an sich selbst schon sehr sündhaft ist, eine Wichtigkeit bei, die er sicher nicht hat. Glaubt mir, junges Blut braust zwar auf wie Champagnerwein, allein es verraucht ebenso leicht, wie dieser." „Das glaube ich auch. Hochwürden", sagte der Patrizier, „aber höret nur. Ihr werdet gewiß gehört haben, daß mein seliges Weib eine Frankfurterin war, ihrem Bruder, meinem Schwager, ist es ebenso ergangen, er verliebte sich in eine Judendirne, deren Eltern, höret und staunet, ihn zurückwiesen, trotzdem versprach er sich mit der Jüdin, zog nach Amsterdam, um dort das Judenthum anzunehmen. Gottes Fügung war es, daß diese Schande uns nicht ereilte, Die Dirne verun-

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