Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1900)
- Date
- 1900-01-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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5 hören schon in nächster Zeit, daß ein Unternehmer sich des Gedankens behufs Ausführung beinächtigt hat. Hamburg, den 27. Dez. Zur Vorfeier des am 26. Tewes stattfindenden d'0-jährigen Geburtstages seines Lehrers und Führers, des Herrn Dr. S. P. Nathan, hatte der Lernverein Mekaur Chajim gestern Abend ein Festmahl in der „Erholung" veranstaltet, zu welchem mehr als hundert festlich gekleidete Gäste (Herren) erschienen waren. Gegen 61/» Uhr betrat der Gefeierte, vom Komitee eingeholt und vom Publikum, dem Oberrabbiner au der Spitze, unter Gesang uub Klang feierlichst empfang. n, den Festsaal. Eine mächtige in drei Kolonnn, in Form ein s v gedeckte Tafel, nahm alsdann die Festversammlung auf, die von dem Präs S des Mekaur Chajimvereins, in würdig gelungener Ansprache begrüßt wurde; der Redner gedachte hierbei der hohen Verdienste des würdigen Lehrers urn unser Gemeinwesen, insbesondere aber um die Tallnud-Thoraschule und die Lernvereine Auhel Jizchak und Mekaur Chajim. Die Anwesenden wurden gebeten, jeder einzelne möge zum Gelingen des Ganzen, diess dem Jubilar gewidmeten Festes, damit solches würdig verlaufe, nach Kräften betragen. Bei Aushebung der Tafel gegul 12 Uhr konnte der Vorstand dankend konstatieren, daß ihm sein Programm glänzend gelungen war; da alle wie einer voll des Lobes waren, sowohl über die musterhafte Ordnung, wie nicht minder über die culinarischen Genüsse (geliefert von Frau Frieda Pincus) sow'e ganz besonders über die dargebotene geistige Nahrung. Ueber letztere zu referiren müßte unsere Hauptaufgabe sein. Sollte dieses aber auch nur einigermaßen eingehend geschehen, so würde der Raum Ihrer heutigen Nummer nicht ausreichen. Ich muß mich also darauf beschränken, die Namen der Redner und Dichter, sowie nur über den Hauptinhalt der Reden zu berichten. >;5 Nach der bereits berichteten Eröffnungsrede, gab Herr Dr. Nathan seinen Empfindungen, von denen er heute Abend beseelt und ergriffen, geradezu jugendlich schwungvollen Ausdruck. Er dankte zunächst seinem Trschnachbar dem Herrn Oberrabbiner, dem doch sonst das erste Wort gebühre, daß er auf sein Recht zu Gunsten des Redners verzichtet habe, „ein Weiser darf ja nach einem bekannten jüdischen Rechtsgrundsatze auf die ihm zugedachte Ehre verzichten" und indem der gefeierte Redner auf seine ihm bescheiden dargestellte, aber in Wirklichkeit reiche und segensvoll gestaltete Vergangenheit und Werkthätigkeit zurückblickte, suchte er, an der Hand eines Beispiels selbige als die Pflicht eines jeden Jehuvi anzusehen, wofür ihm eine solche Anerkennung nicht zukomme. Gott sei der Baumeister, dessen Plan vorher das Weltall in seiner Gesammtheit bestimmt habe, unsere Weisen seien die begnadigten Bauleute, die das Gesetz im Sinne des Meisters uns zum Verftändniß gebracht; aber auch jeder einzelne könne sich ums Ganze durch seine Mitarbeit beim Studium des Gesetzes verdient machen, wie derjenige der Steine, Kalk oder sonstiges Material zum Bau herbeitrage. In diesem Sinne habe er seine Aufgabe erfaßt. Herr Oberrabbiner Hirsch begann darauf seinen, als eigentliche Festrede geltenden Vortrag mit dem Citate aus Chulin 2411. nviy rwn n» d’jiöp p rvmt* n bv vbv non foen pon srjn n tdk fbyjc Ssnx (bwo f‘bim nrnt ibn bj> .'jiupt nyo noy p ’on ’jdock» Man sagte dem Rabbi Chanina nach, daß er im Alter von 80 Jahren auf einem Bein stehen konnte, sich einen Schuh ausztehen uno einen Schuh anziehen konnte; daranf sprach R. Chanina: „Das warme Wasser und das Oel, womit meine Mutter mich eingerieben, sie standen mir bei in meinem Alter." Der verehrte Redner suchte die Eigenthümlichkeit dieser Talmudstelle unter Hinweis auf den im vergangenen Wochenabschnitt bei unserem damals ebenfalls 80 jährigen Lehrer Moses vorkommenden Gottesruf: „Ziehe Deine Schuhe von Deinen Füßen!" und in Verbindung mit der Vorschrift bei Pesach: „Eure Schuhe an Euren Füßen" geistreich zu erklären und zum allseitigen Verftändniß zu bringen; wobei er in geschickter Weise die Tugenden und Verdienste unseres 80 jährigen Jubilars in Paralelle zog. Die Wärme bedeute die Begeisterung für Tauro ihre Verbreitung und Erfüllung und das Oel als das Segensreiche seiner Bestrebungen mit Hinweis auf die Prophetenwittwe, die ihren Segen und Unterhalt im O.l gefunden. Dem Wunsche des Meist rrednerS, daß es dem, glücklicherweise noch jugendfrischcm Manne, gleich Rabbi Chanina vergönnt sein möge, sich ferner solcher Rüstigkeit m. G. H. erfreuen zu können, schloß sich unter brausenden „Lechajim" und Hochs die ganze Festversammlung an. —Tischlied, gewidmet von Herrn Dr. G. Lanzkron. — Vorstandsmitglied Herr Abraham Lanzk r o n sprach Namens seiner Kollegen in wohlgesetzter und durchdachter Rede. Herr Rabbiner Dr. Norden —Myslowitz, ein Lieblingsschüler des Jubilars, war von der Ferne seiner Vaterstadt herbeigeeilt, um diesem Feste beiwohnen zu können. Seine wohlgelungene Rede trug zur Verschönerung der Feier bei. — Tischlied von Herrn Leon Goldschmidt. — Herr A. Wittmund vom Talmud Thoravorstand sprach über die Verdienste seines Lehrers Herrn Dr. Nathan um dieses wichtigste Gemeindeinstitut, dem der Jubilar mit ganzer Liebe seit 52 Jahren angehöre. Herr Juda Bachrach wußte geschickt gewählte Poßuteitate herbeizutragen, aus denen er sogenannte Gematriaos zu Ehren de8 Gefeierten construirte. Herr Dr. med. L a n z k r o n wählte die poetische Form für seinen vom medizinischen Standpunkte aus gehaltenen Vor-