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Der Israelit · 1899-12-28 · Heft 103 (28.12.1899) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 103 (28.12.1899)
Date
1899-12-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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— unablässig von seinen Bekennern ausgeübt wird. Während in der Mitte und am Ende dieses Jahrhunderts das Judenthum in seiner Jugend in Verfall zu gerathen drohte, der Sinn für alles Jüdische zu schwinden schien und der Uebertritt zum Christenthum, besonders in vornehmeren Kreisen, modern wurde, können wir mit inniger Freude sehen, daß die Heranwachsende Generation wieder zu den Stätten eilt, wo das Wort Gottes und die ruhmreiche Geschichte unseres Volkes gelehrt wird. Wenn andererseits auf Grund der Bedrückungen, denen die Juden in einzelnen Ländern ausgesetzt sind, eine Bewegung entstanden ist, welche in gefahrvolle Bahnen auszuarten drohte, so muß auch hier mit Freude anerkannt werden, daß diese Bewegung heute nur noch rein colonisatorische Zwecke verfolgt. Ein Jeder, dem das Wohl u. Wehe seiner unglücklichen Glaubensbrüder am Herzen liegt, wird gern und freudig in die Reihen der Männer eintreten, welche den bedrängten Brüdern eine Heimstätte für sich und ihre unglücklichen Kinder gründen wollen. Große Männer hat unser Jahrhundert hervorgebracht. Gelehrte, Künstler und Dichter, welche wir mit gerechtem Stolz zu den Unsrigen zählen, leben in dem Gedächtniß der Menschheit fort, und so mögen diese Betrachtungen mit dem Wunsche geschloffen sein, daß das neue Jahrhundert für alle unsere Brüder auf dem Erdenrund der Anbruch der Zeit sein möge, in der die große Mission der jüdischen Religion ihrer Vollendung entgegengeht. Aettungsnachrtchterr und Corresporrvettzerr Deutschland. Berlin, 15. Dez. Die Wahlen zum Directorium der akademischen Lesehalle haben diesesmal ein recht erfreuliches Ergebniß gehabt. Es wurden gewählt: Sechs Bertreter der sogenannten nationalen, d. h. der antisemitischen Partei des Vereins deutscher Studenten nebst Anhang, ein Vertreter des katholischen Studentenvereins Askania, ein Vertreter der Freien Wissenschaftlichen Vereinigung, zwei Vertreter des Socialwissenschaftlichen Studentenvereins und drei Vertreter der Berliner Finkenschaft. Durch das Zusammengehen der ltztgenannten Directoriumsmitglieder wurde es möglich, den ersten Vorsitz, der lange Jahre hindurch in den Händen des antisemitischen V. D. St. gelegen hatte, an den unparteiischen Vertreter der Askania zu übertragen. Letzterer versprach in der constituirenden Sitzung, er werde stets die strengste Objectivität wahren, und namentlich jede ronfessionelle Rücksicht bei Seite lassen. Außerdem verbat er sich mit Recht die Bezeichnung nationale Partei von Seiten des V. D. St. und seines Gefolges, indem er ausführte, daß dadurch der Gegenpartei der Stempel der Antinationalität aufgedrückt würde, was den (Besinnungen dieser Partei in keiner Weise entspräche. Wir wollen hoffen, daß dem V. D. St., dessen einzige Aufgabe es stets war, antisemitische Gesinnung unter den deutschen Studenten zu verbreiten, endgültig das Handwerk gelegt ist. An der freidenkenden Berliner Studentenschaft aber ist es, zu erhalten, was bei den letzten Wahlen erreicht worden ist. G.A. Berlin, 26. Dez. Ein bedeutungsreicher Act hat sich heute innerhalb unserer Gemeinde Adaß Jisroel vollzogen. Seit dem Hinscheiden unseres unvergeßlichen und unersetzlichen Rabbiners Dr. Israel Hildesheimer b*an war die Verwaltung sorgenvoll darauf bedacht, für das erledigte Rabbinat geeignete Vorschläge zu machen. — Schon in den letzten Jahren des Verewigten war sein Sohn, Dr. Meier H i l d e s h e i m e r , in die Stellvertretung für das Predigeramt und die Leitung der Religionsschule berufen worden. Die Hoffnungen, die auf eine erfolgreiche Thätigkeit der jüngeren Kraft gesetzt wurden, haben sich in einer so hervorragenden Weise erfüllt, daß es nur allgemeiner Wunsch der ganzen Gemeinde sein konnte, in dem Sohne den geeigneten Nachfolger des großen Vaters zu erhalten. Da aber schon der Letztere, trotz seiner immensen Geistes- und Arbeitskraft, für die Schule sowohl wie für die Beaufsichtigung der Kaschruth-Anstalten noch besondere Vertreter haben mußte, so mußte jetzt bei der Wiederbesetzung um so mehr darauf gesehen werden, neben und mit dem Sohne noch eine zweite Kraft zu gewinnen, bei der man sicher sein konnte, daß Beide, von gleichem Streben beseelt^ in Gemeinschaft und Harmonie die verschiedenen Gebiete des Nabbinats beherrschen werden. Unsere Gemeinde hat ja nicht allein die heilige Pflicht, für die religiösen Bedürfnissen ihrer eigenen Mitglieder zu sorgen, sie ist auch vielfach berufen, den religiösen Wünschen ü. religionsgesetzlichen Fragen, welche von Seiten vieler Mitglieder aus der großen Gemeinde, sehr oft auch von solchen außerhalb Berlins, an sie herantreten, Rechnung zu tragen. Daher sollen von jetzt an zwei Rabbiner in unserer Gemeinde fungieren, welche in friedlich vereinigter Thätigkeit die Gemeinde auf der Grundlage erhalten sollen, die unser großer Meister in den dreißig Jahren seines Wirkens ihr gegeben hat. Die Verwaltungsbehörden hatten nun einstimmig beschlossen, den in Königsberg in Pr. seit mehr als sechs Jahren mit großem Erfolge in der Separaigemeinde dort wirkende Rabbiner Dr. Esra Munk in das erledigte Rabbinat zu berufen. Dieser Wahl ist heute von der Generalversammlung mit großer Begeisterung zugestimmt worden. Dr. Esra Munk, Sohn des seligen Rabbinats-Asseffors Elia Munk in Altona, hat von Jugend auf in unserem Sinne gelernt, das hiesige Rabbinerseminar absolviert, und besitzt alle die Eigenschaften u. Zeugnisse, welche gemäß dem Gemeindestatut von einem Rabbiner verlangt werden. Wir leben der zuversichtlichen Hoffnung, daß es unter göttlichem Verstände den beiden Rabbinern, welche ohnedies durch die Bande der Verwandtschaft und im gemeinsamen Studium durch viele Jahre eng mit-

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