Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-01-02 · Heft 1 (2.1.1900) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 1 (2.1.1900)
Date
1900-01-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449051--49788-2500235
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

8 nur über meinen Leichtsinn nachgedacht. Sie, der einzige Sohn des reichen Stadtrathes, auf den die Augen aller vornehmen, schönen Frauen blicken, muffen und werden bald mich armes, unwissendes Mädchen, die Tochter des verspotteten, verachteten Juden, vergessen, und meine Leichtgläubigkeit verlachen. Wie schlecht muß ich in Ihren Augen erscheinen, daß ich diese Zusammenkünfte bewilligte; ja, mein Herr, um zu sprechen bin ich heute hierhergekommen, um Ihnen zu sagen, daß dies das Letztemal sei. Wir werden uns nicht mehr sehen." „Was sagst Du, welches Wort sprichst Du aus, Sarah?" rief der junge Mann mit vor Aufregung bebender Stimme, „wir sollen uns nicht mehr sehen? Wer spricht von Trennung? Wer kann zwei Herzen von einander reißen, die für einander schlagen? Oder wäre es wahr, was ich nicht aussprechen, nicht zu denken wage, was aber ein Dämon mir ins Ohr flüstert, liebst Du — liebst Du einen Andern?" „Wie können Sie mein armes Herz so quälen?" entgegnete das Mädchen, „indem sie solches von mir denken? Nur unser Geschick verlangt gebieterisch die Trennung, und dieser Mahnung müssen wir folgen; — sollte auch mein Herz darüber brechen!" setzte sie leise hinzu. „Nein, Mädchen, so leicht entsage ich meiner Liebe nicht," sagte warm der Mann, indem er die Sträubende mit den Armen umschlang; „gönne mir nur Zeit und bewahre noch ferner das süße Geheimniß unseres Liebesbundes. In einem Jahre werde ich majorenn, ich lasse mir dann mein nicht unbedeutendes mütterliches Erbe ausbezahlen, und dann ziehen wir fort von hier, über's Meer, in die neue Welt, u. gründen uns da eine Heimath, wo die Menschen weniger engherzig sind, wo wederStand noch Glaube eine Scheidewand bildet und wo reicher Lohn der ernsten Arbeit winket." „Und ich soll den Vater, die kranke Mutter, im Elend am Siechbette, hier lassen, ich sollte auf Sie, auf mich den Fluch des erzürnten Vaters laden, und seinen ehrlichen Namen beschimpfen? Nein, mein Herr, das sei ferne von mir. Nie könnte es mir wohlgehen, nie könnte ich eine frohe Stunde durchleben. Mein fluchbeladenes Leben würde für Sie eine Last, eine stete Quelle des Unglücks sein. Wohl liebe ich Sie innig und wahr, aber wahre Liebe opfert freudig das eigene Glück gegen das Heil des Geliebten." „Dein Herz ist fromm und gut, Sarah," erwiderte er beschwichtigend. „Aber beruhige Dich; noch ist Hoffnung vorhanden , die Deine bange Furcht schwinden macht. Mein Ohm, der Bruder meiner seligen Mutter, der reiche Handelsher in Amsterdam, liebt mich, wie seinen Sohn, er ist edel, gut und vorurtheilslos, nennt zumeist Juden seine Freunde, ihm will ich mich anvertrauen; in seine Brust will ich das Geheimniß unserer Liebe legen. Wenn Einer helfen kann, so ist er es. Er hat auch hier unter den Juden hervorragende unv einflußreiche Geschäftsfreunde, die Deinem Vater Dein zukünftiges Glück schildern und ihn zur Einwilligung überreden werden, eine innere Ahnung sagt es mir, daß ich mich nicht täuschen werde. Darum, theures Mädchen, fasse Muth und Hoffnung." (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. ffrettag, 5. Januar, 5. Schewat. Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M. 4 Uhr ob Min. Samstag, 6. Januar, 6. Schewat, n^pn ,nd. Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt a M. 5 Uhr 30 M n. — Berlin 5 Uhr 01 Min - München 5 Uhr 20 Min. — Hannover 5 Uhr 14 Min. — Stuttgart 5 I Uhr 28 Min. — Prag 5 Uhr — Min. — Straßbnrg 5! Uhr 35 Min. — Posen 4 Ubr 46 Min. Der „Israelit" erscheint wofh^ntlich zweimal, Won lass nnd WonnerMags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend hbher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Vestellungen an. — Der Buchhandel verkehr! durck V. Zf S l r i n a rf*? r, Deiprig, Rohplak JO. — Inserate 25 Pfennig die viergesvaltene Petiizele oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Tirecte Fraucoznsendnug unter Streifband pro Jahrgang sür Deutschland und Oester reich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen öfter r., für s Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3863. Telephon 315. Rücksendung der an die Redaction eingesandten Vtanuscripte findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie zurückznbehalten. Stellensnchende erhalten auf Wunsch die Jnseraten-Beilage vier Wochen lang gratis und franeo zugesandt Ebenso stunden wir auf Wunsch die Zahlung des JnsertionSbetrags an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Achhatt (Eaubtblatt, Leitender Artikel: Rückblick. — Zeitung snac. richten und Correspor.denzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Hamburg. — Personalien. — Feuilleton: Ex odio fidae. Inhalt der Beilager Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M Schweiz: Bern. Rußland: Riga. — Letzte Nachrichten: Berlin. Exira-Betlage r Spendenverzeichniss«. Verantwortliche Rdmction: Oscar L<hmann in Mainz. — Expedition des .Israelit", Schottstrabe Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Job. Wirth schen Hofbuchdrnckerei A "en-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.