Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 2 (4.1.1900)
- Date
- 1900-01-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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P a t ä st i n a. Jerusalem. Nach den hier eingegangenen Nachrichten ist der Sultan nach wie vor dem Zionismus gegenüber äußerst ungünstig gestimmt. Von Constantinopel ist die Aufmerksamkeit der Lokalbehörden wieder auf die Einwanderung von Juden u. die denselben entgegenstehenden Verbote gelenkt u. ihnen zugleich Wachsamkeit gegenüber der zionistischen Agitation empfohlen worden, die als eine politische zu betrachten ist, da man gleichzeitig die fremden Gesandten in Constantinopel gebeten hat, ihre Proteste nicht allzusehr zu betreiben. Bekanntlich haben die Gesandten gegen die Vorschriften, welche die Landung der Juden in Palästina betreffen, protestirt, soweit sie gegen die westeuropäischen Juden gerichtet sind. Diese Proteste sind noch nicht erledigt und von Regierungsseite sind nun die Botschafter gebeten worden, nicht allzuscharf vorzugehen, mit Rücksicht auf die zionistische Agitation, die zu politischen Komplikationen führen konnte. (Wir müssen dem Jewish Chronikle, dem diese Nachricht entnommen ist. die Verantwortung dafür überlasten; wenn dieselbe wahr ist, ist sie von der größten Bedeutung. Anmerk, der Red.) Die hiesige jüdische Arbeiterbevölkerung, besonders die Olivenholzarbeiter, setzen schon große Hoffnungen auf zwei neue Projecte, die jetzt geplant werden. Der Lemaan Zion soll die Absicht haben, eine Niederlage in Jerusalem zu errichten, in der Olivenholz gelagert werden soll, damit die Arbeiter dasselbe jederzeit gut getrocknet und in beliebigen großen oder kleinen Quantitäten von dem Verein beziehen können. Das andere Project ist die Errichtung eines Verkaufsbazars für die Arbeiten der jüdischen Handwerker, denen jetzt die richtige Verkaufsgelegenheit mangelt. Dieser Plan, der schon öfter versucht wurde, ist leider auch diesmal von der Verwirklichung noch weit entfernt. Ein origineller Fall ist die Auszeichnung, die Herr Solomiack, Beamter im russischen Konsulat, erhalten hat. Herr Solomiack, übrigens einer jener russichen Studenten, die im Jahre 1883 nach Palästina ausgewandert sind, um im heiligen Lande zu leben, hat jetzt vom Sultan den Osmanie-Orden vierter Klasse erhalten, in Anerkennung der guten Dienste, die Solomiack erwiesen hat bei der Aufrechthaltung der Ordnung und Verhinderung von Streitigkeiten bei Gelegenheit der griechischen Festtage. Das will bedeuten: Der Jude Solomiack hat mit gutem Erfolg die Griechen und die Katholiken verhindert, sich an den griechischen Osterfeiertagen die Köpfe einzuschlagen, und ist für diese Leistung vom Sultan belohnt worden. Man erwartet hier nächstens Miß Olga d'Avigdor, welche demnächst hierher kommen wird, um die Schulen, besonders die Mädchenschule zu inspiciren. A^u st r a l i c 11. MelboiKme. Die hiesige jüdische Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten durch den Tod von Ephraim Lamen Zox, der seit vielen Jahren eines der führenden Mitglieder dieser Gemeinde war. Aber der Verstorbene spielte nicht nur in der Judenheit, sondern auch in den politischen Verhältnisten von Victoria eine große Rolle. In England im Jahre 1837 geboren, kam er, 21 Jahre alt, nach der Kolonie und etablirte dort ein erfolgreiches Confectionsgeschäft. Sehr bald schloß er sich den mannigfaltigsten Wohlthätigkeits anstalten an und nahm bei vielen derselben rasch eine führende Stellung ein. Besonders bei der Discharged Prison Aid Society, der Gesellschaft für entlassene Gefangene war er viele Jahre hindurch Vicepräsident und die Seele des Vereins. Nicht weniger eifrig war er bei den speciell jüdischen Anstalten und Vereinen. Er tvar nacheinander Schatzmeister und Präsident der Hebrew Eongregation, Gründer der Jewish Philan tropie Society und Präsident des Zweigvereins der Anglo Jewish Association in Melbourne. Im Jahre 1877 wurde er für East Melbourne in das Parlament von Victoria gewählt und behielt dies Mandat bis zu seinem Tode 22 Jahre hindurch. Von der großen Achtung und Verehrung, die er sich im Parlament zu ertverben gewußt, spricht am besten das Benehmen res Parlament bei der Nachricht von seinem Tode. In der Sitzung vom 24. Oktober nahm vor Eintritt in die Tagesordnung der Ministerpräsident das Wort, um des zwei Tage vorher verstorbenen Zox zu gedenken. Er feierte seine Thätigkeit in dem Parlamente, beson ders seine Arbeit in so vielen Commissionen und hob in erster Linie seine Leistungen in der Commission für Wohlthätigkeit und in financiellen Angelegenheiten hervor. Nack dem Ministerpräsidenten sprach in gleichem Sinne der Führer der Opposition und vier verschiedene Mitglieder des Hauses und zum Schluß noch der Vorsitzende des Parlaments, und alsdann vertagte sich das Haus zum Zeichen seiner Trauer auf einen Tag. Es braucht kaum erwähnt zu werden, daß auch sein Be gräbniß unter allgemeiner Theilnahme stattfand. Aeuilleton. Ex odio fidae. Historische E r $}ü h l rr rr g 2) Von Mathias Kisch, Prag. „Ach wie gerne möchte ich mich froher Hoffnung hingeben," seufzte das Mädchen, „obgleich es mir ist, als flüstere eine geheimnißvolle Stimme von künftiger Bedrängniß, Unglück, Nvth, ja von entsetzlichem Tode. Doch mir schien es, als hörte ich Geräusch in der Nähe? Leben Sie wohl, Herr, ich darf nicht länger bleiben." „Und wann soll ich Dich Wiedersehen, Sarah?" fragte der Mann, indem er einen Kuß auf die Lippen des sich seinen Armen entwindenden Mädchens drückte. „Am Freitag muß ich zur Gräfin Dubsky auf der Kleinseite, um 9 Uhr morgens bin ich dort bestellt, um 8 Uhr gehe ich aus dem Hause!" war die hastige Antwort. „Gute Nacht, mein Herr."