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Der Israelit · 1900-01-04 · Heft 2 (4.1.1900) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 2 (4.1.1900)
Date
1900-01-04
Page
– (sequence 19)
Language
German
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35 öffentlich! wurde, war es dem Schreiber dieser Zeilen klar, daß eine ganz bedeutende Persönlichkeit hinter diesem Pseudonym sich verberge. Daß er sich in seiner Annahme nicht getäuscht habe, hat sich als evident er wiesen; denn Autor dieser Arbeit ist kein Geringerer als Herr Abraham Singer, Bezirksrabbiner zu Var- Palota. Wie freudig ist es zu begrüßen, daß die Rabbiner und Gelehrten des überlieferten Judenthums sich nicht mehr von der Geschichtsforschung zurückziehen, sondern sich in die Geschichte des jüd. Volkes vertiefen und durch objectives Forschen zu dem Resultate gelangen, daß auch die Geschichte auf Seite des tradit. Judenthums steht. Schon das Motto, das er seinem Werke vorausschickt, ist für seine ganze Richtung kennzeichnend Wo viel Freiheit, ist viel Jrrthum, Doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht. „Alles führt zum Guten." Dieses köstliche Wort unserer Alten drängt sich uns auf, wenn wir uns an die Entstehung dieser Broschüre erinnern. Die Geschichte ist folgende. „Es ergriff den bisher ivenig gekannten und wenig genannten Rabbiner der neol. Gemeinde zu Arad der Dusel, „in Reform" „von sich reden zu machen" und kam auf den hochkomischen Einfall, den Mischehen — welchen wohl auch er den „rituellen Beistand" (vorläufig noch) versagt — in den geweihten Hallen des Araber Tempels unter schmetterndem Chorgesang und brausendem Orgelklang ohne NO'n und ohne pe»rp in salbungsvoller Predigt den „Segen" zu ertheilen." Und wie recht treffend bezeichnet der Verfasser diese Manie. Lassen wir ihn selber sprechen: „Mit Luther kokettiren, mit Holdheim liebäugeln und dabei mit dem biblisch-rabbinischen Judenthum es nicht offen verderben wollen; hierin kulminirt die Tendenz dieser Comödie." Ja, hätte nicht Herr Alexander Rosenberg die tolle Idee gehabt, seinen komischen Einfall mit der Autorität des Pariser Synhedrion zu decken, wir hätten der gediegenen Arbeit des Herrn Verfassers entbehren müssen. Um uns nicht undankbar zu erweisen, wollen wir Herrn Rosenberg unsere verbindlichste Erkenntniß bezeugen. Das Hauptverdienst des Verfassers ist, daß er durch seine emsige Sammelarbeit das Wesen des Pariser Synhedrion richtig beleuchtet hat und wir uns mit ruhigem Gewissen dein Verfasser anvertrauen können. Eine hoch anzurechnende That ist es ferner, wie er uns nachweist, daß dem Herrn Jost nicht zu trauen ist. Wenn auch Jost's Geschichte der Juden ad acta gelegt worden ist, so war es noch keinem eingefallen, zu glauben, Jost habe wissentlich wohlverstanden nicht subjektiv gefälscht. Der Verfasser zeigt uns, wie Jost aus der Erklärung des Synhedrion das Wörtchen „bürgerlich" ausläßt, wodurch der Sinn ein ganz andersartiger wird. Wenn auch das Synhedrion durch den Druck, der auf ihm lastete, einer gewundenen Ausdrucksweise sich bediente, so geht immerhin deutlich genug daraus hervor, daß das Synhedrion eine Mischehe zwischen Juden und Nichtjuden als religiös unstatthaft erklärte. Was an der Arbeit vielleicht zu bemängeln wäre, ist die Menge von Randglossen, die, so sehr sie von des Verfassers Gelehrsamkeit im jüd. Fache, als auch gründliche Belesenheit in der Fachliteratur, in den alten und deutschen Klassikern zeugen, in sehr losem Zusammenhänge mit der eigentlichen Sache stehen. Damit will nicht gesagt sein, daß diese für den Leser minder werthvoll sind. So sind z. B. von Interesse die Belege für die zur Zeit des Talmuds zum größten Theile herrschende Monogamie. Der gelehrte Verfasser hat aber eine der besten Stellen, die offen für Monogamie spricht, wahrscheinlich übersehen. Mein verehrter Lehrer Herr Rabbiner Dr. Horowitz—Frankfurt a. M. hält diese Stelle für eine der wichtigsten. man? n n*:: mr vuj w tc mmro .131 vun m inrx n mr smns urm'rr swj Einem Jeden, der sich ein objectives Bild über die Entscheidung des Pariser Synhedrion verschaffen Ivill, sei diese Broschüre bestens empfohlen, zumal er ja gleich ein gemeinnütziges Werk vollführt, denn der Verfasser widmet den Reinertrag einem wohlthätigen Zwecke. Zu wünschen wäre es, daß der Verfasser die beiden anderen Theile, Braunschweig und Arad, die schon druckbereit, uns nicht allzu lange vorenthalten' möchte. G. E. Einst und jetzt in der jüd. Wissenschaft. Von Dr. jur. Albert Nacht—Jassy 1899. Diese Schrift verdient es, im „Israelit" besprochen zu werden, da sie uns den Beweis liefert, daß die studirende russische Jugend den Weg zur alten angestammten Mutter Religion wiedergefunden hat. Dies ist das religiös-ethische Moment. Was aber noch in Betracht kommt, ist, daß der Verfasser für Herrn Halevy, der so viel wegen seines epochemachenden Werkes „Doroth Harschonim" von sich reden macht, die Lanze bricht. Herr Halevy will von der bisher üblichen Annahme, daß der Talmud 4260 abgeschlossen worden sei, abgehen und das Jahr 4233 an dessen Stelle setzen. Dadurch hat er sich die Feindschaft des Herrn Epstein, Verfasser von awn mips zugezogen. Derselbe machte seiner Aufregung Luft, indem er in der Revue des Etudes juives eine unwissenschaftliche Kritik über Halevy erscheinen ließ. Herr stud. jur. Nacht hat die Unhaltbarkeit der Einwürfe Epsteins treffend nachgewiesen. In seiner Einleitung schildert der Verfasser, wie vor hundert Jahren man von einer jüd. Wissenschaft (im modernen Sinne der Geschichtsforschung) kaum etwas wußte. Dann kamen sie, Zunz, Luzatto, Rappaport, Krahmal, Frankel, Grätz und begründeten eine jüd. Wissenschaft. Mit Ausnahme von Zunz und Luzatto gingen sie mit vorgefaßten Meinungen an die Erforschung heran und thaten Alles, um diese Anschauungen in ihre an sich schon

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