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Der Israelit · 1899-12-28 · Heft 103 (28.12.1899) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 103 (28.12.1899)
Date
1899-12-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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3030 einander zusammenstehen, gelingen wird, für Thora u. Jirah innerhalb und außerhalb unserer Kreise die segensreichsten Resultate zu erzielen. Eine neue Anbahnung der Wege hierfür bereitet sich bereits vor, worüber Sie bei Ihrem Interesse an unserer Gemeinde gern meinen nächsten Bericht erwarten dürften. Posen, im Dez. Der seit fast einem Jahrzehnt hier unter dem Nameno'^o^ bestehende Jünglingsverein hat an dem letzten Chanukaabend für feine Mitglieder und mehrere um das Gedeihen und den Zweck des Vereins verdiente Männer einen Festabend veranstaltet. Einige Vereinsmitglieder hatten zu demselben humoristische Gesangsstücke gedichtet, die von Geist und Laune sprudelten und allgemeinen Beifall hervorriefen. Auch manche scherzhafte Piece wurde vorgetragen. Unter diesen ragte besonders hervor ein origineller Vortrag desHerrn Pekarezyk, der ein talmudisches Thema als Sujet wählte und die betreffende Discusswn in geistreicher Weise auf den Festabend anwandte. Aber auch der Ernst gelangte zu seinem Rechte. Die Herren Dr. Feilchenfeld, Rabbinatsmitglied Krause, Dr. Man nes, Dr. Wa ß z e w s k i u. a. hielten eindrucksvolle Ansprachen. Zum Schluffe sprach der Herr Rabbiner noch seinen Wunsch für das fernere Gedeihen des Vereins aus. So wirkte der Festabend erheiternd und belehrend auf die Anwesenden u. weckte Anregungen zu weiterer erfreulicher Thätigkeit. Thaisächlich wird durch die Bestrebungen dieses Vereins der Zweck erreicht, daß junge Leute aus religiösen Häusern, die nach Absolvierung der Schulzeit ins Geschäftsleben treten, einen Mittelpunkt besitzen, der sie abhält, das früher erworbene religiöse Wissen zu vergessen u. ihnen die Möglichkeit bietet, sich in religiösem Wissen weiter fortzubilden. Außerdem ist auch die Möglichkeit geboten, daß religiöse junge Leute Gelegenheit haben, ihre nicht religiös erzogenen Kollegen zu sich heranzuziehen und dem Verein zuzuführen. — Eine eigentümliche Sendung ist in diesen Tagen vielen jüdischen Familien zugegangen. Es ist dies eine Aufforderung zur Anschaffung der neu erschienenen „Geschichte der deutschen Juden von Dr. Kohut". Diese Aufforderung trägt aber als Aufdruck die Bemerkung: „Schönstes Weihnachtsgeschenk für jüdische Familien." Diese Empfehlung hat gewiß bei manchem ein „Schütteln des Kopfes" zur Folge gehabt. Ob dies unfreiwilliger Humor war!? Commentar überflüssig.*) Nördlingen, im Dez. Zu dem Berichte über meine Abschiedsfeier in Großostheim scheint Ihr Berichterstatter einige Hauptmomente wohl vergessen zu haben und zwar: 1. Die Anwesenheit Sr. Ehrwürden des Herrn Distriktsrabbiner Dr. W a ch e n h e i m e r aus Aschaffenburg, welcher trotz der winterlichen Jahreszeit, und obschon gesellschaftliche Rücksichten für einen Abend ihn zurückhalten sollten, in später Abendstunde *) Vssle Zuschriften, auch aus anderen Gebenden des Deutschen Reiches, besagen uns, daß da« sonderbare Circular auch anderwärts Anstoß erregte Red. herbeigeeilt kam,und den Scheidenden durch seine Anwesenheit ehrte, dabei mit einer begeisterten und begeisternden herrlichen Rede und durch Worte der Anerkennung die Versammlung in höchster Weise erfreute; wie denn auch der Gefertigte das segensreiche Wirken des ehrwürdigen Herrn Rabbiners Dr. Wachenheimer in seiner Abschiedsrede hervorhob. 2. Das zum Vortrag gebrachte Gedicht meiner früheren Schülerin, der Tochter des Herrn Vorstandes, Fräulein Bertha Gärtner, welche an jenem Abende leider von Großostheim abwesend war. Das in sinniger, geistreicher Weise selbstverfaßte Gedicht wurde von Herrn Emanuel Gärtner vorgetragen und fand stürmischen Beifall. M. P r a u n , Lehrer. Nach Erhalt des obigen Schreibens empfingen wir auch eine Zuschrift des verehrlichen Vorstandes von Großostheim, der uns in ähnlicher Weise die vorzügliche Veredtsamkeit des Herrn Bezirksrabbiners schilderte, und wie seine Ansprachen namentlich auf die anwesenden Nichtjuden einen vorzüglichen Eindruck machten. Red. Ans« dem Oberelsaff, 1Z. Dez. Heute wird mir die Aufforderung ins Haus gebracht, am nächsten Sonntag vier neue Mitglieder für das israel. Consistoire des Ob.celsaß zu wählen. Selbstverständlich wird es mir, so gerne ich mein Wahlrecht ausüben würde, nicht einfallen, auch nur wenige Minuten der kostbaren Zeit zu opfern, um den Gang ins Wahllokal zu riskiren, denn auch nicht einer der vier Kandidaten steht auf dem Boden des traditionellen Judenthums, also eine Besserung der religiösen Verhältnisse ist von diesen Herren, wenn sie durchdringen, nicht zu erwarten. Es wird auch nicht besser werden, so lange die schon längst nicht mehr zeitgemäße Verordnung, daß vier Mitglieder des Konsistoriums aus Colmar sein müssen, nicht aufgehoben und durch eine auf ganz neuer und zeitgemäßer Wahlordnung beruhende Verfassung ersetzt wird. Sollte dies kommen, und es wird und muß kommen, dann ist der Spielraum zur Nomirirung der Kandidaten derart, daß man allerdings mit eifriger Agitation und vielem Fleiß Kandidaten, die das traditionelle Judenthum nicht nur dem Namen nach kennen, auf den Schild erheben und durchbringen könnte. Vor allem aber sollte darauf gedrungen werden, und so viel ich gesehen und vernommen, wäre die kaiserl. Regierung damit einverstanden, daß den Gemeinden mehr Selbstständigkeit gewährt und namentlich die Wahl ihrer Cultusbeamten in eigene Hand gelegt werde. Wir sehen ja z. B. in Straßburg, wie es bei der letzten Rabbinerwahl gegangen, das Konsistoire dekretirt einen Rabbiner, der Protest von Gemeindemitgliedern erscheint auf der Bildfläche, aber proNihilo! C5tn weiteres Beispiel! DerPräsident einer großen jüd. Gemeinde des Elsaß engagirt vor mehreren Jahren einen Opernsänger als Canior, der Sänger erscheint, verlangt eine Orgel, die Bitte wird ihm gewährt, der Rabbiner protestirt erst u.

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