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Der Israelit · 1899-12-28 · Heft 103 (28.12.1899) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 103 (28.12.1899)
Date
1899-12-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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3033 Besonders möchten wir Hinweisen auf die den Schluß des Bändchens bildende Sabbath Nachmu- Predigt, als an welchem der Einweihung folgenden Tage der eigentliche Eröffnnngsgottesdienst in Der neuen Synagoge stattfand. Am Schluffe dieser ln allen ihren Theilen wohlgelungenen Predigt gedenlt Vers. deS jüngst verblichenen Rabbi Israel Hildelsbeiiner, um, Ivie Vers. selbst sagt, „seine Gemeinde unter den Auspizien dieses unsterblichen Namens in ihr neues Heiligthum hineinzuführen." Die Verlagsbuchhandlung hat für eine tvürdige Ausstattung des Büchleins Sorge getragen.P. geuilleiott. Der Lhammer und der Lchaute. Eine Humoreske aus dem jüdischen Leben der guten, alten Zeit. Von Maurice Mayorr. in) (Alle Rechte Vorbehalten.) Ein Mann Mitte der Vierziger löste sich aus der Versammlung, trat auf Faißel zu, ergriff seine Hand und drückte sie mit Wärme. „Bis heute wußte ich nicht, tven Hakodauschboruch hu^'I zu seinem Malach-^) erivählt, um einen sichtbaren NeS ^') an mir und meiner Familie zu vollziehen. Der Befehl war schon an mich ergangen, binnen 48 Stunden den Krug, der schon meine owans awausai'^I ernährt hatte, zu verlasten. Ich nnistte nicht, was ich in meiner Verzweiflung thun soll, loa ich für mich und meine zahlreiche Familie ein Ruheplätzchen auf Erden finden sollte. Stunde auf Stunde verrann in qualvoller Pein und Jammer. Endlich war die Frist abgelaufen, und der Amtmann mit seinen Heiducken näherten sich, um mich aus jenem Hause binauszuwerfen, in welchem meine Wiege stand, in welchen all meine Kinder geboren waren, und in welchem ich die angenehmsten Stunden meines Lebens verbracht hatte. Wie vermag ich die qualvollen Ge, fühle, die schmerzzerwühlend in meinem Innern tobten, zu schildern, als der Amtmann die Amtssiegel auf alle meine Sachen anlegte und mir befahl, sofort mit den Meinigen das Haus zu verlassen. In jenem schrecklichen Augenblicke, in welchem ich mich von der Welt und Gott verlassen glaubte, kam ein Reiter mit einem von Schweiß triefenden Pferde in sausendem Galopp dahergeritten, sprang aus dem Sattel und überreichte dem Amtmann ein mit dem Amtsstegel versehenes 283) Der Heilige, gelobt sei er. 284) Kugel. Gesandter Gottes. 285> Wunder. 286) Ureltern. Schreiben, welches er sofort erbrach, und mit vor Wuth knirschenden Zähnen und verzerrten Gesichtszügen las. Ohnmächtig vor Zorn erklärte er mir, daß auf Befehl des Bezirksoberamtmanns mir auf weitere zehn Jahre die Pacht des Kruges überlassen worden sei. Dieser Vorgang war mir damals um so räthselhafter, als alle meine Bittgesuche bei dem Bezirksoberamtmann mit ablehnendem Bescheid beantwortet worden sind. Jetzt natürlich ist es mir klar, wie dieser Res min Haschomajim-'H sich vollzog. Unser lieber Herrgott hat Euch, Rabbi Faißel, zu meliz jauscher-^) für ruich und meine kleinen .Kinderchen bestellt. Möge Euch Haschern jisborach^') diesen Sechus die Ihr Euch an mir und den Meinen erworben, stets annehmen. Jigmolcho kepolecho ukemase jodecho!" ^). „Omen!" erscholl voller Beifall aus dem Munde der gerührten Versammlung. „Ah Spaß war es, eine Tircho,"lächelte Faißel ganz verlegen. „Ist schon der Mühe werth, daß man davon so viel din udeworim^) macht! Habt Ihr eine Mezio? -J1) Es hat mich nur einige Worte bei Ihrer hochwohlgeborenen Gnadenleben gekostet. Dafür gebührt mir doch kein Jejascher kauach!" „Nicht?" warf der Rabbi ein. „Wer nur ein Leben vor Verderben schützt, erringt sich unsterbliche Verdienste, und Ihr, Rabbi Faißel, habt bei Rebb Charrn Britsch solche zwölf Leben vor sicherem Untergänge gerettet. Doch jetzt ist es genug, Rabbi Faißel! Wohl kennzeichnen die herrlichen Midaus2^') wie Demuth und Bescheidenheit den Characterzug unseres Volkes, doch allzu große Bescheidenheit ist ebenso verwerflich, wie ungeziemende Frechheit. Das Rabbinat und die Chaschuwe hakohol finden Euch der Euch gewordenen Auszeichnungen würdig, und Ihr müsset ihnen mehr Glauben schenken, als dem ungerechtfertigten und unbeabsichtigten Witz, den sich vor Jahren ein Scharnes erlaubt fjatte unb leibev tticfyt ofyne Wirkung auf Viele blieb." „Hast Du gehört, Sprinzeleben," wandte sich Faißel plötzlich an seine Sprinze, „was der Rabbi, er soll 120 Jahre leben, gesagt hat? Weißt Du, wer ich bin? Weißt Du, was aus dem Faißel geworden ist? Wo bleibt nur unser Jomtauw? Oder bist Du jetzt ein Valgawe2^') geworden, seit Du die Frau eines Chawers und Chewregabbai geworden bist? Scheint Dir jetzt der Jomtauw als Eidam zu gering?" „Ganz gewiß nicht, Faißelleben," erwiderte Sprinze, deren Gesicht vor Freude ebenso strahlte, wie 287) Wunder vom Himmel. 288) Zun, liebreichen Fürsprecher. 289) Der hochgepriesene Namen. 260) Verdienst 291) Möge er es Dir belohnen nach Verdienst und nach Deinem Handewerke. 262) Mühe. 263) Aufhebens. 294) Errungenschaft. 265) Eigenschaften. 296) hochmüthig.

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