Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 103 (28.12.1899)
- Date
- 1899-12-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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3032 Lebensbeschreibungen Smolkas und feiern seine Lichtgestalt in starken, zum Theik poetischen Accenten. Was aber besonders hervorgehoben zu werden verdient, ist seine Stellung zu den Juden. Franz Smolta war nicht einer jener platonischen Liberalen, deren Selbst- Zufriedenheit dabei sich Genüge thut, in die Anklagen gegen die Juden nicht einzustimmen. Er erkannte sehr scharf die Rothwendigkeit einer kräftigen und entschiedenen Abwehr. Im Jahre 1868 hatte sich der galizische Landtag mit einer Vorlage der Regierung zu beschäftigen, welche die Aufhebung der in der galizischen Gesetzgebung enthaltenen, mit dem Staatsgrundgesetze vom 21. Dezember 1867 über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger nicht im Einklänge stehenden Beschränkungen der Juden in der Theilnahme an ver Gemeindevertretung zum Inhalte hatte. Abgeordneter Dr. Franz Smolka war Berichterstatter und seine an Form und Inhalt gleich ausgezeichnete Rede zur Der theidigung der Vorlage gegen die Angriffe judenfeindlicher Abgeordneten, unter welchen namentlich der Großgrundbesitzer Torosiewicz, ein polonisirter Armenier, welcher die Juden anklagie, daß sie sich dem polnischen Volke nicht assimiliren wollen, und der Abgeordnete Popiel, in vorderster Reihe standen, erhob diese Rede, welche den Landtag und die Galerieen Wiederholt zu stürmischem Beifall enthusiasmirte, zu einer oratorischen Meisterleistung ersten Ranges. Frankreich. Paris, 20. Dez. Herr Arthur Meyer vom „Gaulois" hat jetzt den Lohn für die Dienste erhalten, die er seit Jahren mit Hintansetzung aller persönlichen Würde den Klerikalen, Reactionären und Monarchisten geleistet hat. Der „Figaro" hat ihm kürzlich ein nettes Sündenregister vorgehalten, worauf ihm der Herzog von Luhnes, der Vertraute des Herzogs von Orleans, ein Trost-Telegramm zugeschickt hat. Auf dieses Telegramm hat nun, wie die „Wiener Allg. Ztg." mittheilen kann, der Herzog von Luhnes folgendes Telegramm erhalten: Kis-Jenoe, 6. Dezember. Ich lese in den Blättern Ihr Telegramm und bedauere tief, daß Sie diesen unbedeutenden Zwischenfall dazu benutzt haben, diesen schmutzigen Juden zu bekomplimentiren und ihn Ihrer Sympathie zu versichern. Ich glaubte, daß Sie meine Gefühle für diese Persönlichkeit hinlänglich kennten, deren Roalismus nur eine Mache und deren Haltung in der traurigen Dreyfus- Affaire nur einseiner Raffe würdiges Geschäft war. Er wagt es jetzt noch, von Duell und Ehre zu sprechen, indem er vollständig seine berüchtigte Parade vergißt! Ich fand, daß es Zeit sei, endgültig mit ihm zu brechen, und ich hoffe, daß dies jetzt geschehen ist. Philippe. ' Wenn Herr Arthur Meyer die deutsche Litteratur kennt, wird ihm jetzt wohl der Schiller'sche Mohr in den 'Sinn fömmejt. Aber den Fußtritt, den ihm der Prinz versetzt, gönnt ihm Jedermann. Rußland. Petersburg. Unter dem Titel „Buduschtschnost" (Zukunft") ist soeben eine hebräische Wochenzeitung erschienen, die sich als Organ der Zionisten bezeichnet und erklärt, sie werde das Axiom vertheidigen: „sei Jude bei Dir zu Hause, sei aber Mensch überall." Literarisches. Reden, gehalten re. beim Auszüge aus der alten und zur Einweihung der neuen Synagoge der israelitischen Religonsgesellschaft zu Gießen 2c. von Dr. L. H i r s ch f e l d, Großherzoglicher Provinzial-Rabbiner. F r a n k f u r t a. M. I. Kauffmann. 1899. Pr. 0,60 J(. In den letzten Jahren wurde der jüdisch-literarische Markt von Predigten jeglicher Art — in den meisten Fällen von solchen nicht eben anerkannter und unbestrittener Vorzüglichkeit — derart überschwemmt, daß der verständnißvolle Leser am Besten that, diesem immerhin bedeutenden Zweige unserer modernen Literatur überhaupt keine Aufmerksamkeit zu schenken. Um so erfreulicher ist es, einmal einer bemerkenswerthen Ausnahme zu begegnen. Es ist dies das obengenannte Bändchen Gelegenheitsreden von dem als Meister der Rhetorik auch weiteren Kreisen bekannten oberhessischen Provinzialrabbiner. Wenn auch im Allgemeinen Predigten auf den Hörer unmittelbarer und packender wirken, als ans den Leser, so darf man von den vorliegenden getrost sagen, daß sie durch die Fülle der Gedanken, durch die Wucht der Sprache auch den Leser fesseln. Die wahlthuende Wärme, die sie durchweht, die Diwre Mussar, denen man es anmerkt, daß sie Deworim hajauzim min halew sind, und der poetische Schwung, in dem sie gehalten, sind vortrefflich dazu angethan, auf das Herz tief einzuwirken, den religiösen Sinn zu heben und als Grundlage für weitere gläubige Betrachtungen zu dienen. An verschiedenen Stellen (so Seite 11, 23, 25 u. s. w.) offenbart sich Vers. als vorzüglicher Homiletiker, nicht lveniger als Meister der gebundenen Rede (Seite 18). Als Letzterer hat sich Vers, im verflossenen Jahre durch die Herausgabe einer Sammlung deutscher Gedichte'^) rühmlichst bekannt gemacht. Der Umstand, daß es Einweihungsreden sind, macht diese vorliegenden Reden auch in geschichtlicher Hinsicht beachtenswertst Sie lassen klar blicken, wie tief das Judenthnm in manchen Gegenden Deutsch lands gefunken war und ist, und wie schwer und bitter ein wahrhaft frommer Rabbiner kämpfen muß, bis es ihm gelingt, mit Hilfe eines winzigen Häufleins Gesetzestreuer eine gesonderte Religionsgesellschast zu gründen und auf der Höhe weiterer gedeihlicher Entwickelung zu halten durch Errichtung eines allen religionsgesetzlichen Anforderungen entsprechenden Gotteshauses. *) Die Herrlichkeit Karmels und SaronS. Gießen- Emil Roth.