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Der Israelit · 1899-12-28 · Heft 103 (28.12.1899) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 103 (28.12.1899)
Date
1899-12-28
Page
– (sequence 26)
Language
German
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3052 durch Heranziehung der Gemeinden Kassen gründeten, bezw. durch Vertragsabschluß mit einer Lebensversicherungsgesellschaft ihren dienstunfähigen Lehrern und deren Hinterbliebenen eine ansehnliche Unterstützung sicherten. Das wäre auch ein erstrebenswerthes Ziel für unseren rührigen und dem Lehrerstande wohlwollenden Landesverein. Derselbe könnte sich tiefen Dankes seitens der Lehrer versichert halten, wenn er zur Erzielung ähnlicher Veranstaltungen wie in Baden und -Ostpreußen Schritte unternähme und die geeignete Maßnahme träfe. Was dort möglich war, müßte auch in Bayern ausführbar sein. Aus dem Rechenschaftsberichte des Vorstandes entnehmen wir ferner, daß die Zahl der aktiven Mitglieder am Schluffe des Rechnungsjahres 161 betrug. Durch Austritt aus dem Lehrerstande verloren wir 4 Mitglieder, und leider wurde uns auch durch den Tod ein Mitglied, Lehrer Simon Stern aus Gochsheim, ein treuer und braver Kollege, ein herzensguter Mensch, ein edler Charakter, im jugendlichen Alter von kaum 30 Jahren entrissen. Aus der Pfalz befindet sich bis jetzt e i n ordentliches Mitglied bei dem Vereine. Bei den dortigen Kollegen werden zur Zeit Erwägungen gepflogen, ob der Anschluß an den südwestdeukschen oder bayrischen Lehrerverein die meisten Vortheile bietet. In Folge der iw. vorigen Jahre beschlossenen Erhöhung der Unierstühungsquoten und durch die Satzungsänderung, wonach einem Ehepaare Ihß Theile zukommen, mußten in diesem Jahre über 3000 <1( auf den Zweck verausgabt werden und die Gesammtsumme der vertheilten Unterstützungen beträgt 22 000 dl. Die Berichterstattung erstreckte sich im Weiteren auf einige interne Angelegenheiten. — Am Schluffe seines Vortrages wies der Vorsitzende auf die idealen und realen Erfolge der Vereinsthätigkeit hin und forderte die Mitglieder aus, für das Wachsthum des Vereins und dessen Gedeihen auch fernerhin zu sorgen, damit er grüne und blühe und die herrlichsten Früchte trage zum Segen der Schule, zur Kultur unseres Volkes und zum Heile des Lehrerstandes. Es folgte nun das Referat über das Thema: „Die Familien- und Schul-Erziehung bei den alten Juden" von Herrn Js. Vamberger—Burgpreppach. Der Gedankengang war etwa folgender. Das Judenthum verdankt seine Existenz dem unentwegten Festhalten an den alten Idealen und Institutionen, dem Geistesstudium, der Thora und deren Fortpflanzung von Geschlecht zu Geschlecht — der Erziehung. Die Tendenz aller Erziehung im Judenthum ist eine erhaben-religiöse .und gipfelt in dem Satze: „Die Lehre, zu der uns Moses verpflichtet, sie ist das Gut, das der Vater vererbe auf sein Kind in Jakobs Gemeinde." Die jüdische Nation sah ihre höchste Autorität in Gott, im Gegensatz zu den übrigen Orientalen, deren Autorität in der Priesterschaft und im Königthum verkörpert war. Im Gegensatz zum Hellenenthum verlangt daS Judenthum Bildung und Erziehung für alle seine Glieder. In dieser Universalität unterscheidet sich die jüdische Erziehung auch vortheilhaft von modernen Anschauungen über Erziehung, wie z. B. Fichte geäußert hat. Als die wirksamste Stätte zur Erziehung betrachtet das Judenthum die Familie; die Erziehung setzt mit dem frühesten Kindesalter ein. Vater und Mutter sind verpflichtet, sich dieser Aufgabe zu unterziehen. im ib bv "vub "p:n Rüsten und üben — das sind die beiden ruhenden Pole, um die sich die ganze Familien-Erziehung drehen soll. Streng sollte die Erziehung sein. Mit 6 Jahren sollte der Knabe dem xipv zugeführt werden, und darauf aufbauend, der nt byzv min Knaben und Mädchen sind mit gleicher Sorgfalt zu erziehen. Trotz des bekannten Satzes in Sota HI, 4 sollten auch die Mädchen nicht ohne Bildung und Wissen sein. Wie sollten sie sonst später ihre Pflichten als jüdische Hausfrauen erfüllen? Neben der Familien-Erziehung ist durch Josua ben Gamla auch die Schulerziehung begründet worden. Ihn können wir den Pestalozzi des Judenthums nennen. Die jüdische Schule war eine Volksschule, d. h. allen gleich zugänglich, arm unb reich rrnn Josua ben Gamla gab genaue Vorschriften für die Klassen-Eintheilung, die unseren modernen Forderungen nichts nachgeben. Eigene Klassen für geistig zurückgebliebene Kinder, das Helfersystem, Schulzwang bis zum 14. Jahre, das waren ebenfalls Forderungen dieses Mannes. Für die Mädchen verlangte er keine Schulklassen, sondern die sogenannte „Mutterschule", die lange nach ihm erst ein Comenius wieder verlangt hat. Mittelpunkt des Lehrstoffes sollte die Thora sein -- alles Andere war Hilfswissenschaft, aber alle Zweige des Wissens wurden gepflegt. Neben „Kommentar zur „Thora" figurirte auch „Mathematik" auf dem Lehrplan. Wer wollte sonst z. B. psnv naco verstehen? Die Methode des Unterrichtes wandte sich in gleicher Weise an Gedächtnis; und Verstand, wie an Gefühl und Wille. Zur rechten Handhabung einer solchen Methode stellte man auch hohe Anforderungen an die Persönlichkeit des Lehrers, z. B. "iöSe pspn ub Auf das gute Beispiel des Lehrers in der Ausübung der mse wird besonderes Gewicht gelegt — Vorbildlichkeit des Lehrers! Auch Lehr- und Lernmittel werden uns genannt; besonders soll betont werden, daß im Judenthum Lehrmittelfreiheit proklamirt war. Ein Volk, dessen berufenste Erziehungssaktoren so harmonisch zusammenwirkten, konnte getrost allen Stürmen und Schicksalsschlägen trotzen. Seine Kraft blieb ungebeugt und wurde immer neu gestärkt und belebt. Sollte aber Uneinigkeit gesät werden zwischen Haus und Schule, dann wäre, Gott behüte, der Fortbestand des Judenthums gefährdet. „Wenig vermag das Haus ohne die Schule, nichts aber die Schule ohne das Haus", sagt R. S. Hirsch. Herr M. Marx—Gunzenhausen führte alsdann den von ihm konstruirten Apparat für das hebr. Lesen vor. Nach den einleitenden Worten führt der Referent

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