Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 2 (4.1.1900)
- Date
- 1900-01-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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u „Also eine Judendirne?" unterbrach der Rath die letzte Bemerkung. „Uebrigens kenne ich dies Mädel, ihre Mutter Leah ist die Hausjüdin meiner Schwester, seitdem die Alte krank ist, kam die Dirne oft ins Haus, das Mädel ist nicht übel, und nachdem es nur eine Jüdin ist, bleibt die Sache ungefährlich," sagte dieser wie zu sich selbst, wandte sich dann zu Kawka, der mit Staunen u. Furcht seinen Lohn zu verlieren, das kurze Selbstgespräch des Rathes mit angehört hatte, „wistt Ihr sonst noch etwas?" Nun erzählte Kawka rasch den Inhalt des erlauschten Gespräches, Einiges hinzusetzend und scharf pointirend. Bonekamp hörte mit wachsender Aufmerksamkeit die Mittheilung des Angebers an, sein Gesichtsausdruck nahm zum Schlüsse, als er von seines Sohnes Plan, dem Amsterdamer Onkel sein Geschick anzuvertrauen, hörte, einen finsteren, abschreckenden Ausdruck an. „Also dem Oheim will er sich anvertrauen?" rief der Rath in höchster Aufregung; „meinem liebenSchwager, wohl, der Bursche verstehet seine Sache, dieser Judenfreund wäre im Stande, ihm diese Dirne an den Hals zu werfen, oh, den kenne ich, nun, dann ist es weit genug gekommen, und es ist höchste Zeit, daß ich handle. — Vernahmt Ihr noch mehr?" „Nur wenige Worte wurden noch gewechselt und eine Zusammenkunft am Freitag verabredet." „Genug, Mann," unterbrach ihn der Rath, „Ihr habt Eure Sache gut gemacht, bleibet auch ferner auf der Lauer und haltet Ohr und Auge offen. Was Ihr sehet und höret, theilt mir sofort mit und reicher Lohn soll Euch dafür werden, vorläufig nehmt dies auf Abschlagszahlung." Nach diesen Worten überreichte er dem Kundschafter einen mit Geld gefüllten ledernen Beutel, den dieser schmunzelnd einsteckte und dabei nicht unterließ, nebst dem Danke für solche Freigebigkeit, auch seinen unermlldlichen Diensteifer zu versprechen._ Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montan* and Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehr! durch V. Zf. Sieinacker, Leipzig, Notzplatz J6. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclainetheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder l6 Kronen österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3863. Telephon 315. «ine Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuscripte findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehatten Stellensuchende erhalten auf Wunsch die Inseraten Beilage vier Wochen lang gratis und franco zugesandt. Ebenso stunden wir auf Wunfch die Zahlung d-S JnsertiouSbetragS an außer Stelle Befindliche bis _»ach Erlangung einer solchen. __ Aeetzatt (Hauptdlattl Leitender Artikel: Realismus und Idealismus. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Au4 Sachsen-Weimar. Fürth. Oesterr.-Ungar- Monarchie: Wien. Au- Oberungarn. Palästina: Jerusalem. Australien: Melbonrne. — Feuilleton: Ex odio fidae. (Fortsetzung). Anhalt dev erste» Beilager Leitender Artikel: Central-Ausschuß des Rabbinerverbandes in Deutschland. Inhalt der zwriten Beilage: Leitender Artikel: Tie Emanzipation der Juden in Frankreich. — Literarische Umschau. — Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen: Deutschland: Aus dem RabbinatSbezirk Breiten. Affenheim. Verantwortliche Redaction: Oscar-LeHmann in Mainz. — Expedition deS .Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Drilik und Verlag der Job. Wlrth'schen Hofbuchdruckerei Actien Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen. „Lasst die Worte, Thaten sind mir lieber! Gehet, ich will jetzt allein sein." Kawka beeilte sich, dem erhaltenen Befehle zu gehorchen und verließ hurtig das Zimmer, in welchem der alte Bonekamp in gewaltiger Aufregung und Unheil brütend allein zurückblieb. „Sollte es wirklich wahr sein?" sprach er dumpf vor sich hin, „sollte der Bursche den tollen Einfall bekommen haben, sich an eine Judendirne zu hängen? Ich kann es gar nicht glauben. Nimmer kann er das Blut so verläugnen, das in seinen Adern rollen muß. Aber dieser Schurke hat es doch selbst gesehen und gehört, und es muß doch wahr sein. — Wenn der Knabe die Kühnheit hätte, seinen Plan auszuführen, mir einen Strich durch meine Rechnung zu machen, dann wehe ihm und mir! — Also deßhalb hat er sich gesträubt, Martha den Hof zu machen, deßhalb wollt er von dieser glänzenden Verbindung nichts hören und hat mir — mir, dem Rathe Bonekamp, widersprochen — einer Judendirne wegen — es wäre zu spassig. wenn es nicht so furchtbar ernst wäre." Während der Patrizier in größter Erregung die Stube auf und ab schritt, um über den von ihm nun einzuschlagenden Weg nachzusinnen, wurde ihm der Besuch des Jesuitenpaters Guilielmi Duorskh gemeldet. Bei dieser Nachricht fuhr der Rath aus seinem unheilvollen Brüten auf und die Furchen seiner düsteren Stirne glätteten sich. „Bei allen Heiligen!" rief er aus, „das ist ein Fingerzeig des Himmels! Vergeblich dachte ich darüber nach, was ich in dieser kitzlichen Sache am besten thun könnte und da sendet mir der Zufall einen trefflichen Helfer und Rather in der Noth. Habe ich doch stets gefunden, daß ein Pfaffe für Alles Rath weiß. Er soll mir willkommen sein. (Fortsetzung folgt.)