Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 2 (4.1.1900)
- Date
- 1900-01-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20 stimmt."-Und es tritt in die Gesellschaft und legt das „Recht" als Grundlage der Gesellschaft, aber das Recht als Selbstzweck, als das unantastbare göttliche Heiligthum der Menschheit, das seinen Werth nicht erst aus seiner Bedeutung für die Sicherheit und Wohlfahrt der gesellschaftlichen Zustände erborgt, das vielmehr in eigenem Lichte strahlt und um seiner selbst willen zur Achtung und Erfüllung kommt.Und es macht die „W a h r h e i t" zum Zwillingsbruder des Rechts, u. das W o r t zum Bürgen Beider, und Gott zum Vertreter des Worts, zum Zeugen und Richter und Sachwalter der Wahrhaftigkeit und Redlichkeit im Verkehr der Menschen, der den Fluch haftet an jede unrecht erworbene Habe, an jedes gewaltsam vorenthaltene Gut, der zu den Menschen spricht: nur wenn du redlich und rechtlich bist im Nehmen und Geben und Leisten, nur wenn kein Kummer und kein Seufzer klebt an deinem Wort und deiner That, an deinem Werk und deinem Gut, nur dann erblüht der Segen und das Heil aus deinem Walten und Schaffen." So vollzieht sich unter dem Einflüsse dieser Welt- und Lebensanschaung das von allen anderen Systemen vergeblich Versuchte: die vollendetste Harmonie des ganzen menschlichen Seins. Da ist kein Zwispalt vorhanden zwischen Seele und Leib, zwischen Geist und Materie, zwischen Kraft und Stoff. Da schweigt der wogende Kampf stürmischer Leidenschaften in der Brust des Individuums nicht nur, sondern auch in der Gesellschaft, und nicht nur hier, sondern auch in den gegenseitigen Beziehungen der Völker und Staaten. Alle diese mit einander ringenden Gegensätze beruhen auf dem nicht zum Ausgleiche gebrachten Dualismus zwischen Geist und Materie; — die Weltgeschichte stellt nichts anderes als die einzelnen Phasen dieses Kampfes dar.- Dieser Kampf wird dereinst mit dem glücklichen Ausgleich zwischen den beiden einander widerstrebenden Potenzen enden. Dann wird jener herrliche Morgen dem Menschengeschlechte anbrechen, der, als das längst gesteckte Ziel der Weltgeschichte von Allen ersehnt, durch die Verwirklichung der jüdischen Welt- und Lebensanschauung allein das schwere Gewölk zerstreuen kann, welches der Sonne des wahren Realismus und Jdealisinus den Eintritt in den Menschenkreis versperrt. Dann, aber auch nur dann, wird ewiger Friede einziehen in die Menschenbrusi, in die Gesellschaft und in die internationalen Beziehungen. Dann wird keine Thräne und kein Blut mehr vergaffen, kein Unrecht mehr geübt werden, kein Haß und Neid den Bruder vom Bruder, ein Volk vom andern scheiden. Dann erst kann von der also regenerirten Menschheit der große Friedensstaat errichtet werden — die Erkenntnis und Anerkenntniß des wahren Realismus und des wahren Idealismus vollzieht diese Wiedergeburt u. bringt das verlorene Paradies der Erde zurück. Zeitungsnachrlchte« «rrd Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 2. Jan. (V e r e i n s g r ü n d u n g.) Am 10. Dezember v. I. versammelte sich eine größere Anzahl von ehemaligen Schülern der Knabenschule der hiesigen jüdischen Gemeinde behufs Gründung eines Vereins. Es wurde ein Komitee gewählt, welches die weitere Agitation in die Hand nehmen sollte. Dasselbe ladet jetzt alle ehemaligen Schüler der Knabenschule der jüdischen Gemeinde zu Berlin zu einer konstituirenden Generalversammlung am Samstag, den 6. Jan., 8 Uhr Abends präzise, im oberen (großen) Saal von Gratweils Bierhallen, Komandantenstraße 7779, mit der Bitte um zahlreiches Erscheinen ein. Ans Sachsen-Weimar. Zufolge höchst. Bestimmung Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs wurde die Anordnung getroffen, den Jahreswechsel als Anfang des neuen Jahrhunderts in einer der besonderen Bedeutung dieses Tages würdigen Weise in den Synagogen des Landes ebenso wie in den Kirchen und Schulen des Großherzogthums feierlich zu begehen. Dementsprechend wurde in Stadtlengsfeld vom Großherzogl. Landrabbiner Dr. Salzer beim Hauptgottesdienste am Samstag, d. 30. Dez., in Ansprache u. Dankgebet hingewiesen auf die Fülle göttlicher Gnadenerweisungen, welche das neunzehnte Jahrhundert in sich schließt, und wie Großes Gott an Israel und an dem geeinigten deutschen Vaterlande gethan hat. Fürth, im Jan. Der Neujahrs-Ordensregen fiel auch Heuer wie in den Vorjahren ziemlich reichlich. Von unseren Glaubensgenoffen wurden einige Rechtsanwälte zu Justizräthen und drei Großhändler bezw. Fabrikanten zu Commerzienräthen ernannt. Von letzteren wohnt der eine, Herr Justin O t t e n st e i n, in Nürnberg, die anderen beiden, die Herren Anton S a h l m a n n und Albert B a ch, in Fürth. Nach Fürth kamen außer diesen beiden Ernennungen sonst keine Auszeichnungen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. (Zum P o l n a e r M ä d ch e n m o r d.) Der oberste Gerichtshof hier hat die Gutachten der Polnaer Gerichtsärzte im Prozeß gegen Leopold Hilsner, die seinerzeit so unliebsames Aufsehen erregten und scharfe Polemiken heraufbeschworen, der Prager medizinischen Falkultät zur Überprüfung überwiesen. Aus Obernngarn. (Auch ein „B l u t p r oz e ß.") Der letzte Act ist ausgespielt, der Vorhang ist gefallen, aber die ehrenwerthe und bluttriefende Journalistik des österreichischen und ungarischen Antisemitismus — schweigt. Selbst das famose „Deutsche Volksblatt", das seinen Mitarbeiter nach der ungarischen „Arva" entsendet und an leitender Stelle feierlich enuncirte: den „Nameßtoer" geradeso wie den „Pol-