Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1900)
- Date
- 1900-01-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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trag. Der Senior des Festes, Herr Hirsch Cohn, begeisterter Verehrer u. Schüler des Chacham Bernays, und Jugendfreund des Herrn Dr. Nathan, hielt trotz seines hohen Alters von 88 Jahren eine gut zur Ausführung gebrachte Rede, welche bei allen Gästen, die sich um ihn gruppirt hatten, beifällige Aufnahme fand. — Tischlied des Herrn Julius S a l o m o n.' — Dann wurde es dem Schreiber dieses gestattet, seine improvisierte Rede zum Vortrag zu bringen. Er bezweifelte, daß, nachdem eine solch lange Speisenfolge geistiger Genüsse vertilgt worden, er noch hoffen könne, williges Gehör zu finden. Er möchte aber nur einer jener Steinträger sein, von denen der Jubilar gesprochen und hoffe, nun keinen Stein des Anstoßes zu bringen. Von den frommen Frauen sprach er, welche mit eigener Lebensverachtung die jungen Knäblein in Israel pflegten und kräftigten rat pnm und diese so auf ihren göttlichen Beruf, die Tauro am Sinai zu empfangen, vorbereitet hatten, schließend mit dem Ausspruche unserer Weisen 'ipri Tya/ofcr 211ZN hio^ 7a *»1: Nicht allein „Baunajiich", sondern wirklich „Bonajiich", die Bauleute sind Deine Söhne (des Jubilars), die Dein geplantes Haus aufbauen und erhalten werden. — Die Herren Jacob Wehl, Jacob G 0 ldschmidt (Tischlied), die Herren Wilhelm Frank, Harry L i eb e r m a n n, Salomon G 0 l d s ch m i d t und Nathan Offenburg fanden noch mit ihren Vorträgen dankbare Anerkennung. — Dann Schlußwort des Jubilars, der seiner Lehrer und Eltern gedachte, die ihn für alles Gute begeistert und denen er in innigster Verehrung bei dieser ihm unverdient erscheinenden Ovation gedenken wolle. — Tischgebet, Aufhebung der Tafel. Beim Kaffee in geselliger Unterhaltung blieb man noch bis gegen 2 Uhr beisammen. Wie ich hörte, stehen noch weitere Ehrungen dem verdienten Jubilare bevor. H. B. Herfonarien. Bebra, 22. Dez. Heute fjaben wir die irdischen Ueberreste eines wackeren Mannes dem Schoße der Erde überantwortet. Unser Lehrer, Herr Weingarten, ist uns im 37. Jahre seines Lebens durch den unerbittlichen Tod entrissen worden. Länger als ein Jahr leidend, ertrug er sein Siechthum in Geduld und Ergebung. Um den theueren Verblichenen trauern außer Weib und Kind, ein bejahrter Vater und mehrere Schwestern, die in dem Bruder eine Stütze dahinsinken sehen, die Gemeindemitglieder, die einen pflichttreuen Lehrer verloren haben. Ein stattliches Gefolge, dem sich der König!. Herr Ortsschulinspektor und zahlreiche nichtjüdische Lehrer angefchlossen hatten, gab dem edlen HeimgeaHm^M A?; jStektte zu seiner letzten Ruhestätte. ^15 LeIcer^oes^^rergesangyereins Bebxg tru-, gerr'.'M" dM^SttMhaüse' Md' Ä Grabe ergrttfende Lieder in ergreifender Weise vor. In längerer, nach Form und Inhalt gleich ausgezeichneter Weise schilderte Herr Kreisrabbiner S t r a u ß—Rotenburg die Eigenschaften des Verklärten als Mensch, Familienvater und als Lehrer. Einem letzten Wunsche des Entschlafenen zufolge sprach sein Freund, Herr Lehrer Spiro aus Schenklengsfeld am Grabe. Von Rührung überwältigt gab der letztgenannte Redner unter Zugrundelegung einer passenden Midraschstelle seinem Schmerz über den Heimgang seines geliebten Freundes Ausdruck. Es waren erschütternde Worte, die, aus dem Herzen kommend, ihren Weg zum Herzen nahmen. Möge der Allgütige den trauernden Hinterbliebenen den Trost spenden, den Er nur allein zu geben vermag! 9ettUUt0n. Ex odio fidae. Historische GrzÄhlrrns 3) Von Mathias Kisch, Prag. Einleitung. Wenn d r Sonne letzter milder Schimmer, sich der Erd verlor Steigen mir Gedächtnißbilder Aus der Gräber Nacht «mpor. In und um den Friedhof herrschte die heiligste Ruhe; der Sabbat, einer der herrlichsten Tage des heurigen Herbstes, neigte seinem Ende zu. Die goldenen Strahlen der untergehenden Sonne werden von dem glänzend polirten Syenite reflectirt, und von tausenden von Lichtchen und Flämmchen scheinen die Gräber beleuchtet. Ich fitze in dem kleinen idyllischen Kunstwäldchen, welches sich einige Schritte von meiner Amtswohnung als Parkende erhebt und betrachte mit Wehmuth und steigender Andacht das prachtvoll illuminirte Gefilde des Todes. Dunkel und dunkler wirds; der beständige, auf die Gräber gerichtete Blick, ruft in meinem Innern so manche Erinnerung wach, die Gräber öffnen sich, Gestalten langst verstorbener Personen entsteigen ihnen u. ziehen, gleich einem Kaleidoskop, vorüber. All die Bekannten, Freunde und Lehrer meiner Jugend, ich sehe sie wieder, sie lächeln, sie winken mir zu. Nein, nein! werdet nicht feucht ihr Augen und du Hand zittere nicht! — Diese Erinnerung, wie schön ist sie! Gleicht sie nicht der Fata Morgana, die dem müden Wanderer derWüste herrliche Bilder vorzaubert. Darum bemühe dich, Hand, diese Lichtgestalten aus meinen Kindertagen, die Züge der Mutter, des Vaters u. Großvaters, festzuhalten u. so der Fantasie dankbar zu sein, welche diese Theuren aus ihren Drähern, HerauMschworen. . . , And wieder wird es plötzlich hell; wie Sonnenlicht' spielt es um mich, und da gemahnt es mich, als sitze ich wie einst vor vielen vielen Jahren, neben meinem Großvater. vor mir die aufgeschlagene Bibel. Und wieder erzählt er mir mit schlichten, zum Herzen dringenden