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Der Israelit · 1900-01-02 · Heft 1 (2.1.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 1 (2.1.1900)
Date
1900-01-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3 Heßhatb steht vor allem die Lebensseele deS jüdischen Volksköipers, unsere Thora, hoch erhaben über jeder Zeit, über ihren berechtigten und unberechtigten Ansprüchen. Die Thora zeitgemäß zu gestalten hieße das Wankende, Schwankende, Hinfällige und Vergängliche zum Maßstab des Ewigen, Göttlichen nnd Unveränderlichen machen. Die Zeiten der Thora gemäß zu gestalten, die Thora als das einzige Absolute, Unbedingte durch alle Zeit und Fahrniß hindurch hochzuhalten, ist die Bestimmung des Judenthums, ist der welthistorische Beruf seiner Bekenner. Mit diesem bedingten Werth, den die jüdische Welt-Anschauung der Zeit zuerkannt, steht auch unser Mangel an Sinn für Jubiläen und ähnliche Feierlichkeiten in Verbindung, die in unserer Zeit besonders en vogue sind. So berechtigt sie auch dort sein mögen, so wenig sind sie es bei uns, wo jeder Tag und jedes Jahr in gleicher Würdigkeit dasteht. Daß damit keine Geringschätzung derjenigen verbunden ist, welche ein feierliches Begehen dieses Jahreswechsels als Schluß oder Beginn eines Jahrhunderts für wünschenswerth erachten , braucht nicht erst gesagt zu werden. Noch weniger involvirt dieser jüdische Standpunkt eine Verkennung der Mission des Chriftenthums, wenn wir auch nicht unsere Jahre nach seinem Stifter zählen. An und für sich halten wir es in unserer raschlebigen, immer vorwärts hastenden Zeit sogar für wünschenswerth keinen Anlaß vorübergehen zu lasten, der zum Stillstehen und zu einem Rückblick auf die Vergangenheit ladet. Nach dieser Präcisirung unseres Standpunktes, der im geschäftlichen, sozialen und politischen Leben die Hoffnungen und Befürchtungen voll und ganz theilt, die sich an den Wechsel des Jahrhunderts nach der allgemeinen Jahreszählung knüpfen, schien es uns geboten daran zu erinnern, daß für unsere jüdische Zählung der Jahre nach Erschaffung der Welt wir noch vierzig Jahre von dem Kn de sieele fern sind, und jede fln de Meie-Stimmung uns aber hoffentlich für alle Zeit fern und fremd für unsere jüdischen Anliegen bleibt. Nach dieser Voraussetzung werfen wir einen Blick auf die jüngsten hundert Jahre und ihre Bedeutung für Juden und Judenheit. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Gorrefpondenzen Berlin; 27. Dez-. Vor wemgeirWochen war m diesen Blättern eines Mannes gedacht worden, der in edelster Weise durch' feine Mithilfe der Israelitischen Synagogen-Gemeinde Adaß Jisroel ermöglichte, daß diese den Bau eines großen Gotteshauses in Angriff nehmen kann. Leider sollte es dem Wohlthäter nicht vergönnt sein, das von ihm mitbegründete Werk erstehen zu sehen. Denn Herr Israel I. K e ß l e r — so ist der Name des Gesegneten — ist vorgestern im Alter von nahezu 86 Jahren von dieser Erde in seine ewige Heimath abberufen worden. Das gestern stattgehabte Leichenbegängnis; legte Zeugniß ab von dem lautlosen Wirken des Dahingegangenen, der es verstand, in der zartesten, feinsinnigsten Weise Gutes zu thun. Außer den Mitgliedern der Adaß-Jisroel-Gemeinde und ihrer Vereine, waren es nämlich vorzüglich die armen Glaubensbrllder aus den Ländern des Ostens, die hier gewisse Straßen bewohnen, die sich im Leichenzuge befanden und dem „guten Reb Jisroel", wie sie ihn sonst im größten Dankesgefühl benannten, Thronen des Schmerzes nachweinten. In ihrem Namen sprach Herr Friedmann, und es war rührend, wie er das Wohlthuen im Geheimen schilderte, das der Dahingeschiedene unermüdlich übte. Noch in den letzten Monaten war er rastlos bemüht, diesen armen Leuten, wie er sich ausdrückte, denen zu Hause in der kalten Wohnung das Thorastudium verleidet wird, in einem seiner Grundstücke eine große Synagoge herzustellen, wo sie nach gewohnter Weise min und irrcv pflegen könnten. Auf dem Friedhofe schilderte Herr Prediger Dr. M. Hildesheimer die Tugenden des Entschlafenen, wie seine großartige Leistung für unsere Gemeinde, wie auch Herr Rabbiner F. A u e r b a ch in Anlehnung an des Propheten Wort: „In meinem Hause, in Meinen Mauern will Ich ihm ein Andenken geben, besser als Söhne und Töchter" seine Großthat pries. Wie man hört, soll in seinem Testamente vorzüglich auch die heilige Stadt bedacht sein, in welcher er bereits vor Jahren zum Andenken an seinen dort gestorbenen Vater we "> ein Haus hat erbauen lasten. rrajtjn. Frankfurt a. M. Am 11. dss. hielt im „Verein für jüdische Geschichte u. Literatur" Herr Willy Bambus aus Berlin einen Vortrag über „Die Juden als Patrioten", worin er etwa Folgendes ausführte: Unter Patriotismus versteht man gewöhnlich in erster Linie das Eintreten für das Vaterland mit den Waffen; allein ebenso wichtig ist die Vaterlandsliebe im Frieden. Das gemeinnützige Wirken für die Mitbürger, fiir das Wohl des Staates oder der Stadt. Nach allen drei Richtungen haben die Juden stets ihre volle Schuldigkeit gethan. In der alten Römerzeit waren sie, wie alle Nichtrömer, Bürger zweiter Klasse; erst die Kaiser brachten den Völkern Gleichberechtigung, und im Jahre 160 wurden die Juden, soweit sie nicht geradezu Sclaven waren, Bürger des römischen Reiches und als solche vielfach im Heere zu höheren Stellen verwendet. ,Kaiser Hvnorius.jedoch untersagte ihnen den KiitasMttst, b^-. lWWdFMNSAÄSÄ befinUich^n'YMnhn sthrqA Stellen. Den Germanen, die die Juden nicht anders be^ handelten, als die unterworfenen Römer und Späiner^' bewiesen sie ihre Dankbarkeit durch den engsten Anschluß. Sie unterstützten die Westgoten in ihren Kämpfen, bis die Araber die Oberhand gewonnen, unter de-

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