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Der Israelit · 1900-01-04 · Heft 2 (4.1.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 2 (4.1.1900)
Date
1900-01-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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lende Subjekt, das denkende Ich, aber zugleich auch der einzig vorhandene und einzig geltende Faktor. Der Dualismus zwischen Geist und Materie. Körper und Seele, findet in keiner dieser Anschauungen seine Lösung. Der Realismus leugnet einfach das Vorhandensein von Geist und Seele, der Idealismus gesteht dem Körper, der Materie, eine sehr beschränkte Wirklichkeit zu, nur insofern sie in der subjektiven Vorstellung gedacht werden. Für beide Anschauungen ist Gott n i ch t d a. — Der Materialismus leugnet sein Dasein, weil er ihn in keinem Stoffe sinnlich wahrnimmt; — der Idealismus, weil ihm das Ich das einzig wirklich Seiende ist. Spinoza, deffen System noch heute vielfach der philosophischen Spekulation zu Grunde liegt, weist Gott die Rolle einer Ursubstanz an, aus welcher Alles entstanden ist; Leibnitz kennt freilich einen Schöpfer, der aus den vorhanden gewesenen Urmonaden die Welt hergestellt hat, der aber aus diesen nur die beste unter den möglichen Welten hat schaffen können, eben weil er die Ureinzelwesen nicht hervorgebracht, sondern vorgefunden hat. Dem Peffimisten Schopenhauer dagegen ist die Welt die schlechteste unter den möglichen Welten. Die sittliche Freiheit des Menschen wird von beiden Anschauungen geleugnet. Von der rea - l i st i f ch e n , weil er nur Stoff ist, und darum deffen Sklave. Für den Begriff von Gut und Böse, von Tugend und Sittlichkeit ist in ihr kein Raum; Gott und Unsterblichkeit sind ihre leere Wahnvorstellungen. —■ Von der i d e a l i st i s ch e n, weil der Stoff vom Geiste nicht beherrscht wird. Der Geist vermag sich wohl zu den sublimsten Gedanken zu erheben, die Materie aber folgt den sinnlichen Reizen und erliegt ihrer Gewalt. Da aber in Wirklichkeit die philosophische Spekulation das Vorhandensein des Stoffes ebensowenig aus der Welt schaffen kann, wie das Wirken eines lebendigen Geistes, und das von keiner philosophischen Grübelei irregeleitete menschliche Bewußtsein sich weder die von der Materie unabhängige Seele wegdemonstriren läßt, noch dem stolzen Sich-selbst-als-Gott- Setzen des denkenden Jchs eine Berechtigung zugestehen kann, weil ja jedes Ich gleich souverän sein muß — das Ich des Pescheräh gerade so viel gilt wie das Ich des Professors auf dem Lehrstuhle —, so haben sich allerdings zu allen Zeiten die Menschen außer den philosophischen auch noch andere Anschauungen gebildet, welche eben von dem Gefühle der Abhängigkeit des eigenen Wesens von einer außerhalb desselben wirkenden Potenz erzeugt worden sind. Diese heidnischen religiösen Anschauungen vermochten ober ebenfalls nicht den Gegensatz zu versöhnen und das menschliche Wesen zur freien Bethätigung der sittlichen Freiheit im Dienste des Guten zu erheben, weil sie sich die Götter allen menschlichen Leidenschaften unterthan dachten und fast für jede Erscheinung 'eine besondere Gottheit annahmen. Hieraus ist dann die noch die Gegenwart beherrschende Anschauung hervorgegangen, welche zur Erklärung des Dualismus von Geist und Materie, Seele und Leib zwei oberhalb der menschlichen Sphäre gebietende Potenzen statuirt: Satanas, „den Fürsten dieser Welt" und Gott. E r st e r e r das Prinzip der Materie, der Sinnlichkeit, der Erde — Letzterer das Prinzip des Geistes, der Wahrheit, des Himmels. Dem Ersteren ist das ganze menschliche Wesen unterthan, es vermag, sich nicht seinem Banne, dem es von Geburt an angehört, zu entziehen. Nur durch ein Mysterium gelingt es ihm, die Herrschaft des Satanas von sich abzuschütteln, indem es die Erde preisgibt und sich auf den Himmel vertröstet. Der Gegensatz ist so jedoch mit nichten ge löst, die sittliche Freiheit nicht gewahrt. Darum ist nach dieser Anschauung die Erde eine Stätte des Jammers und der Sünde; und erst im himmlischen Eden winkt dem durch dieses Mvsterium von Satanas sich lossagenden Menschenwesen nach Abstreifen der Materie die Wonne, die Freiheit, die Reinheit. —;— Es gibt aber noch eine andere Auffassung und Lehre, in derem Lichte jeder Gegensatz aufgehoben, jeglicher Zwiespalt des Menschenwesens beseitigt und seine hohe Dignität gesichert ist, — eine Lehre, die dem aus Stoff und Geist, Leib und Seele gewobenen Menschenwesen die volle Reinheit und Freiheit vindizirt, die das ganze sinnliche Sein mit allen seinen Reizen in den Dienst des Sittlichen und Guten stellt, es heiligt und verklärt, — eine Lehre, die die Welt nicht als die schlechteste unter allen möglichen Welten und auch nicht die Beste unter allen möglichen Welten und auch nicht als ein Jammerthal und Sündenheim begreift, sondern als die einzig gute, und sie zu einer Stätte der Wonne und des Heils durch das freie sittliche Walten des Menschen gestaltet wissen will, — eine Lehre, die nicht auf die Glückseligkeit eines himmlischen Paradieses lediglich vertröstet, sondern die Erde selbst zu einem solchen Eden reinen Glücks im Genüsse der Freuden, die sie bietet, machen will. Diese Lehre legt Protest ein gegen alle künstlich ausgebauten Systeme philosophischer Spekulation, sowohl gegen die Einseitigkeit des Materialismus, wie gegen die Sterilität des in subtilen Hirngespinsten sich ergehenden Idealismus, — sowohl gegen die heidnische wie gegen die christosophische Weltanschauung. Sie nimmt ihren Ausgangspunkt von dem Faktum der Weltschöpfung durch einen einzigen frei waltenden, durch keine pbvsische Nothwendigkeit beschränkten Gott, der weder identisch mit der Spinoza'schen Ursubstanz ist, noch an den vor ihm dagewesenen Leibnitz'schen Ureinzelwesen als Urstoff des Universums in seinem Schöpfungswerke gebunden gewesen war. — der vielmehr der Urheber des Weltaanzen in Wirklichkeit ist, — der Stoff und Kraft. Materie und Geist gebildet, der die in der Natur waltenden Gesetze geschaffen und sie nach seinem Willen in aller Ewigkeit leitet und walten läßt. Er ist es, der sie, diese seine Gesetze und Ordnungen, in die von ihm geschaffenen Wesen gesetzt, —

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