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Der Israelit · 1900-01-02 · Heft 1 (2.1.1900) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 1 (2.1.1900)
Date
1900-01-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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11 oder ihm sein ohnehin schweres Schiäsal noch schwerer zu machen, bloß, iveil einige seiner Mitglieder, u. sich:- lich nicht die Frömmsten, nicht g'rade die liebcnswürdigsten Eigenschaften anfwcisen. Bon diesem Gesichtsl'unkic ausgehend, den tvir stets vertreten haben und ferner vertreten werden, auch wenn tvir zu dem sonderbaren Dreyfus Enltns einiger unserer Mitbürger uns nicht verstehen konnten., war er im letztvergangenen Jahre sehr zu begriiszen, dast sowohl in Baden, als rin deutschen Reichstag die Bersuche der Thierschutzvereine, als gewöhnlicher Vorhut der Antisemiten, das Schächten verbieten zu lassen, ein entschiedenes Fiasko erlebten. Der Bericht ans Baden lautet: „Unsere beiden Ständekammern gingen' am 21. d. Monats hinsichtlich einer Petition des badischen Thierschntzvereins, das Verbot des Schächtens von Schlachtthieren betressend, zur Tagesordnung über. Die über diese Angelegenheit geführte lebhafte Debatte spitzte sich ans die beiden Fragen zu, ob das Schächten eine Thierquälerei sei, und ob das Verbot einen Eingriff in religiöse Gebräuche, somit eine Gewissensbedrückung bedeute. Tie Frage wurde ans Grund von 258 wissenschaftlichen Gutachten, denen sich die Versicherungen von Praktikern anschlossen, verneint, die zlveiten bejaht." Es ivaren dies die gleichen Gutachten, welche auch unsere eidgenössischen Räthe überzeugten, nur nicht das irregeleitete, oder für die Sache gleichgültige schweizerische Bolk, das mit seinen' Verbot, neben dem sächsischen, noch immer ganz allein in dem weiten Erdenrunde steht. Ein Versuch einiger Metzger, den Juden auch die Einfuhr von geschächtetein Fleisch aus angeblichen Gesundheitsrücksichten verbieten zu lassen, führte, lvie schon berichtet ist, zu einer entschiedenen Ablehnung seitens des Bundesraths. Im deutschen Reichstag waren bei der ersten Lesung des Antrages der Antisemiten das Schächten als Thierquälerei zu verbieten, alle Parteien dagegen, mit ausdrücklicher Anerkennung, dast keine Thierquälerei vorliege und daß das Schächtverbot in die Cuktusvorschriften der jüdischen Mitbürger in unzulässiger Weise eingreife." N u st l a n d. Niga. Ein herber Schlag hat die hiesige jüdische Gemeinde getroffen. Der unerbittliche Tod hat einen Mann hinweggerafst, der vocit über die Grenzen unserer Stadt hinaus gekannt und hochverehrt wurde, ein Mann, dessen Name in jüdischen Kreisen unseres weiten Vaterlandes einen schönen Klang hatte: der alte Rabbiner Salomon Pucher weilt nicht mehr unter den Lebenden. Unter dem frischen Eindrücke der Trauerkunde stehend, und von tierern Schmerz ergriffen, kann Schreiber dieses die Thätigleit des Verewigten nur kurz und lückenhaft schildern, und muß es einer berufeneren Feder überlassen, kleben und Wirken dieses verdienstvollen Mannes gebiihrend zu würdigen. Schon als junger Mann zeichnete sich der Verewigte durch allgemeine Gelehrsamkeit und tiefe Kenntnist der jüdischen Wissenschaften und der hebräischen Sprache so sehr aus, dast er kurze Zeit nach Absol virung der Rabbinerschnle zu Wilna in: Jahre 1869 ans den Posten eines Rabbiners nach unserer Schwesterstadt Mitau berufen wurde. Seine Studien in der Bibelexegese und der talmudischen Wissenschaft mit seltenem Fleiß und Ausdauer fortsetzend, nahm sich der junge Rabbiner mit warmem Herzen und treuer Hingebung der ihm anvertranten Gemeinde an, überall Ordnung schaffend und feste Prineipien einführend. Sännntliche jüdische Wohlthäiigkeitsanstalten und Vereine Mitaus verdanken seiner rastlosen Thätigkcrt und treuen Fürsorge ihre Wohleinrichtnngen, ihre bestätigten Statuten, ihre durch Stiflnngen und Legate begründeten eisernen Fonds. Wohl wissend, welch' tvichtige und verantwortungsvolle Mission der Gattin, der Mutter auferlcgt ist, wandte er der Heranwachsenden weiblichen Jugend eine ganz besondere Aufmerksamkeit zu. Er leitete ihre religiöse Erziehung, lehrte sie Gottes Wort, veredelte ihr Herz und vertiefte ihr Gcmüih. Mit wahrem Feuereifer cnltivirte er die Predigt und räumte ihr den ihr gebührenden Platz im Gotesdienste ein. Mit seltenem Rednertalenl und reicher Gedankenfülle begabt, und die deutsche Sprache voll und ganz beherrschend, verstand er es, seine Zuhörer hinzurcisten und zu manch' gutem Werke zu erwärmen. Ueberall, wo es galt, für Wahrheit und Recht einzutreten, lvo es galt, seinen Glauben und seine Glaubensgenossen gegen ungerechte Anfeindungen und Angriffe zu vertheidigen, war er der Erste und Beharrlichste. In Wort und Schrift, durch Broschüren und Zeitungen, hat er sein ganzes Leben hindurch mit tapferem Muthe und edler Selbstverleugnung gekämpft, wobei die baltische Presse seinen Ausführungen allzeit weiten Raum verlieh. Volle vicrunddreistig Jahre hindurch hat ver Entschlafene an der Spitze der Mitauschen israelitischen Gemeinde segensreich gewirkt, bis er im Jahre 1893 ans den Posten eines Rigaschen Oberrabbiners berufen wurde, welches Amt er bis zum Jahre 1898 inne hatte. Zugleich wurde er vom Herrn Minister des Innern zum Beamten für jüdische Angelegenheiten bei dem Gouverneur von Liv- und Kurland ernannt. Sobald die jüdischen Gemeinden in den Ostseeprovinzen eines begabten Redners, eines würdigen Repräsentanten bedurften, fiel die Wahl allzeit auf den Verewigten. So wurde er seinerzeit von der Riga'schen jüdischen Gemeinde aufgefordert, die jüdische Deputation anzuführen, welche den hochseligen Kaiser Alexander II. bei Gelegenheit seiner Anwesenheit in Riga begrüßen sollte. Aus ähnlichem Anlast wurde er nach Libau und Jurjew berufen. Im Jahre 1864 begab sich Pucher als Delegirter der Ostseeprovinzen nach Petersburg, um in der Kommission mitzuwirken, welche die Regelung der Wohnrechte der jüdischen Handwerker zur Aufgabe hatte. Schließlich ist ihm die hohe Auszeichnung zu Theil geworden, sich als einer der vier Abgeordneten der gesammten jüdischen Bevölkerung von Rußland Sr. Majestät unserm Herrn und Kaiser vorstellen und das Geschenk der Juden aus Anlaß der

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