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Der Israelit · 1900-01-08 · Heft 3 (8.1.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 3 (8.1.1900)
Date
1900-01-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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45 Zeitungen gedruckt waren, noch andere Urkunden, die sich in gleichem Sinne gegen Blukbeschuldigung äußer ten und wies spcciell auf die Bulle non Pabst Benedict dem Dreizehnten hin. Zwischendurch kam die Rede auf die zionistische Bewegung, von der Marschall erklärte, dag er sie mit großem Interesse verfolge, auch wisse, daß Männer von Bedeutung an der Spitze stehen, aber doch glauben müsse, daß sie die Schwierigkeit der entgegenstehenden Interessen der Katholiken, sonne die der Deutschen unterschätze. Bus die Zwischenbemerkung des Besuchers, daß der Zionismus dies vorausgesehen habe, daher ein Theil des Landes erterritorialisiren wolle, und daß auch der deutsche Kaiser dem Zionisinu-s günstig gegenüber stehe, meinte Marschall: Ich vorig dies alles wohl zu würdigen, aber sie stehen erst am allerersten Anfang, zur Zeit eristirt nichts weiter als eine Anzahl blühender Colonien, deren weitere Ausbreitung man zu hindern bemüht ist. Auf die Frage vom Ritualmord zurückkourmend, ließ der Geistliche seinem Besucher durchblicken, daß er einen Appell an die höchste katholische Autorität empfehle. Indessen auch er war ebensowenig!vie Dr. Pflüger zu einer positiven Erklärung zu bringen. Bor einem solchen Experiment wäre bei den derzeit in Rom vorherrschenden Elementen dringend zu warnen. Prrdapcst. Am 14. Dezember v. I. starb hier im Alter von 94 Jahren Samuel S ckil e s i n a e r, eine interessante Persönlichkeit des alten Ungarn. Im Jahre 48 spielte er eine nicht unwichtige Rolle aus Seiten der Freiheitskämpfer, und ivurdc von dem damaligen Kriegsminister der ungarischen Regierung znm Kommandanten des einzigen Kriegsschiffes ernannt, aus dem die ungarische Marine bestand. Rach dem Friedensschluß zwischen Kaiser u. Bott in Ungarn, er hielt Schlesinger den Posten des Schifssahrtsinspectors für den Bezirk der Donau und ihre Nebenflüsse, voelchen der Verstorbene während vieler Jahre zur Zufriedenheit der Regierung bekleidete. Schlesinger, der seine Laufbahn als Schissszimmermann begann, war der erste in Ungarn, der Berständniß für den Werth der Schifffahrt entwickelte. Lemberg. Hierselbst fand vor einigen Tagen die Einweihung und Eröffnung des als Kaiferjubiläums. stiftung erbauten Altersoerforgnngshanfes in feierlicher Weise statt. Nach wirkungsvollen Ansprachen Sr. Ebrwürden des Rabbiners S ch in e l k e s und Rabbiners Dr. (Ja ro ergriff der Bieeoräsidein der Enltnsgemeinde Dr. S ch e f f das Wort, betonte in beredter Weise die hervorragende Wichtigkeit der Altersversorgung, hob die Verdienste des Oberingenieurs und Cultusvorstehers Emil von M i f e S um den wohlgelnngenen Entwurf des Gebäudes, sowie des aus dem Genannten, dem Präsidenten der Enltnsgemeinde Dr. Emil Bht, dem Burschenden des Spitalrathes Dir. Lazarus, Baumeister S i l b e r st e i n und den Herren H e f ch e l e s , Ruß in a n n und K u r z e r zufamniengefetzten Baukomitees hervor, dankte den Familien B u b e r und K t a r f e I b für ihre Beiträge znm Ban dieses Hauses und schloß mit einem dreifachen Hoch ans Se. Majestät den Kaiser, in welches die Versammelten begeistert einstimmten. Die schöne Feier schloß mit der vom Tempelchor vorgetragenen Kaiserhymne. Der Ban enthält Schlafsöle für 60 Greise, eine aus zwei Sälen bestehende Synagoge, einen geräumigen Speisesaal, sowie eigene Bäder. Alle Räume sind luftig und hell und fand der von den Herren Ingenieurs Fleischt und Galt ausgeführte Bau seitens der zur Feier Erschienenen allgemeine Anerkennung. Aus Mähren. Wiewohl unter den Glaubensgenossen unseres Landes die betrübende Erscheinung zu Tage tritt, daß die überwiegende Mehrzahl dem altväterlichen Glauben entfremdet ist, so gibt es doch einige Gemeinden, in welchen noch dem traditionellen Judenthum gehuldigt wird. Den ersten Rang unter diesen Gemeinden scheint Ung.-Brod zu behaupten, denn nirgends in ganz Mähren gibt es so viele Conservative, welche mit seltener Zähigkeit dem orthodoxen Judenkhuin treu geblieben sind. Der Dank für diese erfreulicye Erscheinung gebührt in erster Linie dem Rabbiner Dr. I u n g, ein Mann, der neben weltmännischer Bildung eine nngehcnchelte Frömmigkeit bethätigt, ein Mann, der >veder Zeit, Mühe, noch Kosten scheut, um seine ronseroatrven Lehren zum Durchbruche zu bringen. R'ach dem Vorbilde des großen Samson Raphael Hirseb gab er hier den Impuls zur Gründung eines jüdischen Gymnasiums, welches sich jedoch leider wegen der geringen Anzahl der Frequenten nach einigen Jahren auslöste. Trotz des Mißlingens dieses Werkes denkt ewieder daran, eine jüdische Bürgerschule zu gründen, von der Anschauung ausgehend, daß die Kinder nicht allzufrüh in die Großstadt gehen sollen, weil sie daselbst durch das böse Beispiel dem väterlichen Glauben enEremdet werden. Ob dieses Werk gelingen wird, ist noch zweifelhaft, da zu einem solchen Unternehmen Geld iwthwendig ist, dessen Beschaffung von der Opserwilligkeit unserer Glaubensgenoffen abhängig ist. Die Einrichtungen und die Gebräuche in den Tempeln sind namentlich im Bethause der Orthodoxen ganz conservatiocr Nat'ir. Die Grabinschriften ans dem Friedhofe sind rast durchwegs hebräisch. Auch die Erscheinung, daß in der Schaß Cbewrah viel Talmud gelehrt wird, zeigt, mte stark in dieser Gemeinde der Eonservatismus vertreten ist. Möge das Beispiel dieser frommen Geineinde überall dort, wo unsere Glaubensgenossen ansässig sind, Nachahmung finden. Frankreich. Paris. Das „Unioers israelite" veröffentlicht eine Unterredung, welche Dr. S. Rappaport, der junge jüdische Gelehrte, der i'.n Aufträge der „Alliance israelite universelle" auszieht, die Falaschas in Abessinien zu besuchen, in Kairo mit einem zur Zeit gerade dort anwesenden Würdenträger der abessinnischen Kirche gehabt bat. Leider hat diese Unterredung ein ganz negatives Resultat gehabt. Der Afrikaner leugnete, daß es

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