Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1900)
- Date
- 1900-01-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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4 ren Herrschaft sie an dem regen, geistigen Leben sich eifrig betheiligten, und viele Juden zu hohen Staatsämtern berufen wurden. Bei den Kämpfen zwischen den Arabern und den Christen finden wir auf beiden Seiten Juden, die in den betreffenden Staaten wohnten. Noch kurz vor der großen Katastrophe, die sie aus Spanien vertrieb, unterstützten sie die Bemühungen des Columbus in jeder Weise; man sagt sogar, der Erste, der den amerikanischen Boden betrat, sei ein jüdischer Matrose gewesen. In Deutschland durften die Juden bis zu den Kreuzzügen Waffen tragen, und sich selbst an den Tourniren betheiligen. Auch an den geistigen Kämpfen nahmen sie lebhaften Antheil. Bekannt ist ja der Minnesänger Süßtind von Trimberg. Die Stadt Worms erhielten sie durch ihre tapfere Vertheidigung dem Kaiser Heinrich I V., der seine Dankbarkeit in verschiedenen Urkunden aussprach. Jmmermehr aber wurden sie eingeschränkt und unterdrückt, indeffen büßten sie trotz aller Verfolgung ihren Patriotismus nicht ein. So vertheidigten sie 164? Prag und erhielten dafür von Kaiser Ferdinand I I I. eine Fahne verliehen. — Hatten sich beim Ausgange des 16. Jahrhunderts die Juden in Polen noch der Duldung zu erfreuen, und hervorragende Staatsmänner aufzuweisen, so änderte sich ihre Stellung seit den großen Kosakenkriegen und wurden sie auch dort in ein geistiges und materielles Ghetto verwiesen. Nur Holland machte eine rühmliche Ausnahme in ihrer Behandlung; es öffnete seine Häsen den Flüchtlingen aus Spanien und zog infolge dessen die größten Vortheile von den Juden. Auch in den holländischen Kolonien waren Juden als Pioniere thätig. Ein Jude war es, der Wilhelm von Oranien 1688 die Eroberung Englands durch große Vorschüsse ermöglichte, für die er keinen Schuldschein annahm. Eine durchgreifende Aenderung führte die französische Revolution herbei. In Frankreich, wo zuerst 1792 Juden in das Heer ausgenommen wurden, befanden sich darin 15 Jahre später beinahe 800 in den verschiedensten Stellen. obgleich ihrer nur 70,000 in Frankreich wohnten. Auf der anderen Seite betheiligten sich die Juden ebenso eifrig an dem Schutz des preußischen Königs. Unter den Freiwilligen befand sich eine große Zahl von Juden, deren Tapferkeit auch von Treitschke unumwunden anerkannt wird. Eine unverhältnißmäßig große Anzahl der im preußischenHeere dienenden Juden wurden mit Auszeichnungen bedacht, viele zu Offizieren ernannt; aber gleich nach dem Kriege hätte man die Juden gerne wieder vom Kriegsdienst ausgeschlossen. Die vor dem Feinde zu Offizieren Ernannten wurden vor die Wahl gestellt, sich taufen zu lassen oder auszuscheiden. Nur Mayor Burg durfte, Dank der besonderen Protection des Prinzen August und seiner hervorragenden Leistungen in der Kriegswissenschaft seinen Rang bis ans Lebensende behalten. Als die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde, wollten einige die Juden davon ausschließen; allein infolge ihres lebhaften Protestes und der Ergebnisse einer Enquete des Kriegsministeriums über die bisherige Führung der Juden im Kriege, wurden sie zugelassen. Sie haben sich denn auch in allen Kriegen Deutschlands und Preußens hervorragend bewährt, ebenso im öffentlichen Leben, wie bei wohlthäligen Veranlassungen, ihre Pflicht voll gethan. In Italien, Frankreich, Oesterreich, England bekleiden Inden hohe Aemter im Staate, in der Armee und in der Marine. — In Rußland beträgt die Zahl der jüdischen Soldaten eine Viertelmillion, u. trotzdem die Juden dort solchen Verfolgungen ausgesetzt sind, fällt es Niemandem ein, an der Treue dieser Soldaten zu zweifeln. In Amerika betheiligten sich di: Inden in großer Zahl bereits am Unabhängigkeitskrieg. Ebenso am Secessionskriege, am Krieg mit Spanien, und erlangten hohe Führerstellen zu Wasser u. zu Land. Mangel an Patriotismus kann man nach dem Gesagten den Juden gewiß nicht vorwerfen, dagegen lassen sie oft die Liebe zu ihren Glaubensgenossen selbst vermissen. Der Betheiligung am öffentlichen Leben entziehen sie sich selten; sehr häufig aber haben die jüdischen Gemeinden und Wohlthätigkeiisanstalten Mühe, Leute zu sindcn, die sich der Arbeit für ihre Glaubensgenossen lvidmen. Möchte man doch allgemein bedenken, daß durch die Thätigkeit für seine Glaubensgenossen man zugleich auch dem Wohle der Gesammtheit dient. Frankfurt a. M., im Thebeth. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redacteur! Seil einem halben Jahrhundert sind in der ganzen Welt alle möglichen Ausstellungen, aber von einer jüdischen Ausstellung hat man noch niemals etwas gehört. Die im vorigen Jahre hier stattgefundene Palästinaausstellung war nicht eine Ausstellung in dem Sinne, wie ich sie meine: eine von deutschen Juden und für deutsche Juden veranstaltete Ausstellung. Ich höre schon, geehrter Herr Redacteur, wie Sie Ihre Witze über meinen Vorschlag machen u. nach dem Muster der Zeitschrift „Gut Woch" an einen Taschlischteich und an eine Schofarbläserkapelle denken. Aber Scherz bei Seite, eine jüoische Ausstellung würde manches Gute und Nützliche zu Tage fördern. Denken Sie nur, wenn jetzt z. B. hier in Frankfurt eine P e s a ch w a a r e n - A u s st e l l u n g veranstaltet würde, so würde die Betheiligung gewiß eine sehr große werden. Die Fabrikanten.von Pesachwaaren, deren es ja eine sehr große Anzahl gibt, hätten Gelegenheit, ihre Leistungsfähigkeit zu zeigen und gewiß auch großen Absatz zu erzielen. Maschinenfabrikanten könnten ihre verschiedenen Svsteme der Mazothbackmaschinen zur Schau stellen, Wein- und Spiritushändler ihre Getränke, und es würde einmal gezeigt werden, wie hochentwickelt auch diese Industrie ist, was bis jetzt durch Zeitungsannoncen und Circuläre doch nur mangelhaft zur Kenntniß des Publikums gelangt ist. Da unsere Glaubensgenossen im deutschen Reiche doch sehr oft hier in Frankfurt geschäftlich zu thun haben, so wäre meines Erachtens diese Stadt, abgesehen von ihrer sonstigen Eignung für diese Sache, in erster Linie für eine solche Ausstellung prädesiin'.r-. Vielleicht fällt diese Anregung aus fruchtbaren Boden und wir