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Der Israelit · 1900-01-04 · Heft 2 (4.1.1900) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 2 (4.1.1900)
Date
1900-01-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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dürftig, cs feien nur 4V> Antworten eingegangen. Doch seien alle einheitlich bezüglich der Mangelhaftigkeit der im Gebrauche befindlichen Lehrbücher, speziell der Re ligionsbücher. Sehr treffend stelle sich das Urtheil dar. daß wahrhaft jüdische, ans eigenem Mutterboden entsprossene Lehrbücher gänzlich fehlen. Wie groß die Misere sei. gebe daraus hervor, daß 17 verschiedene Lehrbücher für biblische und nachbiblische Geschichte in den Antworten angegeben worden seien. Roch interessanter sei das Moment, daß eine Anzahl Kollegen in Geschichte auch in den oberen Klassen nach Diktat unterrichteten, lvas er geradezu für eine pädagogische Unmöglichkeit halte. In der Religion seien 15 Lehrbücher in Gebrauch u. zehn Herren unterrichteten nach Diktat. Das Letztere weise darauf hin. daß die unterrichtenden Herren überzeugt seien, daß die vorhandenen Bücher nicht zu verwenden seien. Er könne sich der Ansicht Einzelner nicht anschließen, daß eine Vielheit von Lehrmitteln zweckmäßiger sei. weil dadurch ein edler Wettbewerb stattfände. Ein einheitliches Religionsbuch einzuführen, halte er für unmöglich, weil der Rabbinerverband dasselbe nicht mit seinem Namen decken könne. Vielleicht werde später einmal eine größere Annäherung der Parteien erfolgen, so daß dieser Plan ausgeführt werden könne. Er empfehle jedoch die Herausgabe eines einheitlichen Lehrbuches für biblische und nachbiblische Geschichte. Der jeweilige Parteistreit dürfte nicht in die Lehrbücher hineingetragen werden. G u t t m a n n - Breslau ist der Ansicht, daß die Herstellung eines allseitig befriedigenden Religionsbuches von der tieferen Bearbeitung der Religionswissenschaft abhänge, ein Zweig, der in der modernen Wissenschaft nur vereinzelt zur Darstellung gelangt sei. Dieser Mangel gereiche dem Judenthum nicht zur Ehre, und die gewaltige Aufgabe harre noch auf ihren Loser. Um eine jüdische Geschichte für die Schulen auszuarbeiten, müsse man die Quellen kennen. Eine Commission für diesen Zweck zu ernennen, sei nicht so einfach, da in derselben nur wissenschaftlich gebildete Männer sitzen dürften. Vogelst e i n - Stettin hält die Erledigung dieser Frage ebenfalls nicht für leicht. Die Ansichten gingen zu weit auseinander über das, was wünschenswerth und was nicht wünschenswerth sei. Ein einheitliches und vollkommenes Buch werde sich kaum Herstellen lassen. In anderen Fächern sei es auch den Leitern der Schule freigestellt. welches Lehrbuch sie einfllhren wollen. Wenn man nur dahin wirken konnte, einige unzureichende Bücher auszuscheiden, so wqre damit schon ein großer Gewinn erzielt. Das Geschichtsbuch habe doch nur seinen Werth darin, daß die Kinder ein Nachschlagebuch hätten. Bei weitem wichtiger sei es. gute Bücher für die Lehrer zu haben, da man auch an diejenigen Lehrer denken müsse, die nicht Rabbiner seien und von denen man eine Kenntniß der Religionswissenschaft nicht erwarten dürfe. Nach seinem Dafürhatten sei es richtiger, einen Lehrplan zu entwerfen und einige gute Bücher für die Lehter zu verfassen. Prager- Cassel vertritt die Ansicht, daß sich die Frage des Rundschreibens, wie sich ein Buch bewährt habe, in dieser Form überhaupt nicht beantworten lasse. Zur Abfassung des Buches fehlten vor allen Dngien die ersten Vorbedingungen. Der Religionsunterricht sei gewissermaßen subjeciiv und müsse aus dem pädagogischen Verständnis; des Lehrers hervorgeben. Gesetzt nun auch, daß das Beste erreicht werde, so seien doch auch Lehrer vorhanden, die nicht Rabbiner seien. Wie würde sich hierzu der Lehrerverband stellen, da doch die Autorität des Rabbinerverbanves nicht ausschließlich auf pädagogischem Gebiet liege. Er mochte daher Vorschlägen, die Frage dilatorisch zu behandeln. Bei allem Vertrauen in die besten Kräfte unter den Verbandsmitgliedern werde man das erstrebte Ziel nicht erreichen. H o r o v i tz - Frankfurt kann sich den Bedenken Pragers nicht anschließen. Die Schwierigkeiten würden die Herren, die etwas schreiben wollen, schon selbst einsehen. Für ihn habe schon der Plan etwas sehr Sympathisches, auch wenn er nicht so gut gelinge. Was einige als erwägende Pädagogen so schwer fänden, würde einer, der sich mit Pädagogik nicht beschäftigt hätte, sehr leicht ausführen können. Der deutsche Rabbinerverband werde hierdurch seiner Autorität keineswegs schaden, da die Verfasser ihre Individualität nicht zu Gunsten des Verbandes wegwerfen würden. Werner- München schlägt vor, die Sache zu vertagen. Eine Commission könne weder ein Religionsnoch ein Geschichtsbuch herausgeben. Rabbiner Dr. Groß- Augsburg habe bereits zwei Drittel seines Geschichtsbuches für die höheren Klassen feruggestellt. Das Buch sei eine wunderbare Leistung, vielleicht etwas zu weit nach rechts gehend. Sämmtliche bayrische Rabbiner seien darin einig, daß dieses Buch obligatorisch in allen Gymnasien und Realgymnasien werde eingeführt werden. Er glaube, Groß habe es wirklich verstanden, kraft seiner religionsphilosophischen Begabung, die vorhandenen Fehler zu vermeiden, und er bitte daher, bis zur Fertigstellung dieses Buches zu warten. C o h n - Kattowitz ist vorläufig gegen die Abfassung eines Lehrbuches, zu dem noch viele Vorarbeiten, wie z. B. die Feststellung des Stoffes nothwendig seien. Trotzdem halte er es für sehr wichtig, einer Commission die weitere Verfolgung dieses Planes zu überweisen, der ja innig mit der Frage des obligatorischen Religionsunterrichtes Zusammenhänge. G u t t m a n n - Breslau gibt zu, daß die Herausgabe eines Geschichtsbuches selbstverständlich nur freudig zu begrüßen sei. Doch dürfte der Rabbinerverband nicht den Auftrag geben, da er damit eine Verantwortung übernehme, die er nicht tragen könne. Referent Dr. Kopfstein hält die in dem Rundschreiben gestellten Fragen nicht für so schwierig, um sie nicht sofort beantworten zu können. Die Commission werde selbstverständlich die vorhandenen Bücher benutzen müssen, in denen man genügend pädagogische Quellen und Erfahrungen hätte. Der Gegenwart hafte leider der große Fehler der Kritik an. Ein Schulbuch bedürfe gar nicht so großer Gelehrsamkeit. Er behaupte entschieden, daß ein Geschichtsbuch durchaus gut sein müsse, wenn es auch nicht gerade von einem Historiker,

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